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Die Künstler der Luft zogen
eindrucksvolle Kreise

Zu Pfingsten war der Flugplatz in Oerlinghausen Ziel von Tausenden Besuchern

Oer­ling­hau­sen (k­d). Der Dop­pel­de­cker hebt zu ei­ner klei­nen Schleife ü­ber den Flug­platz an, um dann so­fort die ers­ten Schrau­ben zu zei­gen. Die Pitts Ul­ti­mate bleibt da­bei ge­nau par­al­lel zum Ho­ri­zont. Im nächs­ten Mo­ment steigt die kleine blau-weiße Ma­schine im 90-Grad-Win­kel steil nach oben. Eine kurze Wende und die ein­sit­zige Pitts schießt auf der­sel­ben Flug­bahn wie­der nach un­ten. "Wie mit dem Li­neal ge­zo­gen", kom­men­tiert der Mo­de­ra­tor Se­bas­tian Krae­mer ü­ber Laut­spre­cher. "Auch die Loo­pings sind rich­tig rund, al­les ex­akt und sau­ber ge­flo­gen."

Nach der Lan­dung war­ten die zahl­rei­chen Zu­schauer mit dem Ap­plaus, bis der Pi­lot den Mo­tor ab­stellt und das Hän­de­klat­schen auch hören kann. Gut ge­launt steigt Rein­hard Voß aus der en­gen Ka­bi­ne, die An­span­nung ist ihm nicht an­zu­se­hen. Während der Vor­führung wir­ken Kräfte bis zum Sechs­fa­chen sei­nes Kör­per­ge­wichts auf ihn ein. Doch Voß ist ein er­fah­re­ner Flie­ger. Mo­de­ra­tor Krae­mer be­zeich­net ihn als "­den Kunst­flug­papst, der uns al­len das Flie­gen bei­ge­bracht hat". Voß, der in Stein­ha­gen wohnt, hat vor zehn Jah­ren seine flie­ge­ri­sche Ba­sis in Oer­ling­hau­sen ge­fun­den. Auf dem Flug­platz zwi­schen Senne und Teu­to­bur­ger Wald bie­ten sich ihm ideale Be­din­gun­gen für den Kunst­flug. Wie viele Schü­ler er schon hat­te, ver­mag er nicht zu sa­gen. "­Ganz viele Pi­lo­ten möch­ten gern Kunst­flug er­ler­nen, hal­ten dann aber doch nicht durch­", sagt er. Auch Se­bas­tian Krae­mer hat viel von sei­nem Aus­bil­der ge­lernt. "In der Luft ver­las­sen wir uns auf un­ser Ge­fühl", ver­rät er. "Wir schauen nach außen und ori­en­tie­ren uns nur im Raum, we­ni­ger nach den In­stru­men­ten." 2012 nahm der 31-Jäh­rige erst­mals an der Deut­schen Meis­ter­schaft teil. Der­zeit be­legt er den sechs­ten Platz. Vor­ü­ber­ge­hend legt er das Mi­kro­fon bei­seite und be­steigt seine Yak 55, mit der er am Him­mel ebenso vir­tuose Be­we­gun­gen be­schreibt wie sein Vor­bild. Das Pfingst­wo­chen­ende bie­tet ein ü­beraus güns­ti­ges Aus­flugs- und Flug­wet­ter. Ent­spre­chend le­ben­dig geht es im Luftraum ü­ber dem weit­läu­fi­gen Gelände zu. Mo­tor­seg­ler, Se­gel­flug­zeuge und die his­to­ri­sche An­to­now neh­men Pas­sa­giere auf und zie­hen ihre Krei­se. Hinzu kom­men noch Mo­dell­flug­zeuge in Ak­tion. Den­noch geht es ge­ord­net zu. Im Tower ach­ten Jana An­thöl­zer und Se­bas­tian Hundt auf die Si­cher­heit. Nur als die neun Fall­schirm­sprin­ger mit der An­to­now 1.500 Me­ter hoch ge­bracht wer­den, blei­ben alle an­de­ren Flug­geräte am Bo­den. Ihre Rund­kap­pen­fall­schirme kön­nen die Frauen und Män­ner so ge­nau steu­ern, dass sie un­mit­tel­bar vor der Zu­schau­er­menge lan­den. Un­ter­des­sen ver­gnü­gen sich am Bo­den die jüngs­ten Be­su­cher mit ei­nem gel­ben und ei­nem ro­ten Flug­zeug am Bo­den – Tre­t­au­tos vom Ver­ein für Se­gel­flug "Wit­te­kin­d" aus En­ger. Seit 65 Jah­ren ist das Se­gel­flie­gen in Deutsch­land wie­der er­laubt. Heute gilt der Flug­platz in Oer­ling­hau­sen un­ter Flie­gern al­ler Art als erste Adres­se. Zwölf Ver­eine sind hier ak­tiv. Nir­gendwo sonst wer­den so viele Starts und Lan­dun­gen ge­zählt. Mit dem Fest zu Pfings­ten ge­lingt dem Luft­sport­zen­trum Oer­ling­hau­sen ein­mal mehr eine un­ter­halt­same Wer­bung für das sport­li­che Flie­gen.

vom 07.06.2017 | Ausgabe-Nr. 23A

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