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Weniger Einbrüche und Straftaten – aber mehr Gewalt

Die Polizei in Lippe präsentierte, wie sich die Kriminalität 2016 im Kreis entwickelt hat

Kreis Lippe (ag). In den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren war die An­zahl der Straf­ta­ten in Lippe nie so nied­rig wie heu­te. We­ni­ger Woh­nungs­ein­brüche, er­folg­rei­che Prä­ven­ti­ons­ar­beit mit Ju­gend­li­chen, al­ler­dings auch mehr Ge­walt­de­likte sind Teil der Bi­lanz der Po­li­zei des Krei­ses Lippe im Jahr 2016. Ge­mein­sam mit Behör­den­lei­ter Land­rat Dr. Axel Leh­mann in­for­mierte die Kreis­po­li­zei­behörde kürz­lich auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz ü­ber die Ent­wick­lung der Kri­mi­na­lität in Lip­pe.

Noch ein Jahr zu­vor war die Ent­wick­lung nicht so er­freu­lich: "2015 gab es einen An­stieg der Kri­mi­na­lität. Ich bin froh, dass die­ser Trend um­ge­kehrt wer­den konn­te", so Dr. Axel Leh­mann. Die Ge­samt­zahl der De­likte sank im Jahr 2016 um 4,5 Pro­zent. In ganz NRW kann Lippe die nied­rigste Kri­mi­na­litäts­rate in 2016 vor­wei­sen. "Hier ist es am si­chers­ten", stellte des­halb der hie­sige Land­rat stolz fest. Um un­ter­schied­lich dicht be­sie­delte Re­gio­nen in ganz Deutsch­land mit­ein­an­der ver­glei­chen zu kön­nen, wer­den die De­likte ei­ner Re­gion zur je­wei­li­gen Ein­wohner­zahl in Be­zie­hung ge­setzt. So kön­nen auch Bun­des­län­der, Städte und Ge­mein­den mit­ein­an­der ver­gli­chen wer­den. Während laut des Jah­res­be­richts vom Bun­des­kri­mi­nal­amt bun­des­weit (auf 100.000 Ein­woh­ner be­rech­net) knapp 7.800 De­likte zu Bu­che ste­hen, in NRW gar 8.225, sind im Re­gie­rungs­be­zirk Det­mold nur 5.718 und in Lippe gar nur 4.090 De­likte zu be­kla­gen. 4.090 Straf­ta­ten pro 100.000 Ein­woh­ner be­deu­ten in ab­so­lu­ten Zah­len 14.344 Straf­ta­ten in Lip­pe. Ein be­son­de­rer Schwer­punkt der Po­li­zei­ar­beit lag auf der Bekämp­fung des Woh­nungs­ein­bruchs. "­Der Woh­nungs­ein­bruch ging 2015 fast durch die Decke", stellte der Land­rat fest. Laut Wolf­gang Pa­der, Lei­ter der Di­rek­tion Kri­mi­na­lität, sind die Täter ins­be­son­dere rei­sende Aus­wär­ti­ge, die in Grup­pen agie­ren. Die Po­li­zei schickte eine mo­bile Be­ra­tungs­stelle ins Ren­nen und in­for­mierte und sen­si­bi­li­sierte die Be­völ­ke­rung. Die Prä­ven­ti­ons­ar­beit und die Zu­sam­men­ar­beit mit um­lie­gen­den Krei­sen zeig­ten Wir­kung und brach­ten einen Rück­gang der Ein­brüche um etwa 10 Pro­zent. In ab­so­lu­ten Zah­len be­deu­tet das 53 Ein­brüche we­ni­ger im Jahr 2016. Um 12 Pro­zent ge­stie­gen ist die An­zahl von De­lik­ten bei de­nen Ge­walt im Spiel ist. "Es pas­siert mehr Ge­walt auf den Straßen und die Leute zei­gen eher an", so Pa­der zu dem An­stieg der De­likte mit Kör­per­ver­let­zung. Der größte An­stieg ist bei schwe­rer se­xu­el­ler Nöti­gung und Ver­ge­wal­ti­gun­gen zu ver­zeich­nen – wa­ren es 2015 noch 18 De­lik­te, so wur­den ein Jahr dar­auf 39 re­gis­triert. Die Auf­klärungs­quote liegt hier bei ü­ber 90 Pro­zent, glei­ches gilt auch für De­likte wie Raub oder Kör­per­ver­let­zung. Ins­ge­samt wird etwa jede zweite (55 Pro­zent) Straf­tat im Kreis Lippe auf­ge­klärt. Be­züg­lich der Ju­gend­kri­mi­na­lität ver­zeich­net die Po­li­zei einen si­gni­fi­kan­ten Rück­gang. Wa­ren 2001 noch 2.412 Tat­ver­däch­tige un­ter 21 Jah­ren, sind es im Jahr 2016 na­hezu 1.000 we­ni­ger ge­we­sen – und so­mit auf dem nied­rigs­ten Stand seit 1996. Der Lei­ter der Di­rek­tion Kri­mi­na­lität er­klärte dies ne­ben dem de­mo­gra­fi­schen Wan­del zu ei­nem Groß­teil da­mit, dass po­li­zei­be­kannte Ju­gend­li­che "­be­glei­tet" wer­den. So su­chen Be­amte ihre "­Pap­pen­hei­mer" auch hin und wie­der ohne An­lass auf und un­ter­hal­ten sich mit ih­nen. "­Man­che wol­len ja auch nur Auf­merk­sam­keit", er­läu­terte Pa­der. An­de­ren werde durch die Be­su­che ver­mit­telt, dass sie nicht an­onym seien und dass man ein Auge auf sie ha­be. Pro­ble­ma­tisch ist gute Prä­ven­ti­ons- und Auf­klärungs­ar­beit, wenn auf­grund des­sen Stel­len bei der Po­li­zei weg­fal­len, Stich­wort "­be­las­tungs­be­zo­gene Kräf­te­ver­tei­lung". Die Lo­gik des Lan­des folgt bis­lang dem Grund­satz: Wo es gut läuft, wer­den Stel­len ein­ge­spart und diese dann in Ge­bie­ten ein­ge­setzt, die mit mehr Kri­mi­na­lität zu kämp­fen ha­ben. Wie Dr. Leh­mann aus­führte hat der Kreis Lippe in den ver­gan­ge­nen 10 Jah­ren nach dem Motto "­gute Ar­beit, we­ni­ger Stel­len" mehr als 50 Stel­len bei der Po­li­zei ver­lo­ren. Land­rat Dr. Leh­mann sieht das sehr kri­tisch. Er wünscht sich, "dass auch noch an­dere Maßstäbe gib­t" und hat be­reits den In­nen­mi­nis­ter an­ge­schrie­ben. Sein Vor­schlag ist eine Grund­si­che­rung, die nicht un­ter­schrit­ten wer­den dür­fe. "­Die Be­am­ten sind hart am Li­mit", machte er deut­lich. Ge­rade die Prä­ven­ti­ons­ar­beit mit Ju­gend­li­chen lebe von Kon­tak­ten, un­ter­strich Pa­der. Doch etwa 100 von 389 Stel­len wer­den in den nächs­ten 5 Jah­ren weg­fal­len, da die Be­am­ten in Pen­sion ge­hen. Ob­wohl eine Auf­sto­ckung der Po­li­zei in NRW be­reits be­schlos­sen ist, gibt sich Land­rat Dr. Leh­mann mäßig op­ti­mis­tisch: "­Die Frage ist, wie wer­den die ver­teil­t?"

vom 15.03.2017 | Ausgabe-Nr. 11A

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