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Schräge Kreaturen und freche Dialoge

Sascha Grammel lässt die Puppen tanzen – und die Lipperlandhalle toben

Lemgo (n­r). Ein Fisch na­mens Mieze mit Ber­li­ner Schnau­ze, die Gau­seköte und ein hal­ber Me­ter ir­gend­was Vo­ge­li­ges mit Na­men Fre­de­ric und min­des­tens ebenso großer Klappe – und die Lip­per­land­halle flippt völ­lig aus. Ein­deu­tig Schuld daran ist Pup­pet-Co­me­dian Sa­scha Gram­mel mit sei­ner neuen Show "Ich finds lus­tig" und mit der be­geis­terte er letzte Wo­che vor aus­ver­kauf­tem Haus nun wirk­lich alle 2.800 Gäs­te.

Gut, wirk­lich tief­sin­nige Un­ter­hal­tun­gen sind es nicht, die der Meis­ter und seine be­freun­de­ten Wi­der­sa­cher sich da lie­fern. Es ist ei­gent­lich eher al­ber­ner Spaß mit noch mehr Wort­ver­dre­he­rei­en. Sa­scha Gram­mels La­chen rollt aber im­mer wie eine un­ge­fähr­li­che Grip­pe­welle durchs Pu­bli­kum – die Dia­loge auch. Da geht es bei­spiels­weise um den sinn­freien Ge­brauch ei­nes di­gi­ta­len Ther­mo­me­ters, das der Gram­mel her­un­ter­schüt­teln will ... Pau­se. Das Vo­gel­tier: "Das ist ein di­gi­ta­les Fie­ber­ther­mo­me­ter ...". Pau­se. Manch­mal rei­chen eben auch nur die Bli­cke von der Bühne ins Pu­bli­kum. Auch die von ei­ner Pup­pe. Oder die in lip­pi­schen Win­tern ge­sperrte Gau­seköte, die der Co­me­dian im­mer mal wie­der an ganz un­er­war­te­ten Stel­len in sein Pro­gramm ein­baut. Der Außer­ir­di­sche Herr Schrö­der hat sich gar zum Zahn­arzt um­schu­len las­sen; der Sprech­stun­den­hilfe Ur­sula we­gen. Ne­ben­bei quatscht er mit dem Gram­mel ü­ber die Tü­cken beim Lose ver­kau­fen. Dass ja ei­gent­lich nur ein ein­zi­ger Mensch auf der Bühne steht, kann man bei Bauch­red­ner Sa­scha Gram­mel ge­ra­dezu lächer­lich ein­fach ver­ges­sen. Da ap­plau­diert man ei­nem Fre­de­ric Frei­herrn von Fur­chen­sumpf, der 114 Jahre al­ten Schild­kröte Jo­si, dem Außer­ir­di­schen Herrn Schrö­der und ei­nem Bur­ger mir Spaghetti-Fri­sur na­mens Prof. Dr. Pe­ter Ha­cke für sprit­zig, wit­zige Dia­loge und so manch fre­che Be­mer­kung. Al­so, Kon­zen­tra­tion auf die großen Lein­wände und dem Gram­mel mal ge­nau auf den Mund ge­schaut. Nichts, oder fast nichts. Sa­scha Gram­mel be­herrscht das Bauch­re­den, wie an­dere Men­schen das Kaf­fee­trin­ken. Die Il­lu­sion ist per­fekt. "Ei­gent­lich re­den wir hier sinn­lo­ses Zeug", lässt Sa­scha Gram­mel den Bur­ger sa­gen. "A­ber als Bauch­red­ner hat man im­mer je­man­den zum quat­schen." Ein biss­chen an­ders kann er aber auch ganz locker: poe­tisch wer­den näm­lich und dann er­klären, dass man als Er­wach­se­ner ver­lernt zu la­chen und sich weg­zu­träu­men. Er muss es ja wis­sen, denn er lacht un­glaub­lich viel. Auch et­was, das ihn su­per sym­pa­thisch macht – und das Pu­bli­kum für drei Stun­den schier mit­ge­ris­sen hat.

vom 12.04.2017 | Ausgabe-Nr. 15A

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