Inhalt
» Kreis Lippe
Hagelschlag sorgt für größtes Schadensereignis beim Lippischen Versicherer
Prognosen deuten auf Schadensvolumen von über 25 Millionen Euro hin
Kreis Lippe/Detmold (nok). Das ganze Spektakel dauerte nur wenige Minuten, hat aber für die bisher größte Schadensbilanz der Lippischen Landes Brandversicherung geführt. Der Hagelschauer, welcher in den Abendstunden des 30. Mai über Teilbereiche Lippes niederging, hinterließ eine Spur der Zerstörung. Hagelkörner bis zu Tischtennisballgröße zerbeulten nicht nur zahlreiche Autokarosserien, sondern auch Dächer und andere Gebäudeteile. Bisher wurden beim lippischen Versicherer in diesem Zusammenhang knapp 12.500 Elementarschadensfälle gemeldet. Nach vorsichtigen Schätzungen wird der Gesamtaufwand dieser Fälle rund 25 Millionen Euro betragen. »Das ist eine enorme Summe, die für unser Unternehmen eine noch nie dagewesene Schadensgröße darstellt«, so Vorstandsvorsitzender Dr. Albert Hüser. Ein Großteil dieser Aufwandsumme wird durch Rückversicherungen aufgefangen. Dennoch bleibt für die Lippische ein nicht unerheblicher Anteil der Eigenregulierung. »Als Versicherer haben wir mit solchen Geschehnissen zu kalkulieren. Deshalb ist es auch keine Tragödie. Statistisch gesehen gab es in unserer Region bisher alle 150 Jahre ein solches Ereignis. Allerdings müssen wir davon ausgehen, dass die Klimaerwärmung künftig zu häufigeren Unwettern auch in Lippe führen wird. Und diese Prognose bereitet uns dann schon etwas Kopfzerbrechen«, resümierte der stellvertretende Vorsitzende Paul-Gerhard Reimann.
Zusammen mit den Experten Berd Putens (Bereichsleiter Schaden) und Reinhard Böger (KFZ-Sachverständiger) verdeutlichte die Vorstandspitze der Lippischen die schwerwiegenden Folgen der jüngsten Wetterkapriolen. Der Sturm Kyrill im Vorjahr, welcher wochenlang Thema der Medien war, habe im Bereich des lippischen Versicherungsunternehmens »lediglich« zu einem Drittel des aktuellen Schadensaufwandes geführt. Der Hagelschlag des vorletzten Maitages habe gegenüber dem Sturm zu aufwendigeren Schadensfällen geführt. Rund 5.900 zerbeulte Autos und 6.600 Gebäudeschäden seien bisher registriert. »Noch sind aber nicht alle Schäden gemeldet. Pessimistisch betrachtet könnte die Schadensbilanz sogar auf 30 Millionen Euro anwachsen«, erläuterte Putens.
Der Hagelschlag bescherte der Lippischen Landes Brandversicherung nicht nur das größte Schadensereignis ihrer 256-jährigen Geschichte. Für die insgesamt 480 Mitarbeiter des Unternehmens und der Partnerbüros bedeutete das Naturereignis Überstunden, Mehrarbeit und Wochenendeinsätze. »Am ersten Tag nach dem Hagelschlag erreichte uns eine Flut von 2.511 Schadensmeldungen. Das sind so viele wie wir sonst in einem Monat bearbeiten müssen«, erklärte Albert Hüser. Alle Mitarbeiter und Partnerbüros hätten großartige Arbeit geleistet. Das verdiene größten Respekt. Das es in Einzelfällen dennoch zu Wartezeiten gekommen sei, bezeichnete Hüser als unvermeidbar. In allen betroffenen Bereichen habe man sich um schnelle Regulierungen bemüht. Mit kooperierenden Autohäusern und Handwerksbetrieben habe man unkomplizierte Absprachen getroffen, so dass die Versicherungsnehmer möglichst schnell kompetente Auskünfte erhalten hätten.
Rund 5 Prozent aller KFZ-Versicherungsnehmer der Lippischen sind nach Auskunft des Unternehmens von dem Hagelschlag betroffen. Diese Tatsache beschert der Branche der »Autokosmetiker« derzeit eine »Überbeschäftigung«. Experten aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland sind angereist, um die beschädigten Fahrzeuge auszubeulen. Die Autos verzeichnen teilweise bis zu 500 kleine Beulen. »Diese können in nahezu allen Fällen ohne Wertminderungsverluste am Fahrzeug herausgedrückt oder -gezogenwerden. Allerdings ist die Arbeit sehr zeitaufwendig, so dass die Werkstätten noch wochenlang zu tun haben werden«, so der Sachverständige Reinhard Böger. Der Experte warnte in diesem Fall allerdings vor unseriösen Unternehmen. »Wie überall gibt es auch in dieser Branche schwarze Schafe. Deshalb sollte man unbedingt auf Garantiezusagen achten«, so Böger.
Die Abwicklung der Schadensregulierungen wird sich nach Aussage des Vorstandes noch über mehrere Wochen hinzihen. In der ersten Phase hat man die Schäden lediglich aufgenommen und mit den Kunden grob abgesprochen, wie eine Regulierung aussehen könnte. In der zweiten Phase müssen Kostenvoranschläge – und dies betrifft vorrangig die Gebäudeschäden – abgewartet werden. In kritischen oder sehr hohen Schadensfällen behält sich der Versicherer anschließend eine gutachterische Betrachtung vor. Da es aber sowohl bei Kostenvoranschlägen (Handwerkern) als auch bei Gutachtern zu Wartezeiten kommt, haben sich Bearbeitungsrückstände gebildet. In der dritten Phase werden die Schäden nach Gutachten oder ausgestellten Rechnungen beglichen.
vom 21.06.2008 | Ausgabe-Nr. 25B


