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Ausstellungseröffnung, Lesung und Musik vom »Quintessence«

Grieg hinter Glas, Bach aus dem Blech

Lage (wit­t). »Heute steht im wört­li­chen Sinne et­was für die Oh­ren und die Au­gen auf dem Pro­gram­m«, un­ter­strich Mu­sik­schul­lei­te­rin Do­ris Fin­dorff-Ra­sche am ver­gan­ge­nen Frei­tag im Tech­ni­kum. Sze­ni­sche Le­sun­gen, eine Aus­stel­lungs­eröff­nung und Sa­xo­phon­mu­sik von Pro­fis – Das weiße Ge­bäude im Her­zen La­ges ver­einte eine künst­le­ri­sche Viel­falt un­ter sei­nem Dach, die sich von Hen­rik Ib­sen ü­ber Ed­vard Grieg bis zu Jo­hann Se­bas­tian Bach er­streck­te. Ne­ben dem Bad Sal­zu­fler Ru­dolph-Bran­des- und dem La­gen­ser Gym­na­si­um, die sich vor­nehm­lich mit skan­di­na­vi­schen Größen aus­ein­an­der­setz­ten, zeig­ten die fünf Sa­xo­pho­nis­ten von »­Quintes­sence« wie klas­si­sche Mu­sik ab­seits der Or­gel- und Kla­vier­tas­ten klin­gen kann.

»An Skan­di­na­vien führt heut­zu­tage kein Weg vor­bei«, er­klärte La­ges stell­ver­tre­tende Bür­ger­meis­te­rin Irm­gard Eber­hard und ver­wies un­ter an­de­rem auf Wallan­der und Pippi Lang­strumpf. In den ver­gan­ge­nen acht Mo­na­ten setzte aber auch die Mu­sik­schule der Zucker­stadt al­les dar­an, un­sere nörd­li­chen Nach­barn aus­gie­big zu stu­die­ren, prä­sen­tie­ren und ze­le­brie­ren. Na­men, die in dem Zu­sam­men­gang häu­fig fie­len, wa­ren vor al­lem Ed­vard Grieg und Jean Si­be­li­us. Die vor etwa 100 und 50 Jah­ren ver­stor­be­nen Kom­po­nis­ten aus Nor­we­gen und Finn­land füll­ten mit ih­rer Mu­sik die Mau­ern der Markt­kir­che, der Zie­ge­lei und des Tech­ni­kums. Ab­seits des Au­di­ti­ven kon­zen­trierte sich das La­gen­ser Gym­na­sium auf eine »­kom­plexe und um­fang­rei­che« vi­su­elle Aus­ein­an­der­set­zung und zeigt nun seit dem ver­gan­ge­nen Frei­tag Schaukäs­ten, Pla­kate und büh­nen­bild­ar­tige Ob­jekte zu Grieg und Si­be­lius in den Vi­tri­nen der Mu­sik­schule . »­Was Sie hier se­hen, ist der Quer­schnitt al­ler Ar­bei­ten«, fügte Mu­sik­leh­re­rin Ul­rike Al­hö­fer-Lübke der Re­cher­che und Aus­ar­bei­tung po­li­ti­scher, ge­schicht­li­cher, geo­gra­fi­scher und mu­si­ka­li­scher Hin­ter­gründe hin­zu. Bei ei­ni­gen sei die Mo­ti­va­tion für die Pro­jekt­ar­beit ganz ei­gene Wege ge­gan­gen, zum Bei­spiel durch einen Aus­flug in die heu­tige nor­we­gi­sche Mu­sik. Die Gäste des Bad Sal­zu­fler Ru­dolph-Bran­des-Gym­na­si­ums set­zen un­ter an­de­rem mit ei­ner sze­ni­schen Le­sung von Hen­rik Ib­sens »Ist Nora eman­zi­pier­t?« auf die An­spra­che bei­der Sinne und be­rei­cher­ten den skan­di­na­vi­schen »Rund­um­griff« um zeit­genös­si­sche Li­te­ra­tur und ein ge­lun­ge­nes Schau­spiel. Ähn­lich wie die La­gen­ser Schü­ler der neun­ten Klasse und zwölf­ten Jahr­gangs­stu­fe, die sich zu­sätz­lich eine Ex­kur­sion in die Welt der heu­ti­gen nor­di­schen Pop­stars er­laub­ten, setz­ten die fünf Sa­xo­pho­nis­ten von »­Quintes­sence« auch auf die ei­ge­ne, in­di­vi­du­elle Gang­art – je­doch auf ei­nem wei­test­ge­hend an­de­ren Ge­biet. Klas­si­sche Mu­sik wie Bachs »­Große Fuge in D-Dur«, ge­spielt von ei­nem Blä­ser­quin­tett? Das ist außer­ge­wöhn­lich und for­dert außer­or­dent­li­che Pro­fes­sio­na­lität. »Wir spie­len die­ses Stück nur sehr sel­ten, weil es so ge­fähr­lich ist«, merk­ten die Mu­si­ker an, »also drü­cken Sie uns bitte die Dau­men.« Hoch kon­zen­triert, aber trotz al­lem wip­pend und fast tan­zend ge­lang ih­nen die Um­set­zung des von ih­nen er­klär­ten Kom­po­si­ti­ons­prin­zips der Ex­tra­klas­se: »­Der eine spielt die Me­lo­die vor und die an­de­ren spie­len sie hin­ter­her.« Die In­ter­pre­ta­tion klas­si­scher Mu­sik mit ih­ren »e­mo­tio­na­len Holz­blas­in­stru­men­ten« war aber nur eine Fa­cette in ei­nem brei­ten Re­per­toire. Die Imi­ta­tion ei­ner Ham­mond­or­gel mit ro­tie­ren­dem Laut­spre­cher war ver­mut­lich der Höhe­punkt von »­Quintes­sence« und ih­rem ex­pe­ri­men­tel­len, ein­zig­ar­ti­gen Pro­gramm. Die Be­geis­te­rung und Fas­zi­na­tion war dem Pu­bli­kum im voll­be­setz­ten Tech­ni­kum von den Au­gen ab­zu­le­sen und machte sich spätes­tens bei der For­de­rung nach ei­ner Zu­gabe auch in den Oh­ren be­merk­bar.

vom 31.10.2007 | Ausgabe-Nr. 44A

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