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Rübenerträge versüßen das Ernteergebnis

Landwirte ziehen Jahresbilanz: Viel Regen und neue Aufgaben für die Zukunft

Un­ge­wöhn­li­che Wit­te­rungs­be­din­gun­gen präg­ten das Jahr der Land­wirt­schaft: Der wärmste März seit Be­ginn der Wet­ter­auf­zeich­nun­gen, dann Frost im April, der be­son­ders die Obst­baum­blüte mit Nacht­frös­ten traf. Im Juni Hitze und Tro­cken­heit. Da­nach bis zum Jah­res­ende im­mer wie­der nasse Wit­te­rung. Der Re­gen stellte die Bau­ern im Som­mer bei der Ge­treide- und Raps­ern­te, bei den Herbs­tern­te­ar­bei­ten und auch bei der Neu­aus­saat vor ho­hen Her­aus­for­de­run­gen. Sie wa­ren oft nicht op­ti­mal zu er­le­di­gen. Teil­weise konnte die Win­ter­gerste erst spät, Mitte Ok­to­ber, aus­ge­sät wer­den. Ebenso ge­stal­tete sich die Wei­zen­aus­saat bis in den De­zem­ber hin­ein schwie­rig. Beide Ge­trei­de­ar­ten konn­ten auf nas­sen Stand­orten zum Teil gar nicht in den Bo­den ge­bracht wer­den. Ha­ge­dorn: "­Der Re­gen ist, ganz im Ge­gen­satz zum letz­ten Jahr, vor al­lem in der zwei­ten Jah­res­hälfte mehr als ü­ber­reich­lich ge­we­sen." Hinzu ka­men Herbst­stür­me, die beim Mais re­gio­nal er­heb­li­che Sturm­schä­den ver­ur­sach­ten. "Im Großen und Gan­zen konn­ten wir trotz­dem beim Mais eine gut durch­schnitt­li­che Ernte und bei den Kar­tof­feln eine gute Ernte bei durch­schnitt­li­chen Qua­litäten ver­bu­chen", sagt der Vor­sit­zen­de. Die Zuckerrü­ben zeig­ten sehr gute Er­träge mit gu­ten Zucker­ge­hal­ten. Die Preise der pflanz­li­chen Er­zeug­nisse lie­gen da­ge­gen un­ter dem lang­jäh­ri­gen Mit­tel. Der Blick vom Acker in den Stall: Der Milch­preis habe sich zum Glück in die­sem Jahr er­holt. Die wirt­schaft­li­che Lage habe sich für die Milch­bau­ern deut­lich ent­spannt. Das sei auf­grund der ho­hen Ver­luste der Kri­sen­jahre 2015 und 2016 drin­gend not­wen­dig ge­we­sen. "­Die Milch­bau­ern brau­chen noch eine län­gere Pha­se, da sie in der Zeit der Preis­krise er­heb­li­che Ver­bind­lich­kei­ten auf­ge­baut ha­ben", er­läu­tert Ha­ge­dorn. Doch der­zeit zö­gen zu­neh­mend dunkle Wol­ken am Milch­markt auf, die die Aus­sich­ten für 2018 stark ein­trü­ben wür­den. "­Bei den Schwei­nen hat­ten wir eben­falls ein gu­tes Jahr, al­ler­dings ist der Preis in den letz­ten Mo­na­ten stark ge­fal­len. Das sei aber für die Schwei­ne­hal­ter nichts Un­ge­wöhn­li­ches zu die­ser Jah­res­zeit. Ein The­ma, das die hei­mi­schen Land­wirte be­son­ders be­wegt, sind die Stal­lein­brüche ei­ni­ger Tier­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen. "Ein­brüche sind Straf­ta­ten und keine Hel­den­ta­ten", un­ter­streicht der Vor­sit­zen­de. Wer sich ohne Er­laub­nis