LIPPE aktuell - Das Mitteilungs- und Anzeigenblatt für die Region Lippe

Sprung

Inhalt

» Kultur

Literaturfestival "Wege durch das Land"

Schaus pieler begeistern in Konzerthalle

Jazzduo auf höchstem Niveau. Schlagzeuger Günter Baby Sommer und Trompeter Till Brönner ziehen die Gäste der Konzerthalle in den Bann.  Foto: Krügler

Jazz­duo auf höchs­tem Ni­veau. Schlag­zeu­ger Gün­ter Baby Som­mer und Trom­pe­ter Till Brön­ner zie­hen die Gäste der Kon­zert­halle in den Bann. Fo­to: Krüg­ler

Bad Sal­zu­flen (krü). Beim Li­te­ra­tur­fes­ti­val "­Wege durch das Lan­d" in der Bad Sal­zu­fler Kon­zert­halle tritt eine Star-Be­set­zung auf. Ul­rich Noethen wird als be­kann­ter TV-Schau­spie­ler von den Jaz­zern Gün­ter "­Ba­by­" Som­mer und Till Brön­ner flan­kiert. Die Kon­zert­halle war mit rund 1.100 Gäs­ten bei der 13. Ver­an­stal­tung der Sai­son aus­ver­kauft. Ul­rich Noethen ist schon wie­der­holt bei "­Wege durch das Lan­d" auf­ge­tre­ten und ver­leiht dem Fes­ti­val eine wun­der­bare Stim­me. Im Dia­log mit dem Schlag­zeu­ger Gün­ter "­Ba­by­" Som­mer hauchte er den Cha­rak­teren der Erzäh­lung stimm­lich vi­ta­les Le­ben ein. Som­mer (74) gehört zu den Free-Jazz-Mu­si­kern der ers­ten Stunde und wurde zur "­Eu­ro­pean Jazz Le­gen­d" er­nannt. Er hat zahl­rei­che mu­si­ka­li­sche Le­sun­gen ent­wi­ckelt, in de­nen er punkt­genau agiert. Mit sei­nem in­di­vi­dua­li­sier­ten Schlag­in­stru­men­ta­rium kre­i­ert er eine un­ver­wech­sel­bare mu­si­ka­li­sche Spra­che. Ein im­po­san­ter Gong, Trom­meln und Be­cken un­ter­le­gen der aus­drucks­star­ken Le­sung von Ul­rich Noethen dy­na­mi­schen Drive in nu­an­cier­ten Klang­far­ben. Mal lässt Som­mer die Glo­cken läu­ten, mal greift er zur Mund­har­mo­nika oder ent­lockt dem Me­tal­lo­phon mit dem Streich­bo­gen sphäri­sche Klän­ge. Stets dient seine Mu­sik der Erzäh­lung und nie stellt er sich in den Vor­der­grund oder ver­deckt das Wort. Wenn Noethen eine Pause macht, lebt sein im­pro­vi­sa­to­ri­sches Ta­lent auf. Bei wört­li­cher Rede und Flüs­ter­stel­len pau­siert Som­mer. Mo­to­risch trei­bend heizt er die Stim­mung der Erzäh­lung an. Sprechtempo und Schlag­zeug-Beat ver­lau­fen syn­chron und sind dra­ma­tur­gisch wie bei ei­nem gu­ten Hör­spiel ab­ge­stimmt. Le­sung und Mu­sik ver­schmel­zen ge­lun­gen zur Ein­heit. Der Ver­an­stal­tungs­ort hätte nicht tref­fen­der ge­wählt wer­den kön­nen, geht es doch in dem Ro­man des Franzö­si­schen Schrift­stel­lers Guy de Mau­passant (1850-1893), aus dem der Schau­spie­ler Ul­rich Noethen (58) las, um die Grün­dung ei­nes mon­dä­nen Heil­ba­des. Seit 1914 trägt Sal­zu­flen den Na­mens­zu­satz "­Ba­d". Der Ro­man "­Mont-Oriol" (1887; deutsch 1905) ver­setzt den Le­ser in die Früh­zeit des mo­der­nen Tou­ris­mus an den Rand ei­nes quel­len­rei­chen Vul­kan­ge­bie­tes süd­lich von Cler­mont-Fer­rand. Mit ana­ly­ti­scher Ge­nau­ig­keit wer­den die Cha­rak­tere be­schrie­ben. Dr. Bon­ne­fil­le, der eine nach ihm be­nannte Quelle zum All­heil­mit­tel er­klärt, ver­sucht mit al­len Mit­teln dar­aus Ka­pi­tal zu schla­gen. Ob­skure Heil­prak­ti­ken der Dok­to­ren La­tonne und Bon­ne­fille wer­den amüsant be­schrie­ben. In der hei­te­ren Grün­der­zeit­ge­schichte er­blüht zwi­schen Geld­gier und In­tri­gen eine ro­man­ti­sche Lie­bes­ge­schich­te, die die vor­nehme Welt der Hoffi­nan­zen auf eine bäu­er­li­che Ge­sell­schaft tref­fen lässt. "­Mont-Oriol" war ein wich­ti­ger Ro­man, der kei­nen Ge­rin­ge­ren als Tho­mas Mann zu sei­ner No­velle "Tri­stan" an­reg­te. Den zwei­ten Teil der Ma­ti­nee ge­stal­tet Som­mer mit dem Trom­pe­ter Till Brön­ner. Brön­ner (47) kom­bi­niert ver­schie­dene Stil­rich­tun­gen und gehört zur Elite der in­ter­na­tio­na­len Jazz­sze­ne. Er er­hielt fünf Echo-Preise und ist wie Som­mer Pro­fes­sor in Dres­den. Als Duo er­grün­den beide 100 Jahre Jaz­z­ge­schich­te. Das trei­bende Schlag­zeug steht mit ei­ner luf­ti­gen nu­an­cen­rei­chen Ton­ge­bung der Trom­pete im Dia­log. Brön­ner bleibt ru­hig vor dem Mi­kro­fon ste­hen, während Som­mer in "Vier Mi­nia­tu­ren" im­mer wie­der Neues aus­pro­biert. Ha­waii-Klänge auf dem Me­tal­lo­phon, Wühlen im Me­tall­schrott, Spie­len auf der Maul­trom­mel und eine Trom­mel­me­lo­die im Uni­sono mit der Trom­pe­te, zu der Som­mer auch schon mal singt. Brön­ner zieht mit der So­lo­bal­lade "In a Sen­ti­men­tal Moo­d" von Duke El­ling­ton auf dem Flü­gel­horn in den Bann, während Som­mer mit Klang­scha­len und asia­ti­schen Tem­pel­glo­cken in me­di­ta­tive Trance ver­setzt. Der fre­ne­ti­sche Ap­plaus ent­lockt dem Duo eine Zu­ga­be. Sie wird von Som­mer mit viel Spiel­witz stel­len­weise auch pan­to­mi­misch, sehr zum Ge­fal­len des Pu­bli­kums in­sze­niert.

vom 20.06.2018 | Ausgabe-Nr. 25A

Seite drucken Drucken  | Seite versenden Versenden

« weitere Artikel

Keine Zeitung erhalten