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Wie weltoffen war Lippe vor 400 Jahren?

Schüler gestalten Museumsturm nach eigenen Vorstellungen

Lemgo (la). Schü­ler der Eu­ro­pa­schule Städ­ti­sches Gym­na­sium Barn­trup ha­ben im Rah­men des Pro­jek­tes "­Eu­ropa in West­fa­len – Spu­ren­su­che im Denk­mal­be­stan­d" des Land­schafts­ver­ban­des West­fa­len Lippe (LWL) den Turm von Schloss Brake mal ge­nauer in Au­gen­schein ge­nom­men. Jetzt ha­ben die Barn­tru­per Schü­ler die Ge­le­gen­heit, die grenzü­ber­schrei­ten­den Ein­flüsse und Ge­schich­ten für alle Be­su­cher nach­voll­zieh­bar zu ge­stal­ten.

"Im Turm wim­melt es nur so vor eu­ropäi­schen Ver­bin­dun­gen", schwärmt die Mu­se­umspäd­ago­gin Dr. Su­sanne Hil­ker. An­ge­stoßen von der LWL-Denk­mal­pfle­ge, geht es bei die­sem außer­schu­li­schen Lern­ort um eine Ko­ope­ra­tion zwi­schen dem We­ser­re­naissance-Mu­seum Schloss Brake und dem Gym­na­sium Barn­trup. Was gibt es für die Be­su­cher zu se­hen, zu fühlen, zu rie­chen oder auch zu hören? Wie kann man die Weltof­fen­heit der ade­li­gen Be­woh­ner von Schloss Brake zei­gen? Doch um grif­fige Ideen ent­wi­ckeln zu kön­nen, brauch­ten die Ju­gend­li­chen erst ein­mal jede Menge In­for­ma­tio­nen. Die Mu­se­umspäd­ago­gin Dr. Su­sanne Hil­ker ver­riet die ge­schicht­li­chen Hin­ter­grün­de: Graf Si­mon liebte Bücher und trug eine um­fang­rei­che Bi­blio­thek zu al­len re­le­van­ten Wis­sens­ge­bie­ten im Turm zu­sam­men. Sein be­son­de­res In­ter­esse galt der Astro­no­mie. Vom obers­ten Turm­ge­schoss aus be­ob­ach­tete er stun­den­lang mit sei­nen ge­rade erst er­fun­de­nen Fern­roh­ren die Ster­ne. Er pflegte enge Kon­takte zu dem Schwei­zer Uhr­ma­cher, Ma­the­ma­ti­ker und Astro­no­men Jost Bür­gi. Die­ser weilte gleich mehr­fach in Bra­ke, um sich um die Ein­rich­tung ei­ner Turm­uhr zu küm­mern. Graf Si­mon stand außer­dem im Kon­takt zum wich­tigs­ten Astro­no­men der Zeit. Die Schü­ler soll­ten ü­ber­le­gen, wie man die Weltof­fen­heit der Zeit vor rund 400 Jah­ren und auch die Ein­flüs­se, die – weit ent­fernt lip­pi­scher Gren­zen – bis an den Adels­hof reich­ten, dar­stel­len könn­te. "Wir könn­ten einen Ster­nen­him­mel un­ter der De­cke in­stal­lie­ren und ver­schie­dene Stern­bil­der nach­zeich­nen", hieß es da un­ter an­de­rem. Auch das Auf­stel­len ei­nes Fern­roh­res sei wich­tig, im­mer­hin sei Graf Si­mon pas­sio­nier­ter Hobby-Astro­nom ge­we­sen. In den kom­men­den Wo­chen wer­den die Ju­gend­li­chen im Un­ter­richt diese und wei­tere Ideen aus­ar­bei­ten. Bei der Um­set­zung hel­fen ab­ge­se­hen von der Mu­se­umspäd­ago­gin dann auch der Mu­se­ums­tech­ni­ker und Re­stau­ra­tor wei­ter. Ein span­nen­des Pro­jekt - vor al­lem, weil das We­ser­re­naissance-Mu­seum für das LWL-Pro­jekt "­Eu­ropa in West­fa­len" aus­ge­wählt wur­de. Ziel ist es, auch in Lemgo deut­lich zu ma­chen, dass das bau­kul­tu­relle Erbe un­mit­tel­bar mit grenzü­ber­schrei­ten­dem Aus­tausch ver­bun­den ist. "Ich freue mich, dass wir mit dem Pro­jekt in Lemgo einen Bei­trag dazu leis­ten kön­nen, die­sen kul­tur­his­to­ri­schen und ganz ak­tu­el­len ge­sell­schaft­li­chen Aspekt vor Ort zu ver­mit­teln", sagt Dr. Oli­ver Kar­nau von der LWL-Denk­mal­pfle­ge. Am 7. No­vem­ber 2018 prä­sen­tie­ren die Schü­le­rin­nen und Schü­ler beim öf­fent­li­chen Ab­schluss des LWL-Pro­jek­tes zum ECHY-Jahr 2018 im Klos­ter Bent­lage in Rheine die Er­geb­nisse ei­nem Fach­pu­bli­kum. Im We­ser­re­naissance-Mu­seum selbst wird der neu­ge­stal­tete Aus­stel­lungs­raum am Mitt­wo­ch, 21. No­vem­ber, der Öf­fent­lich­keit vor­ge­stellt. Im Rah­men des Pro­jekts "­Eu­ropa in West­fa­len – Spu­ren­su­che im Denk­mal­be­stan­d" des Land­schafts­ver­ban­des West­fa­len Lippe (LWL) be­ge­ben sie sich im Schlos­sturm auf Spu­ren­su­che nach eu­ropäi­schen Be­zü­gen.

vom 26.05.2018 | Ausgabe-Nr. 21B

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