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Auf dem Bahnsteig zur Selbstständigkeit

80 potenzielle Existenzgründer informierten sich beim Gründertag des Gründungsnetzwerkes

Kreis Lip­pe/­Det­mold (no­k). Ein kla­res Ziel ist die we­sent­li­che Be­din­gung für den Start in die Selbst­stän­dig­keit. Viele Wege führen letzt­lich zum Be­stim­mungs­ort – was für eine Reise gilt, prägt auch die Bemühun­gen ei­ner Un­ter­neh­mens­grün­dung. Au­to­bahn, Bun­dess­traße, Land­straße, Wirtschfts­weg oder Schot­ter­pis­te. Bei der Au­to­fahrt wird die Rei­se­route heute na­hezu aus­nahms­los von Na­vi­ga­ti­ons­geräten be­rech­net und ge­lei­tet. Wich­ti­ger Ori­en­tie­rungs­hil­fen be­darf es auch auf dem Weg in die Selbst­stän­dig­keit. Die gab es jetzt für etwa 80 in­ter­es­sierte Teil­neh­mer des Grün­der­ta­ges, zu dem das Grün­dungs­netz­werk Lippe mit sei­nen ü­ber 20 an­ge­schlos­se­nen Ver­bän­den, In­sti­tu­tio­nen und Or­ga­ni­sa­tio­nen am ver­gan­ge­nen Sams­tag in die Räume der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer Lippe zu Det­mold ein­ge­la­den hat­te. Er­fah­rene Un­ter­neh­mer, Wirt­schafts­ex­per­ten, Rechts- und Steu­er­be­ra­ter, Kre­dit­be­ra­ter, Ar­beits­markt­ex­per­ten, Markt­be­ob­ach­ter und Ana­ly­ti­ker ga­ben den po­ten­zi­el­len Grün­dern die ge­wünschte Start­hil­fe. Dass es zur er­folg­rei­chen Un­ter­neh­mens­gün­dung mehr als nur eine gute Idee be­darf, wurde in den zwölf Fach­vor­trä­gen des Grün­der­ta­ges so­wie in zwei Tal­krun­den und of­fe­nen Ge­sprächen mehr als deut­lich. "­Grün­dun­gen sind der Mo­tor des wirt­schaft­li­chen und ge­sell­schaft­li­chen Wan­dels. In­no­va­tive Ideen sind da­bei ge­fragt. Der Weg zum Er­folg ver­langt al­ler­dings ein gu­tes Kon­zept, Tat­kraft, Mut und Pio­nier­geist", stimmte Ma­ria Klaas die Be­su­cher des Grün­der­ta­ges als Mo­de­ra­to­rin des Grün­dungs­netz­werks auf den in­for­ma­ti­ven Tag ein. Nicht im­mer funk­tio­niere gleich al­les so wie man es sich vor­ge­stellt ha­be. Der Weg in die Selbst­stän­dig­keit könne auch ü­ber holp­rige und un­an­ge­nehme Stre­cken führen. Des­halb sei ins­be­son­dere auch per­sön­li­ches En­ga­ge­ment und Durch­hal­te­ver­mö­gen ge­fragt.

