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Die Kunst, Menschen
hinters Licht zu führen

"Indoor-Open-Air" mit Marcel Kösling

 

Lemgo (n­r). Das Wet­ter wollte am ver­gan­ge­nen Frei­tag zum Som­mer­treff nicht so wirk­lich mit­spie­len. Der ty­pisch lip­pi­sche Land­re­gen sorgte dafür, dass Co­me­dian Mar­cel Kös­ling nebst "K­eine hal­ben Sa­chen-Pro­gram­m" und Pu­bli­kum statt Markt­platzat­mo­s­phäre, die Aula-Luft des Ma­ri­anne-We­ber-Gym­na­si­ums at­men muss­te. Der Stim­mung tat das we­nig Ab­bruch, woran der Star des Abends nicht ganz un­schul­dig war. Die "All­zweck­waffe des jun­gen Ka­ba­retts" hat je­den­falls die rund 380 Zu­schauer (je nach Gusto des Co­me­dians wa­ren es auch mal 500 oder 1.000) ü­ber­zeugt – und dass mit ei­ner Mi­schung aus Co­me­dy, Zau­be­rei und Ge­sang. Da­bei ist er kei­nes­wegs bit­ter­bö­se, wenn er einen Blick auf die heu­tige Ju­gend wirft, die es trotz Smart­pho­nes nicht mehr schafft, mit­ein­an­der zu kom­mu­ni­zie­ren. Im­mer­hin hatte die feh­lende Tech­nik früher den Vor­teil, dass man schlicht und er­grei­fend ein­fach nicht pünkt­lich zu Hause sein konnte – so ganz ohne mo­bile Ver­bin­dung zur Mut­ter. Ab­ge­se­hen da­von müss­ten die Kids von heute ganze Tup­per­bur­gen mit Bio-Din­kel-Voll­korn-Ha­fer­flo­cken-Plätz­chen er­tra­gen. Und da gibt es so viele an­dere Din­ge, die er nicht so ganz ver­steht. Da wird das Tra­gen der Burka ver­bo­ten, aber je­der darf Leg­gings tra­gen. Auch of­fen­sicht­lich völ­lig des­ori­en­tierte Pi­lo­ten ir­ri­tie­ren ihn. Die ahmt er dann gleich fast eins zu eins nach und fragt sich ganz ernst­haft: "Wo lernt man, so zu spre­chen?" Selbst die Lem­goer sind ihm nicht ganz ge­heu­er. Als er einen Schaum­stoff-Zie­gel ins ab­ge­dun­kelte Pu­bli­kum wirft und bit­tet, der Fän­ger möge "hier" ru­fen, ern­tet er ein "da". Er kon­tert und hat die La­cher auf sei­ner Sei­te. Auch das kann er großar­tig – mit dem Pu­bli­kum spie­len.

Zau­bern kann er ü­b­ri­gens auch – und das ist das viel­leicht Ü­ber­ra­schendste an ihm. Einen Mo­ment lang gau­kelt er sei­nem Pu­bli­kum vor, dass die Zau­be­rei wohl doch Gren­zen hat, im nächs­ten Au­gen­blick lässt er es sprach­los zurück, als er ei­gent­lich Un­mög­li­ches mög­lich macht. Da liest er schein­bar Ge­dan­ken, trifft ganz si­cher nicht mit der fla­chen Hand den ver­steck­ten Na­gel im Brett oder zau­bert von ir­gend­wo­her kleine Lich­ter in eine Tüte. Ziem­lich char­mant, der Typ auf der Büh­ne, der statt der üb­li­chen Ver­däch­ti­gen aus dem Pu­bli­kum mal eben sich selbst zer­sägt, sin­gend ü­ber das erste graue Haar phi­lo­so­phiert und es zum Ende des Pro­gramms schneien lässt – aus sei­nen Hän­den. Wo­bei die Pa­pier­flo­cken erst nach oben ka­ta­pul­tiert wer­den, be­vor sie wie­der her­un­ter rie­seln. Wie macht er das bloß? Da konnte man glatt ver­ges­sen, dass man ja ei­gent­lich auf dem Lem­goer Markt­platz mit ei­nem kühlen Glas Ir­gend­was hätte sit­zen kön­nen. Für Letz­te­res gab es aber das ge­wohnt tolle Markt­platz-Ca­te­ring, das blitz­schnell um­dis­po­niert hatte und die Zu­schauer in der Pause mit eben die­sem Glä­schen er­frisch­te.

vom 19.07.2017 | Ausgabe-Nr. 29A

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