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Zeugnis regionaler Zeitgeschichte

Etwa 4.000 Jahre alte Steinaxt an das Lippische Landesmuseum übergeben

Bad Sal­zu­flen/K­net­ter­heide (dib). An­fang der 50er Jahre des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts hat Man­fred Wen­del, der seit 28 Jah­ren in der Nähe von Lü­ne­burg lebt, in der Erde des Kar­tof­felackers sei­nes Pa­ten­on­kels auf der Weißen Bre­den in Knet­ter­heide einen Stein ent­deckt, von dem er lange nicht wuss­te, wel­chen Schatz er dort ge­fun­den hat­te. "Ich habe lange ge­braucht, um zu be­grei­fen, was das ist", sagt er. In­zwi­schen ist klar, dass es sich um eine Stein­axt aus Fels­ge­stein aus der Jung­stein­zeit (Neo­li­thi­kum) han­delt, de­ren Al­ter auf etwa 4.000 Jahre ge­schätzt wird. Wen­del hat dann nach lan­gem Ü­ber­le­gen ent­schie­den, "dass die­ser ein­zig­ar­tige Fund in Bad Sal­zu­flen blei­ben muss", und hat die Axt dem Hei­mat­ver­ein Werl-Aspe ü­ber­ge­ben. His­to­ri­ker Franz Meyer ver­mu­tet, dass das Fels­ge­stein während der letz­ten Eis­zeit von Skan­di­na­vien nach Eu­ropa ge­kom­men ist. Meyer be­zeich­net die­sen his­to­ri­schen Fund "als Mo­sa­ik­stein der Zeit­ge­schichte und als Be­leg für eine sehr alte Sied­lungs­land­schaft auf dem Ge­biet des heu­ti­gen Orts­teils Knet­ter­hei­de." Das bestätigt auch die Kreisar­chäo­lo­gin und stell­ver­tre­tende Lei­te­rin des Lip­pi­schen Lan­des­mu­se­ums Det­mold Dr. Elke Treu­de. "­Die Axt ist ein Be­leg für die frühe Be­sied­lung im Raum Knet­ter­heide be­reits während der Jung­stein­zeit. Sie ist sehr gut er­hal­ten und man kann Be­nut­zungs- und Be­ar­bei­tungs­spu­ren, aber keine Be­schä­di­gun­gen er­ken­nen." Die Axt, die ver­mut­lich als Werk­zeug zum Bäume fäl­len, zum Bau von Häu­sern und Brun­nen, aber auch als Waffe ver­wen­det wur­de, stammt aus der Zeit, in der sich die Men­schen von der no­ma­di­schen Le­bens­weise als Jä­ger und Samm­ler zu seßhaf­ten Acker­bau­ern und Vieh­züch­tern ent­wi­ckel­ten. "Aus die­ser Zeit gibt es so gut wie keine Sied­lungs­fun­de, son­dern nur Ein­zelstücke", sagt Dr. Treu­de. "Es gab noch keine großen An­sied­lun­gen, son­dern nur ein­zelne Gehöf­te. Des­halb ist für uns die Fund­stelle be­son­ders wich­tig, weil wir dar­aus umso bes­ser ein Sied­lungs­bild ent­wi­ckeln kön­nen." Der Chro­nist des Hei­mat­ver­eins Werl-As­pe, Fritz Gast, hat vor ei­ni­gen Ta­gen in An­we­sen­heit des Fin­ders Man­fred Wen­del die Axt an Dr. Elke Treude ü­ber­ge­ben.

Der Vor­sit­zende des Hei­mat­ver­eins Ger­hard Gro­ne­meier sag­te: "­Der Fund der Axt ist ein Rie­senglücks­fall für den Hei­mat­ver­ein und auch für den im Herbst die­ses Jah­res er­schei­nen­den Bild­band sehr in­ter­essant." Be­reits im März 2014 ist das vom Hei­mat­ver­ein in Auf­trag ge­ge­bene Buch "­Bau­ern­schaft – Ge­meinde – Stadt­teil" zur Ge­schichte von Werl, Aspe und Knet­ter­heide er­schie­nen, das von den His­to­ri­kern Ro­land Linde und Franz Meyer ver­fasst wur­de, und zu dem Fritz Gast zahl­rei­che his­to­ri­sche Auf­nah­men bei­ge­steu­ert hat. Für den in die­sem Jahr er­schei­nen­den Bild­band "­Dor­fle­ben in Bil­dern" sind etwa 400 his­to­ri­sche Auf­nah­men aus­ge­wählt wor­den. Der Bild­band er­gänzt die Orts­ge­schichte von 2014 und zeigt, wie die Men­schen früher ge­lebt, ge­wohnt, ge­ar­bei­tet und auch ge­fei­ert ha­ben.

vom 03.06.2017 | Ausgabe-Nr. 22B

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