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Den Regiestuhl im Visier

Der 15-Jährige Ruben inszeniert "Bastien und Bastienne"

Det­mold (n­r). Es gibt un­umstöß­li­che Tat­sa­chen: Zeit ist re­la­tiv, Was­ser ist nass oder Ru­ben Mi­chael wird Re­gis­seur. Letz­te­rer ist in der Auf­zäh­lung die noch un­be­kannte Größe, mit Be­to­nung auf "noch". Ru­ben Mi­chael ist erst 15 Jahre alt, geht in Horn Bad-Mein­berg auf das Gym­na­sium und hat be­reits seit sei­nem 7. Le­bens­jahr einen Nar­ren am Thea­ter ge­fres­sen. Un­ge­fähr zu dem Zeit­punkt hat er sich ent­schie­den, Re­gis­seur zu wer­den. Ein Ent­schluss, den er jetzt sehr ziel­stre­big mit der In­sze­nie­rung ei­ner Oper um­setzt.

Die Rede ist von "­Bas­tien und Bas­ti­en­ne", ei­nem Schä­fer­spiel um Liebe und Ei­fer­sucht in ei­nem Akt, das Mo­zart im zar­ten Al­ter von 12 Jah­ren ge­schrie­ben hat. Die Ge­schichte ist denk­bar ein­fach. Ein jun­ges Paar gerät aus Ei­fer­sucht in Streit, bis es sich schließ­lich – natür­lich un­ter Be­tei­li­gung ei­nes Drit­ten – wie­der­fin­det. Bei der Aus­wahl hatte der Schü­ler Un­ter­stüt­zung. Re­gis­seur Hin­rich Horst­kotte hatte ihm zum Ein­stieg zu leich­ter Muse ge­ra­ten. Ru­ben Mi­chael hat sich dar­auf­hin sehr in­ten­siv mit dem Sing­spiel aus­ein­an­der­ge­setzt, erste Ü­ber­le­gun­gen zur Um­set­zung ins Auge ge­fasst und schließ­lich durch den Hoch­schul­ver­tei­ler nach ei­nem En­sem­ble ge­sucht. Als mu­si­ka­li­schen Lei­ter konnte er den Stu­den­ten der Or­che­s­ter­lei­tung, Min Gyu Song ge­win­nen. Bar­to­lo­meo Sta­sch, An­gelka Ga­jta­novska und Si­mon Her­ten bil­den das En­sem­ble. Die Dra­ma­tur­gie wird Uli Man­gel ü­ber­neh­men. Die Vor­stel­lun­gen fin­den am Sonn­tag, 16. Ok­to­ber um 14 Uhr und am Mitt­wo­ch, 19. Ok­to­ber, um 18 Uhr im Café Goth­land, Bruch­straße 27 in Det­mold statt. "­Die eben­falls öf­fent­li­che Vor­pre­mie­re, die ge­filmt wer­den wird, fin­det am Frei­tag, 14. Ok­to­ber, um 14 Uhr stat­t", sagt Ru­ben Mi­chael. "Während es zur Pre­miere bei 61 Plät­zen schon arg eng wer­den wird, wäre es schön, wenn wir auch schon zur Vor­pre­miere viel Pu­bli­kum be­grüßen dürf­ten. Ein­tritt ist ü­b­ri­gens auch frei­." Das Schöne an dem Stück sei ei­gent­lich, dass man es ei­gent­lich an je­den be­lie­bi­gen Ort trans­fe­rie­ren kön­ne. Ein Café sei ein idea­ler Ort, um Schau­spie­lern und Pu­bli­kum einen di­rek­ten Kon­takt zu er­mög­li­chen. Das Café Goth­land, das sich in un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft zur Stu­diobühne des Lan­des­thea­ters be­fin­det, ist als be­kann­ter Ort für Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen ein idea­ler Ort für das Vor­ha­ben des Schü­lers. Und da er die Re­gie sehr ernst nimmt, darf das Pu­bli­kum ge­spannt sein, was Ru­ben Mi­chael sich für die In­sze­nie­rung hat ein­fal­len las­sen. Im­mer­hin ist er seit 8 Jah­ren bei­nahe stän­di­ger Gast im Lan­des­thea­ter, war dort Prak­ti­kant, hat Kon­takte ge­knüpft, sich viel ab­ge­schaut und viel Hil­fe­stel­lung be­kom­men. "Zu ei­ner der ge­mein­sa­men Pro­ben wird auch Re­gis­seur Mar­tin Pfaff kom­men und uns sze­ni­sches Feed­back ge­ben", freut sich der junge Re­gis­seur. Kopf­zer­bre­chen be­rei­tet ihm eher die noch nicht ganz durch­fi­nan­zierte In­sze­nie­rung. Dafür hat er im In­ter­net eine Crowd­fun­ding-Seite ein­ge­rich­tet: "ww­w.leet­chi.­com/c/­bas­tien-und-bas­ti­en­ne". "Ans Thea­ter bin ich eher aus Zu­fall ge­ra­ten", er­in­nert Ru­ben Mi­chael sich. "Ich be­kam das An­ge­bot im Chor bei "Hän­sel und Gre­tel" mit­wir­ken zu dür­fen – im pin­ken Pu­del­kostüm und ich sollte nach Hun­de­art mein Bein an ei­nem Baum he­ben. Da war ich der La­cher des Abends und habe tatsäch­lich ir­gend­wann an­ge­fan­gen mir eine kleine Thea­ter­bühne mit Ku­lisse für Play­mo­bil­fi­gu­ren zu bau­en. Dort habe ich dann be­gon­nen, Stü­cke zu in­sze­nie­ren." Und wenn er sagt, Stücke, dann re­det er von "O­thel­lo", "­Die Zau­ber­flöte", "­Car­men" und "Hän­sel und Gre­tel", die er auf sei­ner aus Holz ge­bau­ten und mit Schein­wer­fern und Ne­bel­ma­schine aus­ge­stat­te­ter Opern­bühne in­sze­niert hat. Die Play­mo­bil-Fi­gu­ren ste­cken an Schasch­lik­spießen und wer­den zur Mu­sik in­ner­halb des Büh­nen­bil­des be­wegt. In der ver­gan­ge­nen Spiel­zeit des Lan­des­thea­ters wurde die "­Play­mo­bil Opera Horn" gar im Foyer aus­ge­stellt. Seit der ers­ten Be­geg­nung mit dem Thea­ter, ist er da­von fas­zi­niert, hat im­mer wie­der mal mit klei­nen Rol­len im Lan­des­thea­ter auf der Bühne ge­stan­den, wie im "Wild­schütz", in der "West Side Sto­ry" oder zu­letzt als Zei­tungs­ver­käu­fer in "End­sta­tion Sehn­sucht" und war in der letz­ten Spiel­zeit in 66 Vor­stel­lun­gen. Für so viel Un­ter­stüt­zung von Sei­ten des Lan­des­thea­ters, aber auch sei­ner Schu­le, ist der Schü­ler sehr glück­lich und dank­bar. Die In­sze­nie­rung von "­Bas­tien und Bas­ti­en­ne" soll für ihn ein ers­ter Ein­stieg in die Re­gie wer­den, denn Thea­ter ist für ihn kein Hob­by, son­dern Lei­den­schaft.

vom 08.10.2016 | Ausgabe-Nr. 40B

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