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25 Jahre Ratschlag gegen Fremdenfeindlichkeit

Veranstaltung zum Jubiläum am 24. April in der Gelben Schule

 

Bad Sal­zu­flen (go). Die kul­tu­relle Viel­falt der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in Bad Sal­zu­flen nicht als Ü­ber­frem­dung, son­dern als Reich­tum und Chance zu er­le­ben und ein­zu­tre­ten für ein fried­li­ches Zu­sam­men­le­ben er­hob der Bad Sal­zu­fler Rat­schlag ge­gen Frem­den­feind­lich­keit und Rechts­ex­tre­mis­mus bei sei­ner Grün­dung 1990 zu sei­nem Leit­ziel. Zu sei­nem 25-jäh­ri­gen Be­ste­hen lädt der Rat­schlag zu ei­ner öf­fent­li­chen Ju­biläums­ver­an­stal­tung am Frei­tag, 24. April, um 18 Uhr in die Gelbe Schule (Mar­tin-Lu­ther-Straße 2) ein. Hier soll un­ter der Ü­ber­schrift "Will­kom­men in Bad Sal­zu­flen?!" die Si­tua­tion von Flücht­lin­gen in Bad Sal­zu­flen im Mit­tel­punkt ste­hen.

Dazu wer­den drei Mi­gran­ten, da­von ei­ner "­frisch" an­ge­kom­men, ei­ner be­reits seit zehn Jah­ren in Bad Sal­zu­flen le­bend, von ih­ren je­wei­li­gen Flücht­lings­schick­sa­len be­rich­ten und wie sie in Bad Sal­zu­flen auf­ge­nom­men wor­den sind. Da­ten, Zah­len und Fak­ten zum Thema lie­fert der In­te­gra­ti­ons­be­auf­tragte der Stadt, Jörg Herr­mann. Eine von Franz Meyer mo­de­rierte Po­di­ums­dis­kus­sion zur Flücht­lings­si­tua­tion schließt sich an. Auf dem Po­dium sit­zen wer­den Bür­ger­meis­ter Dr. Wolf­gang Hons­dorf, Per­wer Sha­moo (Vor­sit­zen­der des In­te­gra­ti­ons­ra­tes) und vom Rat­schlag Ka­na­wati Ka­mo, Die­ter Lo­renz und An­dreas Gro­ne­mei­er. Schau­ta­feln zur His­to­rie des Bad Sal­zu­fler Rat­schlags, Mu­sik­bei­träge und ein ab­sch­ließen­der Im­biss run­den die Ju­biläums­ver­an­stal­tung ab.

"­Die Flücht­lings­frage be­schäf­tigt uns zur Zeit sehr", sag­ten Die­ter Lo­renz und An­dreas Gro­ne­meier als Spre­cher des Rat­schlags. "Wir plä­die­ren auch dafür, dass die Flücht­lings­un­ter­kunft im So­phien­haus wei­ter ge­nutzt wird und ha­ben dies­be­züg­lich einen Brief an die zu­stän­dige Be­zirks­re­gie­rung in Arns­berg ge­schick­t."

Zur Zeit der Grün­dung des Rat­schlags, der ü­b­ri­gens bis heute kein Ver­ein ist und das auch nicht an­strebt, gab es viele Stim­men für Rechts­ra­di­kale bei der Eu­ro­pa­wahl (Juni 1989). Un­rühm­li­cher Spit­zen­rei­ter mit der höchs­ten Stim­men­zahl in Ost­west­fa­len-Lippe für die Rechts­ra­di­ka­len war Bad Sal­zu­flen. Alar­miert bil­de­ten Ver­tre­ter von Kir­chen, Par­tei­en, Ge­werk­schaf­ten und Kin­der­schutz­bund einen run­den Tisch, den Bad Sal­zu­fler Rat­schlag ge­gen Frem­den­feind­lich­keit und Rechts­ex­tre­mis­mus.

Als Re­ak­tion auf die frem­den­feind­li­chen Brand­an­schläge in So­lin­gen (1993) und Mölln (1992), or­ga­ni­sierte der Rat­schlag einen Schwei­ge­marsch durch die In­nen­stadt von Bad Sal­zu­flen. Mitt­ler­weile sind auch Grup­pen, wie der Ale­vi­ti­sche Kul­tur­ver­ein, das Kur­di­sche Kul­tur­haus oder die Tür­kisch-Is­la­mi­sche Ge­meinde im Rat­schlag ver­tre­ten. "Her­aus­he­ben wol­len wir einen Na­men, näm­lich den von In­grid Ten­nie, die sich von An­fang an in be­son­de­rer Weise im Rat­schlag en­ga­giert hat", sagte Die­ter Lo­renz.

­Be­kannt ist den meis­ten der Rat­schlag wohl durch seine Auf­ar­bei­tung jü­di­scher Ge­schichte in Bad Sal­zu­flen. Hieraus er­wach­sen ist auf An­re­gung des Rat­schlags 1998 die Neu­ge­stal­tung der Ge­denkstätte "Alte Syn­ago­ge" in der Mau­er­straße, die Or­ga­ni­sa­tion der jähr­li­chen Ge­denk­ver­an­stal­tung zur Po­grom­nacht von 1938, der Ho­lo­caust-Ge­denk­tag am 27. Ja­nu­ar, die Un­ter­stüt­zung des Wie­der­auf­baus der Her­for­der Syn­agoge und die Ver­le­gung der Stol­per­steine für die Ho­lo­caust-Op­fer in Bad Sal­zu­flen und Schöt­mar. Auch ein Be­geg­nungs­abend im Jahr 2004 mit John Ober­meyer, ei­nem aus Bad Sal­zu­flen ge­bür­ti­gen Ü­ber­le­ben­den des Ho­lo­causts, geht auf die In­itia­tive des Rat­schlags zurück.

"Vor zehn Jah­ren war es mal ru­hi­ger in un­se­rer Ar­beit. Nun gibt es durch die vie­len neuen Kriege auf un­se­rem Glo­bus im­mer mehr Kriegs­flücht­lin­ge. Da müs­sen wir al­les tun für eine Will­kom­mens­kul­tur", so Die­ter Lo­renz und An­dreas Gro­ne­mei­er.

vom 11.04.2015 | Ausgabe-Nr. 15B

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