Zu­tritt zu Stäl­len ver­schafft, han­dele kri­mi­nell und ge­fährde be­wusst die Tie­re. Po­si­tiv hin­ge­gen sei das nach wie vor sehr große In­ter­esse der Schwei­ne­hal­ter an der In­itia­tive Tier­wohl. Ab 2018 gehe sie in die zweite Run­de, ü­ber 4.000 Schwei­ne­be­triebe wür­den dann teil­neh­men. "­Dies ver­deut­licht, wie wich­tig den Land­wir­ten das Wohl ih­rer Tiere ist", be­kräf­tigt der Vor­sit­zen­de. Es gäbe kei­nen zu­sätz­li­chen Ge­winn, aber der Mehr­auf­wand werde be­zahlt. Das Vor­rü­cken der Afri­ka­ni­schen Schwei­ne­pest (ASP) aus Ost­eu­ropa se­hen die Bau­ern wei­ter­hin mit großer Sor­ge. Vor al­lem ü­ber ein Ver­schlep­pen durch den Men­schen könne die Tier­seu­che sprung­haft große Ent­fer­nun­gen in kur­zer Zeit ü­ber­brü­cken und so rasch Deutsch­land tref­fen. Da die Ge­fähr­dung ebenso von der ho­hen Wild­schwein­po­pu­la­tion aus­ge­he, ap­pel­liert der Vor­sit­zende an die Ver­ant­wor­tung von Land­wir­ten und Jä­gern. Das ASP-Vi­rus, das für den Men­schen un­ge­fähr­lich sei, habe aber für die Schwei­ne, Bau­ern und für die ge­samte Wert­schöp­fungs­kette ver­hee­rende Fol­gen. Sor­gen be­rei­ten den Land­wir­ten ebenso ste­tig wach­sende Auf­la­gen, Ver­ord­nun­gen und Ge­set­ze. Die neue, ver­schärfte Dün­ge­ver­ord­nung ent­halte bei­spiels­weise sehr kom­plexe Vor­ga­ben. Die Zeiträu­me, in de­nen Dün­ger auf­ge­bracht wer­den dür­fe, seien ver­kürzt wor­den. "­Die or­ga­ni­sche Dün­gung wird vom Herbst stär­ker in das Früh­jahr ver­la­ger­t", schil­dert Ha­ge­dorn. Die­ses führe ne­ben ei­nem ar­beits­tech­ni­schen Druck der Land­wirte im Früh­jahr mög­li­cher­weise da­zu, dass die Gül­le­dün­gung von der Be­völ­ke­rung noch stär­ker wahr­ge­nom­men wer­de, weil sie dann zeit­lich sehr eng er­fol­gen müs­se. Zu­dem bringe diese Ver­ord­nung er­heb­lich mehr Büro­kra­tie und deut­li­che höhere Kos­ten für die Höfe für die Schaf­fung von zu­sätz­li­chem La­ger­raum und für die zukünf­tig not­wen­dige teu­rere Aus­brin­gungs­tech­ni­k.­Große Auf­ga­ben der Zu­kunft, so Ha­ge­dorn, seien für die Land­wirte eine kom­ple­xer wer­dende Markt­si­tua­tion, der Struk­tur­wan­del und die wach­sen­den For­de­run­gen der Ge­sell­schaft an eine um­welt- und tier­ge­rechte Land­wirt­schaft. "Für die Bau­ern­fa­mi­lien bleibt es eine Dau­er­auf­gabe und ein Spa­gat, die heu­tige Land­wirt­schaft zu ver­mit­teln, die stei­gen­den Er­war­tun­gen der Ge­sell­schaft zu er­fül­len und da­bei wirt­schaft­lich zu ü­ber­le­ben", be­tont der Vor­sit­zen­de. Dazu gehöre für die Bau­ern natür­lich auch die Be­reit­schaft, sich zu ver­än­dern und stän­dig neue Wege zu ge­hen.

vom 27.12.2017 | Ausgabe-Nr. 52A

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