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200 Jahre Fürstliches Solebad Salzuflen

Festakt mit über 400 Gästen im Kurhaus / Historischer Rückblick

Bad Sal­zu­flen (r­to). Die ge­schicht­li­che Ent­wick­lung der Bä­der­kul­tur in Bad Sal­zu­flen ist zwei­felsohne ei­ne, die ge­prägt ist von Er­folg, An­er­ken­nung und si­cher­lich großen Aus­sich­ten für die Zu­kunft. Große Fei­er­lich­kei­ten gab es be­reits in der Ver­gan­gen­heit; ob Staats­bad oder Fürst­li­ches So­le­bad, ob Kur­park oder Wan­del­halle – so un­ter­schied­lich die An­läs­se, so un­ter­schied­lich wa­ren die Ju­biläen. Das konn­ten die zahl­rei­chen Gäste des Fes­t­ak­tes zum 200-jäh­ri­gen Be­ste­hen des Fürst­li­chen So­le­ba­des an Sonn­tag je­den­falls mit nach Hause neh­men.  
Dass eine Zie­ge, so wie es in der Mo­de­ra­tion dar­ge­stellt wur­de, die sal­zi­gen Quelle ü­ber das Le­cken von Stei­nen ge­fun­den hat, fällt da­bei wohl eher in den Be­reich der My­then. Aber es ist eine schöne Ge­schich­te, die auch zum neuen Mas­kott­chen ”­Nel­li” führt. 
­Grün­der des späte­ren Staats­ba­des war – und so ist es be­legt – die Fürst­li­che Fa­mi­lie zur Lippe aus Det­mold. Wes­halb auch Ste­phan Prinz zur Lippe als Fest­red­ner ein­ge­la­den war. Er brachte nicht nur Ge­schicht­li­ches mit, son­dern auch Pri­va­tes aus dem Ta­ge­buch sei­nes Großva­ters. Dar­aus las er zum Amü­se­ment der Gäste aus un­ter­schied­li­che Ein­tra­gun­gen sei­nes Großva­ters Leo­pold IV., die die­ser an­läss­lich ein­zel­ner ­Kur­auf­ent­halte in sei­nem Bad ver­fasst hat­te. Da fie­len Be­griffe wie: "­Brun­nen­trunk, Kur­kon­zer­te, Thea­ter, Fla­nie­ren, Di­nie­ren, oder Feu­er­werk im Kur­park". Natür­lich gehörte auch die Jagd im na­he­ge­le­ge­nen Bex­ten oder ein Aus­flug mit dem Au­to­mo­bil nach Bad Oeyn­hau­sen da­zu. "Es war ein ganz be­schau­li­cher Kur­auf­ent­halt, wie es ihn auch heute noch gib­t", stellte der Fest­red­ner schmun­zelnd fest.   
­B­ri­gitte Goertz-Meiss­ner, Prä­si­den­tin des Deut­schen Heilbä­der-Ver­ban­des und Achim Bä­dorf vom Heilbä­der­ver­band NRW gin­gen er­war­tungs­gemäß auf die Si­tua­tion der Bä­der und im be­son­de­ren auf Bad Sal­zu­flen ein. Bri­gitte Goertz-Meiss­ner sieht viel Licht am Ho­ri­zont. "­Die Kur­bä­der ha­ben sich zu Ge­sund­heits­zen­tren ent­wi­ckelt. Die Men­schen kom­men jetzt be­wusst, um pri­vat oder be­ruf­lich et­was für ihre Ge­sund­heit zu tun", er­klär­tet sie. Im­mer­hin wür­den 30 Pro­zent al­ler Ü­ber­nach­tun­gen in Deutsch­land auf das Konto der Kur­orte ge­hen. Dem Staats­bad be­schei­nigte sie, eine Vor­rei­ter­rolle in Sa­chen Schär­fung des ei­ge­nen Pro­fils und des Mar­ke­tings zu ha­ben. Für so­viel Er­folg gab es dann auch eine Ur­kunde zum Ju­biläum durch Achim Bä­dor­f.
