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"De Türk is in de Stadt"

Bülent Ceylan gastierte in der Lipperlandhalle

Lem­go(r­to). Mit sei­nem ak­tu­el­len Pro­gramm "­Kron­k” un­ter­hielt der sym­pa­thi­sche Mann­hei­mer Halb­türke und Co­me­dian Bülent Ceylan am ver­gan­ge­nen Sonn­tag sein Pu­bli­kum in der Lip­per­land­hal­le.

"Vor 2 Jah­ren war ich schon ein­mal hier, da wa­ren ü­ber 3.000 Be­su­cher da, die mir zu­ju­bel­ten. Da fahr ich wie­der hin, dacht’ ich da­mals. Aber heute sind es ge­rade mal halb so­viel. Liegt es Mut­ter­tag, am Wahl­tag oder dar­an, dass de Türk widda inne Stadt is un die Leut’ Angst vor ihm ha­ben", Bülent Ceylan konnte seine Ent­täu­schung, ü­ber sei­ner Mei­nung, nach so we­nig Zu­spruch zu Be­ginn des Abends nicht ver­heh­len. "Ihr seid das kleinst Pu­bli­kum auf der Tour, habt ihr Angst vor dem Tür­ken? Aber ich ver­spre­che euch, ich gebe auch heute wie­der al­les", sagte er, be­vor er dann in sein Pro­gramm star­te­te. Dass die rund 1.600 Gäste in der Lip­per­land­halle ihn er­le­ben woll­ten und das Pu­bli­kum zu 100 Pro­zent aus Hard­core-Fans be­stand, merkte der Co­me­dian schnell. Jede Ge­ste, je­der Gag wurde mit Ap­plaus und Bei­fallsstür­men be­ant­wor­tet. So wurde der Büh­nen­dar­stel­ler im­mer lo­cke­rer und lief zur Hoch­form auf. Er spielte den Zwie­spalt sei­ner Her­kunft ge­zielt aus. Sieht wie Till Eu­len­spie­gel auf die Ei­gen­ar­ten der Kul­tu­ren, nahm sie ge­konnt auf die "­Schip­pe” und hielt den Men­schen den Spie­gel vor. Auch wenn vie­les was er sagte zunächst lächer­lich klang, steckte doch fast im­mer eine po­li­ti­sche Bot­schaft da­hin­ter. Zwi­schen­durch wurde er dann wie­der ernst und ap­pel­lierte an mehr Mensch­lich­keit und Ver­ständ­nis für ein­an­der, er­teilte aber gleich­zei­tig al­len Rechts­na­tio­na­len eine kla­re, wenn auch komö­di­an­ti­sche Klat­sche. Da trifft es die AFD und die Pe­gida ge­nauso wie Er­do­gan. Und es blieb dem Zu­schauer sprich­wört­lich das "La­chen im Halse ste­cken", wenn er nach so ei­nem Gag bis drei zählte und sag­te: "Im­mer noch kei­nen Kopf­schuss er­hal­ten, ich lebe noch.” Wie kronk (krank) die Welt ist, zeigte er in be­währ­ter Art: "Ein Türke lacht wie ein Schwein” und "­die Grie­chen sin­gen ihre neue Na­tio­nal­hymne ‚I need a Dol­lar’." Auch die Ös­ter­rei­cher krieg­ten ihr Fett weg: In der Flücht­lings­krise hät­ten sie ihre Gast­freund­schaft da­durch be­wie­sen, dass man zwar einen Kaf­fee be­kom­men hät­te, dann aber schnell zur Wei­ter­reise nach Deutsch­land auf­ge­for­dert wor­den sei. Nie­mand blieb an die­sem Abend ver­schont. Seine Fi­gur Ha­rald lies sich ü­ber Ve­ga­ner aus: "In Zu­kunft gibt es neue ve­gane Mär­chen wie ‚Hän­sel und Knö­del’ oder ‚Rote Beete Käpp­chen’”, aber auch "­Sa­la­mi­nis­ten ge­gen Sa­lat­tis­ten”. Und auch An­ne­lie­se, die mon­däne Bou­tique­be­sit­ze­rin kam wie im­mer gut an. Am ü­ber­zeu­gends­ten war je­doch die Fi­gur des Tür­ste­hers Hassan. In der Fi­gur Momm­freed Bo­cken­hauer lebte Bülent Ceylan rich­tig auf. Zum Schluss wurde er dann wie­der ganz ernst. Mit dem Hin­weis auf seine neue Stif­tung zu­guns­ten von be­dürf­ti­gen Kin­dern in die­sem Land, die es gibt und de­nen es nicht gut geht, for­derte er die Zu­schauer auf, ihre Han­dys für den Song "­Nimm ein Kind an deine Han­d” zum Schluss auf­leuch­ten zu las­sen. Die Han­dys durf­ten –ü­b­ri­gens aus­drück­lich für Fo­tos auch während der Vor­stel­lung – be­nutzt wer­den: Mit "Isch bin ein Türk, da gel­ten die Vor­schrif­ten, die draußen ste­hen nisch". Auch wenn nach sei­nem ers­ten Ein­druck nicht zu viel Pu­bli­kum vor­han­den war, so nahm der Mann­hei­mer Bülent Ceylan, wie er sag­te, doch die Er­kennt­nis aus Ost­west­fa­len mit: "Es gibt Städte und es gibt Lem­go". Ein be­geis­ter­tes lip­pi­sches Pu­bli­kum dankte es ihm aus­gie­big.

vom 20.05.2017 | Ausgabe-Nr. 20B

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