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Die historische Altstadt durch 7 Frauenzimmer neu erleben

Neue Stadtführung rückt Detmolder Frauen in den Mittelpunkt

Über Hexen, Fürstinnen und Mätressen: Stadtführerin Cornelia Müller-Hisje (M.) spricht an einer der Stationen des neuen Stadtrundganges zu den Teilnehmern. Foto: Bartling

Ü­ber He­xen, Fürs­tin­nen und Mätres­sen: Stadt­füh­re­rin Cor­ne­lia Mül­ler-Hisje (M.) spricht an ei­ner der Sta­tio­nen des neuen Stadt­rund­gan­ges zu den Teil­neh­mern. Fo­to: Bart­ling

Det­mold (r­b). Die neue Stadt­führung Frau­en­zim­mer - von He­xen, Fürs­tin­nen und Mätres­sen" gab den Teil­neh­mern tiefe Ein­bli­cke in das Le­ben der Det­mol­der Frau­en, die Seite an Seite mit Fer­di­nand Frei­li­grath wohn­ten, das Schlaf­zim­mer mit Fürst Leo­pold I. teil­ten oder nur knapp dem Tod durch den Schei­ter­hau­fen zu Zei­ten der He­xen­ver­fol­gun­gen ent­ka­men. Bei der Pre­miere be­ka­men es die Teil­neh­mer mit eins­ti­gen Det­mol­der He­xen, Fürs­tin­nen und Mätres­sen zu tun.

Es ist ein un­schein­ba­res und idyl­li­sches Gäss­chen, das die Eber­lein­pas­sage mit der Straße "Un­ter der Weh­me" ver­bin­det. Be­nannt ist sie nach der Bäckers­frau Anna Ma­ria Tin­tel­not, die im Jahr 1654 der He­xe­rei an­ge­klagt wurde und des­sen vor­ma­li­ger Wohn­ort in der Nähe ver­mu­tet wird. Hier be­rich­tet Stadt­füh­re­rin Cor­ne­lia Mül­ler-Hisje von den Gräuel­ta­ten der He­xen­ver­fol­gun­gen, die auch in Det­mold zur da­ma­li­gen Zeit von­stat­ten gin­gen. Eine an­dere Vor­ge­hens­weise beim Bier­brau­en, eine un­ge­wöhn­li­che Re­zep­tur beim Brot­ba­cken oder ein er­kran­ker Gast in­folge ei­nes ge­sell­schaft­li­chen Emp­fangs –"­mehr brauchte es nicht", so Mül­ler-His­je, "um im 17. Jahr­hun­dert als Hexe an­ge­klagt und ver­ur­teilt wor­den zu sein. Aber wir kön­nen nicht nach­voll­zie­hen, was in den Köp­fen der Leute zu die­ser Zeit vor sich ging." Tin­tel­not hatte einst vor dem Reichs­kam­mer­ge­richt Recht be­kom­men, hatte ü­ber­lebt. "Ein Ver­fah­rens­feh­ler", in­for­miert die Stadt­füh­re­rin. Kurz dar­auf ha­ben die Det­mol­der He­xen­pro­zesse ihr Ende ge­fun­den. An an­de­rer Stel­le, dem Det­mol­der Schloss­park, spricht Mül­ler-Hisje ü­ber zwei Frau­en, die ih­rer Zeit um Län­gen vor­aus schie­nen: Fürs­tin Pau­line und die weitaus we­ni­ger be­kannte Grä­fin Ca­si­mire zur Lip­pe. Letz­tere sei laut der Stadt­füh­re­rin die Vor­läu­fe­rin zu Ers­te­rer ge­we­sen, habe sich etwa für die Auf­lö­sung der Leib­ei­gen­schaft ein­ge­setzt und durch die Grün­dung der ers­ten land­wirt­schaft­li­chen Kre­dit­kasse den Grund­stein für die heu­ti­gen Spar­kas­sen ge­legt. "Vie­les von dem, was sich Ca­si­mire vor­ge­nom­men hat­te, konnte je­doch nicht um­ge­setzt wer­den. Sie ist be­reits in frühem Al­ter an Schar­lach ge­stor­ben." Ebenso stach Fürs­tin Pau­line vor al­lem durch ihr so­zia­les En­ga­ge­ment als Re­gen­tin des Fürs­ten­tums Lippe her­vor, er­reichte etwa den Auf­bruch der stän­di­schen Ord­nung und sprach bei Na­po­leon für den Er­halt der staat­li­chen Selbst­stän­dig­keit Lip­pes vor. "Ich weiß zwar, dass wir Lip­per im­mer et­was knau­se­rig sind, aber es ist trau­rig, dass diese Ge­denk­ta­fel das Ein­zige ist, was in Det­mold an Fürs­tin Pau­line er­in­ner­t", sagt Mül­ler-Hisje mit ei­nem Seuf­zer, nach­dem sich die Rund­gangs­gruppe um die Ta­fel auf dem Schloss­platz ver­sam­melt hat. Weitaus we­ni­ger ruhm­reich wa­ren hin­ge­gen die Rän­ke­spiele der Adel­s­toch­ter Mat­hilde von Do­nop, die in ei­nem Haus nahe des heu­ti­gen Det­mol­der Ki­nos lebte und vor al­lem durch ihre Tech­tel­mech­tel mit Thea­ter­schau­spie­lern und so­gar mit dem Fürs­ten Leo­pold I. von sich Re­den mach­te. Un­ter an­de­rem sei sie mit ei­nem Ru­der­boot re­gel­mäßig von ei­nem schwarz ge­klei­de­ten Be­diens­te­ten ü­ber den Fried­richs­ta­ler Ka­nal ins Schloss ge­bracht wor­den, er­klärt Cor­ne­lia Mül­ler-His­je, die es ver­stand, mit his­to­ri­schem Know-How und Ein­füh­lungs­ver­mö­gen durch den neu­en, ab­wechs­lungs­rei­chen Stadt­rund­gang zu führen.

vom 28.04.2018 | Ausgabe-Nr. 17B

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