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Auf der Suche nach Lösungen

Infoveranstaltung förderte nüchterne Fakten zu Einbrüchen zutage

Oer­ling­hau­sen (k­d). Um die Zahl der Ein­brüche in der Oer­ling­hau­ser Süd­stadt zu ver­rin­gern, "rin­gen alle um men­schen­wür­di­ge, rechts­staat­li­che Lö­sun­gen." Dies er­klärte An­dreas Bo­the, Staats­se­kretär im Mi­nis­te­rium für Kin­der, Fa­mi­lie, Flücht­linge und In­te­gra­tion bei ei­ner In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung in der Aula des Ni­klas-Luh­mann-Gym­na­si­ums zum Thema Si­cher­heit. Die 450 Zuhö­rer konn­ten er­fah­ren, dass der Po­li­zei be­reits erste Er­folge ge­lun­gen sind.

Seit dem Som­mer des vo­ri­gen Jah­res ist es im Sü­den der Berg­stadt ver­mehrt zu Diebstählen, Ein­brüchen und Ein­bruchs­ver­su­chen ge­kom­men. Die Täter wer­den in der Zen­tra­len Un­ter­brin­gungs­ein­heit (ZUE) ver­mu­tet. Seit Fe­bruar 2017 ist die ehe­ma­lige Hell­weg-Kli­nik mit Flücht­lin­gen be­legt, die eine ge­ringe Blei­be­per­spek­tive ha­ben. "Es ist ein schwie­ri­ges The­ma, das lei­der für ne­ga­tive Schlag­zei­len ge­sorgt hat", sagte Bür­ger­meis­ter Dirk Becker. Die De­likte sorg­ten für er­heb­li­che Un­ruhe un­ter den An­woh­nern. Be­cker dankte ih­nen den­noch für ihr be­son­ne­nes Ver­hal­ten. Für zu­sätz­li­che Empörung sorgte eine Äuße­rung von Staats­se­kretär Bo­the. Bei sei­nem ers­ten Be­such vor ei­nem Mo­nat hatte er die Si­tua­tion re­la­ti­viert. Bei der Info-Ver­an­stal­tung stellte er jetzt klar, dass er die Sor­gen der An­woh­ner ernst neh­me. "Ich will nichts ba­ga­tel­li­sie­ren, denn nichts da­von ist ak­zep­ta­bel", sagte er. Straf­ta­ten müss­ten kon­se­quent un­ter­bun­den und ver­folgt wer­den. "Wir ge­hen je­dem Hin­weis nach und ar­bei­ten wei­ter­hin an Lö­sun­gen, dass sich die Si­tua­tion ent­spannt", ver­si­cherte er. Bis zu 650 Per­so­nen kön­nen in der ZUE un­ter­ge­bracht wer­den, ge­gen­wär­tig le­ben hier 469 Men­schen aus Al­ba­ni­en, Ge­or­gien, dem Ko­sovo und aus Ser­bien. Die Zahl soll je­doch auf 300 re­du­ziert wer­den, kün­digte Bo­the an. Das Si­cher­heits­per­so­nal sei ver­stärkt wor­den, es gebe mehr Zu­gangs­kon­trol­len, das Gelände werde per Vi­deo und durch Be­strei­fung ü­ber­wacht. Bo­the teilte mit, dass ein "Um­feld­ma­na­ger" als An­sprech­part­ner für die An­lie­ger in­stal­liert werde und dass am 13. April ein Runder Tisch statt­fin­de. Bernd Sti­en­ke­meyer von der Kreis­po­li­zei­behörde Lippe er­klär­te, dass sich 2017 die Ein­bruchs­diebstähle zwar im Ver­gleich zum Vor­jahr ver­dop­pelt hät­ten, doch "jetzt wurde eine Trend­wende ein­ge­lei­tet. Seit vier Wo­chen wurde kein Woh­nungs­ein­bruch mehr an­ge­zeig­t." Ei­ner Son­der­kom­mis­sion sei es ge­lun­gen, sie­ben Ver­däch­tige in Un­ter­su­chungs­haft zu neh­men. Auch sein Kol­lege Ger­hard Wolf von der Po­li­zei in Güters­loh bestätigte eine ähn­li­che Ent­wick­lung für den Nach­bar­kreis. Meh­rere be­trof­fene An­woh­ner un­ter den Zuhö­rern fühl­ten sich durch diese Mit­tei­lun­gen kei­nes­wegs be­ru­higt. Ein Gast­wirt, bei dem nach ei­ge­nen An­ga­ben be­reits neun Mal ein­ge­bro­chen wur­de, machte aus ei­ner Empörung kei­nen Hehl. "Wenn Sie nicht in der Lage sind, das Chaos in den Griff zu krie­gen, dann schließen Sie doch das Ding", rief er und er­hielt dafür großen Ap­plaus. Er be­zwei­felte auch die Sta­tis­tik der Po­li­zei. Nach sei­nen ei­ge­nen Re­cher­chen sei die Zahl der De­likte we­sent­lich höher. Er räumte aber auch ein, nicht je­den Vor­fall an­ge­zeigt zu ha­ben. Po­li­zei­di­rek­tor Sti­en­ke­meyer hielt dem ent­ge­gen: "Wir kön­nen nur Hin­wei­sen nach­ge­hen, wenn wir da­von wis­sen." Im Ü­b­ri­gen seien die meis­ten Fälle auf­ge­klärt wor­den. "Wir sind auch prä­ven­tiv tätig", er­klärte Sti­en­ke­meyer. Ver­mehrt seien Po­li­zis­ten in Zi­vil­fahr­zeu­gen un­ter­wegs, Kräfte aus den Nach­bar­krei­sen kä­men zur Un­ter­stüt­zung hin­zu. Ei­nige An­we­sende woll­ten sich mit die­sen Er­klärun­gen aber nicht zu­frie­den ge­ben und äußer­ten ih­ren Un­mut. Auf Grund der Vor­komm­nisse könn­ten sie nicht mehr ru­hig schla­fen und trau­ten sich nachts nicht mehr auf die Straße. Meh­rere An­woh­ner mel­de­ten sich zu Wort und­ver­lang­ten ka­te­go­risch, der Staat müsse mehr für die Si­cher­heit sei­ner Bür­ger tun. Staats­e­kretär Bo­the ver­suchte die Wo­gen zu glät­ten. "Ich bin be­reit, mich am Fort­schritt mes­sen zu las­sen", sagte er.

vom 14.03.2018 | Ausgabe-Nr. 11A

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