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"Statt Sekt: Selters" für die Schützen

Stadt erteilt Neujahrsempfang kurzfristig eine Absage

Bad Sal­zu­flen (r­to). Was für die großen po­li­ti­schen Par­teien der Drei-Kö­nigs-Tag ist, das ist für die Schöt­ma­ra­ner Schüt­zen seit Jah­ren ihr Neu­jahrs­emp­fang. Hier wurde im­mer poin­tiert ab­ge­rech­net, so auch in die­sem Jahr. Al­ler­dings fie­len die Poin­ten et­was def­ti­ger und nicht ganz so lus­tig wie sonst aus. Grund war un­ter an­de­rem die kurz­fris­tige Ab­sage der Ver­wal­tung den Rok­kok­ko­saal des Schlos­ses nut­zen zu kön­nen – aus tech­ni­schen Grün­den.

So be­grüßte der Vor­sit­zende Uwe Deppe ne­ben der stell­ver­tre­ten­den Bür­ger­meis­te­rin Beate Hoff­mann-Hil­de­brand auch Land­rat Dr. Axel Leh­mann, den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Chris­tian Sau­ter (FD­P), die Land­tags­ab­ge­ord­nete Mar­tina Han­nen (FDP) und den Schüt­zen­kreis­vor­sit­zen­den Dr. Ste­phan Bre­uning un­ter den zahl­reich er­schie­ne­nen Gäs­ten aus Kir­che, Po­li­tik, In­dus­trie, Wirt­schaft, Ge­schäfts­welt, Ver­eins­we­sen, Po­li­zei und Feu­er­wehr mit ei­nem Schuss Iro­nie und Bit­ter­nis im der Be­geg­nungs­stätte der evan­ge­lisch re­for­mier­ten Kir­che in Schöt­mar. "Dass ein "­tech­ni­sches Pro­blem” in un­se­rer Zeit so lange dau­ert und uns eine Ab­sage auf­grund der nicht funk­tio­nie­ren­den Brand­mel­de­an­lage im Schloss erst drei Tage vor der Ver­an­stal­tung er­reicht, ist schon sehr be­fremd­lich und kein biss­chen bür­ger­nah", eröff­nete der Schüt­zen­ver­eins­vor­sit­zende den Vor­mit­tag. Zwar sei es hier auch sehr schön doch habe man den An­trag auf Nut­zung des Schlos­ses be­reits vor Wo­chen ge­stellt und nie­mand habe et­was dazu ge­sagt, so Deppe mit sei­nem Vor­wurf an die Ver­wal­tung. Während die stell­ver­tre­tende Bür­ger­meis­te­rin Beate Hoff­mann-Hil­de­brand ihm in ih­rer Be­grüßung beipflich­tete und mein­te, dass es an ma­chen Stel­len eben ein zu­viel an Ver­wal­tung gä­be, freute sich Land­rat Dr. Leh­mann ü­ber den Aus­weich­stand­ort. "Das Schloss kenne ich, hier war ich noch nie und ich muss sa­gen, es ge­fällt mir", sagte er. Den hu­mor­vol­len Hin­weis, dass er als Ein­zel­kind kei­nen Bru­der habe und auch nicht sei­nen Schwa­ger, wie sonst in Lippe üb­lich, mit­ge­bracht ha­be, ü­ber­reichte er dann ein "Lip­pi­sches Flach­ge­schenk”. Uwe Deppe nahm es gerne an, kon­terte dann aber ge­konnt mit den Wor­ten: "Dass es als Ein­zel­kind oft sehr lang­wei­lig ist kann ich ver­ste­hen. Wenn sie das hier un­ter­schrei­ben, dann ha­ben sie gleich viele Brü­der". Kaum aus­ge­spro­chen ü­ber­reichte er dem Land­rat ein An­mel­de­for­mu­lar zur Schüt­zen­ge­sell­schaft. Kri­tik gab es auch in Rich­tung Sal­zu­fler Po­li­tik: Mit Hin­weis auf das Geis­ter-Shop­ping im Herbst des Jah­res sagte Dep­pe, dass es zwar eine schöne Ver­an­stal­tung sei, es aber auch ohne diese schon gru­se­lig ge­nug im Orts­teil sei. Auch der der­zeit