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Liebevoller Blick auf das Alltägliche

Kabarettist Erwin Grosche begeistert im Lügder Klostersaal

Lügde (af­k). Er­win Gro­sche ist ein Clown, ein Phi­lo­soph und ein per­fek­ter Rei­se­füh­rer durchs wilde Ab­sur­di­stan. Als Groß­meis­ter der Ver­ba­l­akro­ba­tik und der schier un­mög­li­chen Poin­ten ü­ber­rascht der Pa­der­bor­ner seit ü­ber vier­zig Jah­ren sein Pu­bli­kum auch im gut ge­füll­ten Lüg­der Klos­ter­saal. In sei­nem So­lo­pro­gramm "­Der Ab­stand­hal­ter" er­fin­det Er­win Gro­sche die Welt im Klei­nen neu.

Es ist schwie­rig, Er­win Gro­sche ein­zu­ord­nen. Zum Co­me­dian ist er zu geist­reich. Er ist ein ganz be­son­de­rer Ka­ba­ret­tist, der im All­täg­li­chen das Be­son­dere fin­det. Das un­schul­dige Phi­lo­so­phie­ren ü­ber Ent­schleu­ni­gung und Gemüt­lich­keit, das auch Lo­riot oder Heinz Er­hard meis­ter­haft be­herrsch­ten, ma­chen ihn aus. Lust­voll schwa­dro­niert der 62jäh­rige ü­ber das Thema "Ab­stan­d". So nähert er sich dem All­tag mit sei­nen Men­schen, Tie­ren und Din­gen und wirft Fra­gen auf, die sich noch nie­mand ge­stellt hat. Gro­sche ver­rät seine ganz ei­gene Sicht auf die Welt, ein Blick voll lie­bens­wer­ter Nai­vität, aus der her­aus er seine Ge­dan­ken ent­wi­ckelt. Das Kleine wird bei ihm ganz groß. Und das Große klein. Auf diese Weise ver­teilt er die Pro­por­tio­nen der Welt neu. Er rührt an. Er bringt zum La­chen, zum Nach­den­ken – und all das auf leichte Art. Es geht tatsäch­lich nicht nur um Ab­stand, son­dern auch um un­ver­hoffte Nähe. So be­rich­tet Gro­sche, der Ab­stand­hal­ter, von der ers­ten Be­geg­nung mit ei­ner be­gehr­ten Frau: "Es gibt so­gar Män­ner, die ha­ben vor­her ge­duscht." Es geht um zu viel Nähe zwi­schen zwei Men­schen, und er meint trotz­dem: "Wir blei­ben so­lange zu­sam­men, bis wir uns lie­ben." Mit ei­ner Me­ta­pher ü­ber Sta­chel­schweine bringt Gro­sche es auf den Punkt: "­Zur Liebe gehört Ab­stan­d." Auch mu­si­ka­lisch hat es der Kul­tur­preisträ­ger drauf. Er­win Gro­sche kann Ak­kor­deon und Mini-Cem­balo spie­len, dazu ein Gerät, das an einen Maul­korb er­in­nert, mit ei­nem ech­ten Gei­gen­bo­gen ge­stri­chen wird und fast wie eine sin­gende Säge klingt. Das sind nur ei­nige Bei­spiele aus sei­nem Ku­rio­sitäten­ka­bi­nett. Auch wenn er singt, klingt das gut. Und sein Mie­nen­spiel? Ein­fach herr­lich! Da sitzt er, der Kö­nig der Ver­lie­rer, mit sei­nen skur­ri­len Er­fin­dun­gen: dem Pull­over mit drei Sicht­fens­tern zum Ü­ber­zie­hen beim Au­to­fah­ren, Hand­schuhe mit sechs Fin­ger­lin­gen, der Ent­span­nungs­ta­sche oder dem Tro­cken­pull­over. Man muss sie ein­fach mö­gen, diese hu­mor­volle Lieb­ko­sung der klei­nen Din­ge.

vom 27.05.2017 | Ausgabe-Nr. 21B

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