IHK-Vi­ze­prä­si­dent Tho­mas Rohde for­derte die an­ge­hen­den Exis­tenz­grün­der auf, das Grün­dungs­netz­werk Lippe als Na­vi­ga­ti­ons­sys­tem beim Schritt in die Selbst­stän­dig­keit zu nut­zen. Be­son­ders hob er die ein­ma­lige Mög­lich­keit des Grün­dungs-Checks her­vor. Lena Stroth­mann, Prä­si­den­tin der Hand­werks­kam­mer Ost­west­fa­len-Lippe (HWK) lenkte die Auf­merk­sam­keit der Be­su­cher auf das wich­tige Thema der Un­ter­neh­mens­nach­folge und wies da­bei auf die Nach­fol­ger­börse hin. Ak­tu­ell su­chen 171 Be­triebe in Ost­west­fa­len-Lippe nach ei­nem ge­eig­ne­ten Nach­fol­ger. Dem ste­hen etwa 100 In­ter­es­sen­ten ge­genü­ber. Aber auch sie führte den Be­su­chern des Grün­der­ta­ges deut­lich vor Au­gen, dass man ein ein kla­res Ziel ver­fol­gen müs­se. Das Grün­dungs­netz­werk und die Ver­an­stal­tung könne hel­fen, Türen zu öff­nen und Leit­fä­den zu er­stel­len. Ir­gend­wann müsse man den dann ein­ge­schla­ge­nen Weg aber auch selbst kon­se­quent ver­fol­gen. Pra­xis­nahe Tipps gab es darü­ber hin­aus von fünf Jung­un­ter­neh­mern, die vor ei­ni­gen Jah­ren selbst noch Teil­neh­mer des Grün­dungs­ta­ges wa­ren. In der von Ra­dio Lippe-Chef­re­dak­teur Mar­kus Knob­lich mo­de­rier­ten Runde skiz­zier­ten die Jung­un­ter­neh­mer ihre ei­ge­nen Grün­der­pha­sen. Ste­fan Kling­berg hat 2014 mit ei­nem Großhan­del mit Rohr­lei­tungs­sys­te­men den Schritt in die Selbst­stän­dig­keit ge­wagt. Mitt­ler­weile be­schäf­tigt er vier Mit­ar­bei­ter. Er riet al­len Be­su­chern, sich sorg­fäl­tig auf die Selbst­stän­dig­keit vor­zu­be­rei­ten und da­bei mög­lichst viele Hilfs­an­ge­bote wie zum Bei­spiel den Grün­der­check zu nut­zen. Er machte aber auch klar, dass man sich als Grün­der aus der Kom­fort­zone her­aus be­we­gen müs­se. "Wer von ei­ner 40-Stun­den Wo­che träumt, sollte sich den Schritt noch ein­mal ü­ber­le­gen", mahnte er und auch von ei­nem ge­si­cher­ten Ein­kom­men und üp­pi­ger Ur­laubs­pla­nung müsse man sich ver­ab­schie­den. Jac­que­line Höke und Anja Mei­er, die seit Ja­nuar 2016 in Bad Sal­zu­flen die Firma Brock­schmidt, Au­gen­op­tik Hörakus­tik, Inh. Krü­ger + Meier oHG ü­ber­nom­men ha­ben blick­ten kri­tisch, letzt­lich ge­se­hen aber auch mit Ge­nug­tu­ung auf die von Hek­tik und schnel­len Ent­schei­dun­gen ge­prägte Grün­der­phase zurück. "Es ist zwar al­les gut ver­lau­fen, aber et­was mehr Zeit zum Pla­nen wäre schon gut ge­we­sen", wa­ren sich Beide ei­nig. Busi­ness­plan, Fi­nan­zie­rungs­ge­spräche, Rechts­be­ra­tun­gen zur Un­ter­neh­mens­form, zahl­rei­che An­trä­ge, Bi­lan­zen le­sen und vie­les an­dere mehr hät­ten sie ne­ben dem Ar­beit­sall­tag in der Ü­ber­nah­me­phase bei­nahe er­schla­gen. "­Bei uns musste al­les in drei Mo­na­ten ü­ber die Bühne ge­bracht wer­den. Das war sehr sport­lich und hat in die­ser Zeit zu 70- bis 80-Stun­den Wo­chen ge­führ­t", so Anja Mei­er. Des­halb for­der­ten sie die Zuhö­rer auf, sich genü­gend Zeit mit der Vor­be­rei­tung zu las­sen. Bis zu ei­nem Jahr sei ein rea­lis­ti­scher Zeit­raum. "In die­ser Zeit soll­ten Sie un­be­dingt die Be­ra­tungs­an­ge­bote des Grün­dungs­netz­wer­kes Lippe nut­zen", wa­ren sie sich ei­nig. Glei­ches stell­ten auch Bülent Köse und Er­gün Ye­tis­ken fest, die seit 2014 ge­mein­sam einen Su­per­markt mit in­ter­na­tio­na­len Le­bens­mit­tel­s­pe­zia­litäten in Det­mold-Hei­li­gen­kir­chen be­trei­ben. "­Mit Ih­rer An­we­sen­heit heute beim Grün­der­tag, ha­ben Sie einen rich­ti­gen und wich­ti­gen Mei­len­stein in der Grün­der­phase ge­setz­t", ap­pel­lier­ten Beide an die Adresse der Be­su­cher. Das Ziel solle man im­mer vor Au­gen ha­ben, bei al­lem Ehr­geiz und al­lem En­ga­ge­ment die pri­va­ten Dinge nicht ganz ver­ges­sen. Des­halb sei es wich­tig, bei der Grün­dung die Un­ter­stüt­zung der Fa­mi­lie oder der Part­ner(in­nen) zu ha­ben. Sonst ge­rate man in eine nicht im­mer gut en­dende Spi­ra­le. Ma­ria Klaas stellte ab­sch­ließend ein auf­fal­lend gut vor­be­rei­tet und qua­li­fi­ziert fra­gen­des Pu­bli­kum fest. "­Sehr viele hat­ten schon kon­krete Pläne für die Exis­tenz­grün­dung. Das zeigte sich in den sehr in­ten­si­ven Ge­sprächen in den Pau­sen", be­rich­tete sie ge­genü­ber die­ser Zei­tung. Die Be­su­cher hät­ten den Tag ge­nutzt, um ih­ren "Fahr­plan" für sich zu ent­wi­ckeln.

vom 16.11.2016 | Ausgabe-Nr. 46A

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