dis­ku­tierte Mas­ter­plan bleib nicht ohne An­mer­kung: "Wer nichts mehr weiß, bil­det einen Ar­beits­kreis", reimte der Schüt­zen­vor­sit­zende zum Geläch­ter der an­we­sen­den Gäs­te. Die hat­ten dann auch Ei­ni­ges zum Schmun­zeln beim Fest­vor­trag von Dr. Ste­fan Wie­se­kop­sie­ker, der un­ter dem Ti­tel "­Streif­lich­ter aus 500 Jah­ren lip­pi­scher Ge­schich­te" in ei­nem Par­for­ce­ritt durch 500 Jahre Lippe führ­te. In un­ter­halt­sa­mer Weise schlug er dem Bo­gen vom Aus­gangs­punkt der Zeit­reise im 16. Jahr­hun­dert bis heu­te. Er be­rich­tete von den Aus­ein­an­der­set­zun­gen um das Fürs­ten­haus, warum die Lip­per ihre Kin­der nicht zur Schule ge­hen las­sen woll­ten ("… das ist doch nur, um dem Schul­meis­ter sei­nen Le­bens­un­ter­halt zu be­zah­len"), von all­täg­li­chen Sor­gen und Nöten in der Zeit des 17.Jahr­hun­derts und von Kla­gen aus der Bau­ern­schaft Wel­len­trup (bei Kach­ten­hau­sen) von wo ver­schie­dene Kla­gen ü­ber­lie­fert sind. So heißt es: "Ein Voß hat 1634 während der Pre­digt ge­pflüg­t"; "­Bernd Grie­mert hat – so wurde 1685 fest­ge­stellt – in­ner­halb von fünf Jah­ren nicht ein­mal das Abend­mahl be­sucht" oder aber auch von Ke­spohls Gret­ke, weil sie ein ge­mein­sa­mes Garn­spin­nen ver­an­stal­tet hat­te, wo­bei die Frauen "3 Kan­nen Brandt­wein ge­sof­fen und gantz voll ge­wor­den undt sich leicht­fer­tig u. un­ge­bür­lich da­bey an­ge­stel­let" ha­ben sol­len. Ü­ber die Fürs­tin Pau­line fand Dr. Wie­se­kop­sie­ker fol­gen­des her­aus: "­Pau­line war eine be­deu­tende Fürs­tin, die im Land Spu­ren hin­ter­las­sen hat. Und wir kön­nen heute noch stolz sein, dass es ge­rade Lippe war, wo be­reits An­fang des 19. Jahr­hun­derts eine sol­che Frau an der Spitze des Staa­tes stand. Aber auch Anno Da­zu­mal gab es schon hand­feste Kri­ti­ker. So stellte ei­ner ih­rer Zeit­ge­nos­sen fest: "­Sie ist eine Ka­naille [...] sonst ist aber das Land mit ih­rer Re­gie­rung zu­frie­den." Die lau­ni­sche und auch spaßige Reise durch die lip­pi­sche Ge­schichte en­dete mit dem Hin­weis auf Hein­rich Dra­ke, Ger­hard Schrö­der und Wal­ter Stein­mei­er. Dem Erst­ge­nann­ten habe man die Zu­kunft des Lan­des zu ver­dan­ken und die bei­den Letzt­ge­nann­ten sorg­ten nun in jüngs­ter Ge­schichte dafür, dass nun auch je­der wisse wo Lippe lie­ge, so der Fest­red­ner. Mit Ap­plaus für sei­nen Vor­tag und dem Song von An­dreas Bou­ra­ni, "Ein Hoch auf un­s”, vor­ge­tra­gen von der Gruppe ”Free Fall”, ei­nem jun­gen Trio be­ste­hend aus Ca­ro­lin Heit­kamp (Ge­sang), Mo­ritz Eick­hoff (Gi­tar­re) und Luca Echt­er­hof (Ca­jon), die auch den Rest des Vor­mit­tags be­glei­te­ten, en­dete der dies­jäh­rige Neu­jahrs­emp­fang der Schöt­ma­ra­ner Schüt­zen. Als nächste Ter­mine ste­hen nun für die Schüt­zen das Os­ter­feuer am Os­ter­sonn­tag so­wie das ge­mein­same Schüt­zen­fest mit ih­ren Sal­zu­fler Ka­me­ra­den vom 20. bis 23. Juli 2018 auf dem Plan.

vom 10.01.2018 | Ausgabe-Nr. 2A

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