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Eltern, Kinder und Erzieherinnen demonstrieren gegen neues Gesetz

Proteste gegen »KiBiz«

Det­mold (ts). Zahl­rei­che El­tern, Kin­der und Mit­ar­bei­ter von 13 Det­mol­der Kin­der­ta­gesstät­ten be­tei­lig­ten sich am Mon­tag an ei­ner De­mons­tra­tion ge­gen das von der Lan­des­re­gie­rung ge­plante Kin­der­bil­dungs­ge­setz (Ki­Bi­z). Trotz des hef­ti­gen Re­gens hat­ten sie sich in ei­nem Stern­marsch zum Det­mol­der Markt­platz auf­ge­macht, wo die zen­trale Kund­ge­bung statt­fand. Auf der Rat­haustreppe stell­ten sich da­bei Ver­tre­ter aus Po­li­tik, Ver­wal­tung und der Kin­der­gar­ten­trä­ger den Fra­gen der Ver­an­stal­te­rin­nen.

Bei der Be­wer­tung des neuen Ge­set­zes, das zum 1. Au­gust nächs­ten Jah­res in Kraft tre­ten soll, kam es auf die Per­spek­tive an. So kri­ti­sier­ten die De­mons­tran­ten, durch das neue Ge­setz sinke die Be­treu­ungs­qua­lität in den Ta­ges­ein­rich­tun­gen, An­ge­bote müss­ten zurück­ge­fah­ren und Stel­len ge­stri­chen wer­den. Außer­dem würde die Ar­beits­be­las­tung der Mit­ar­bei­ter stark stei­gen bei sin­ken­den Be­zü­gen. Außer­dem be­fürch­ten viele Kri­ti­ker eine so­ziale Schief­la­ge, ein­kom­mens­schwa­che Fa­mi­lien könn­ten sich die Kin­der­be­treu­ung nicht mehr leis­ten.

Da­ge­gen ver­tei­digte Ste­phan Gri­gat, Vor­sit­zen­der der Det­mol­der CDU-Rats­frak­tion, das Ge­set­zes­vor­ha­ben sei­nes Par­tei­freun­des, NRW-Fa­mi­li­en­mi­nis­ter Ar­min La­schet. »‘Ki­Bi­z‘ ist kein Spar­ge­setz, wir ge­ben 250 Mil­lio­nen Euro mehr für die Kin­der­be­treu­ung aus und ma­chen auch für Zwei­jäh­rige den Kin­der­gar­ten­be­such mög­lich«, sagte Gri­gat. Außer­dem seien die Trä­ger der Be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen mit dem neuen Ge­setz viel freier in der Aus­ge­stal­tung und für so­zial Schwa­che werde sich prak­tisch nichts än­dern, für ihre Kin­der sei der Kin­der­gar­ten­be­such frei­.

Wal­ter Fet­te, der beim Deut­schen Pa­ritäti­schen Wohl­fahrts­ver­band (D­P­WV) für 133 Kin­der­ta­ges­ein­rich­tung zu­stän­dig ist, wi­der­sprach. Tatsäch­lich seien Ar­beitsplätze von Er­zie­he­rin­nen be­droht, ohne die Per­so­nal­kos­ten zu sen­ken werde es für die Trä­ger nicht ge­hen. Außer­dem müss­ten die Ta­ges­stät­ten mit we­ni­ger Per­so­nal mehr Auf­ga­ben stem­men wie die Sprach­stand­ser­he­bun­gen, die Fa­mi­li­en­zen­tren und die Auf­nahme jün­ge­rer Kin­der. Zwar sei es rich­tig, dass mit dem neuen Ge­setz 250 Mil­lio­nen Euro mehr aus­ge­ge­ben wür­den, da­mit sei man nach den Kür­zun­gen der ver­gan­ge­nen Jahre aber ge­rade mal wie­der auf dem Stand von 1995.

Bür­ger­meis­ter Rai­ner Hel­ler stellte klar, dass man in Det­mold ü­ber alle Frak­ti­ons­gren­zen hin­weg zu ei­ner sehr kin­der- und fa­mi­li­en­freund­li­chen Po­li­tik ste­he, durch die Det­mold bei der Be­treu­ung der un­ter Drei­jäh­ri­gen lan­des­weit an der Spitze ste­he. Er ver­sprach, an den El­tern­bei­trä­gen werde sich nichts än­dern, eher werde man sie noch et­was freund­li­cher ge­stal­ten. Al­ler­dings sei die Dar­stel­lung falsch, das Kin­der­be­treu­ungs­ge­setz sei ein Null­sum­men­spiel. »Das ‘Ki­Bi­z‘ klaut den Kom­mu­nen rich­tig viel Geld«, kri­ti­sierte Hel­ler.

vom 31.10.2007 | Ausgabe-Nr. 44A

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