­Kurdi­rek­tor Ste­fan Krie­ger sieht das Staats­bad un­ter sei­ner Lei­tung gut auf­ge­stellt: "Wir ha­ben uns dem Wer­te­wan­del in der Ge­sell­schaft und dem de­mo­gra­fi­schen Wan­del ge­stellt und ar­bei­ten ziel­grup­pen­ge­rechte Ge­sund­heits­an­ge­bote aus. Die Tra­di­tion als Heil­bad ba­siert ja auf dem ört­li­chen Heil­mit­tel Sole und me­di­zi­ni­scher Kom­pe­tenz.­Zu­sam­men mit Bau­stei­nen wie der all­er­gi­ker­freund­li­chen Kom­mu­ne, dem Er­leb­nis­raum Sole und dem Kneip­p­an­ge­bot oder dem neuen Kur­park wird Bad Sal­zu­flen die­ses Jahr zu ei­nem Heilbä­der–­Leucht­turm in Deutsch­land wer­den", ist er sich si­cher.
Dr. Fred Kas­par hielt einen be­ein­dru­cken­den ge­schicht­li­chen Vor­trag zum Thema ”­Deut­sche Heilbä­der”. Er sah hin­ter den viele Zah­len zum ”Rund­wer­den” der ge­schicht­li­chen Ent­wick­lun­gen durch Wei­ter­erzählen einen doch eher "­krum­men Ver­lauf”. "Wich­tige Wen­de­punkte las­sen sich nicht im­mer run­den Ju­biläen zu­ord­nen", meinte er. Zwar sei mit der er­folg­rei­chen Ein­gabe von Dr. Hein­rich Hasse an die Fürst­li­che Re­gie­rung 1818 der Start­punkt für den me­di­zi­ni­schen Ba­de­be­trieb ge­legt wor­den. Doch die behä­bige Büro­kra­tie habe die wei­tere Ent­wick­lung nicht un­be­dingt ge­för­dert. "Erst 1894 ist die "­Sonne der Er­kennt­nis auf­ge­gan­gen”, als die Sa­li­nen­di­rek­to­ren Sachse und Horst­mann die Grund­la­gen für die Ent­wick­lung des Staats­ba­des in sei­ner heu­ti­gen Form ge­legt ha­ben. Des­halb kön­nen sie ei­gent­lich im Jahr 2019 wie­der fei­ern, ein 125-jäh­ri­ges Ju­biläum", re­fe­rierte er zur Be­lus­ti­gung der Gäs­te. 
Nach gut zwei Stun­den Re­den und Vor­trä­gen löste das mu­si­ka­li­sche Schau­spiel "­Salz auf un­se­rer Haut" von Jan Gerth und Ste­phan Ot­ters die Stim­mung im Saal. Hier führte ein auf­er­stan­de­ner Dr. Hein­rich Hasse (Ste­phan Cle­mens, Lan­des­thea­ter Det­mold) durch die Ge­schichte und schoss da­bei spitze Pfeile und Spit­zen ge­gen die Büro­kra­tie von ges­tern und heu­te. Be­glei­tet von der Band der Mu­sik­schule und ge­sang­li­chen Ein­la­gen von Va­nessa Möl­ler, Ca­ro­lin Heit­kamp so­wie Jan Gerth, der Har­fi­nis­tin Jenny Meyer und der So­pra­nis­tin Meike Le­lusch­ko, gab es einen schö­nen Ab­schluss des Fes­t­ak­tes. Großen Ap­plaus er­hielt zu­vor schon das Kuror­che­s­ter un­ter György Ko­vacs, das zu his­to­ri­schen Bil­dern ein vom Lei­ter des Or­che­s­ters selbst kom­po­nier­tes Stück spiel­te.

vom 11.04.2018 | Ausgabe-Nr. 15A

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