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» Bad Salzuflen

Interview mit der MBK-Missionarin Dorothea Flake

»Liebe leben, nicht nur weitergeben«

 

Bad Sal­zu­flen (m­h). 18 Jahre lang hat Do­ro­thea Flake in Hong Kong ge­lebt und ge­ar­bei­tet als Missio­na­rin hat sie beim Auf­bau ei­ner christ­li­chen Ge­meinde mit­ge­hol­fen. Die 49-Jäh­rige ist Mit­ar­bei­te­rin des MBK, dem evan­ge­li­schen Ju­gend- und Missi­ons­werk mit Sitz in Bad Sal­zu­flen. Nun ist sie für ei­nige Zeit wie­der in Deutsch­land, um ü­ber ihre Ar­beit und Er­leb­nisse zu spre­chen. Lippe ak­tu­ell-Re­dak­teu­rin Me­la­nie Di­cken­brok hat sie zum In­ter­view ge­trof­fen.

? Wie sind Sie dazu ge­kom­men, Missio­na­rin zu wer­den?

­Do­ro­thea Fla­ke: Ich bin in ei­nem El­tern­haus auf­ge­wach­sen, das sehr weltof­fen war, sehr viele Kon­takte zu Men­schen in an­de­ren Län­dern hat­te, auch zu Missio­na­ren. Diese Men­schen und ihre Ar­beit ha­ben mich schon sehr früh in­ter­es­siert. Eine frühere Jung­schar­mit­ar­bei­te­rin erzählte mir vor ei­ni­ger Zeit, ich hätte schon mit elf Jah­ren ge­sagt, ich wolle ein­mal Missio­na­rin wer­den.

? Also war das schon als Kind ein Traum­be­ruf?

Fla­ke: Ich hatte da­mals gar keine Vor­stel­lung, was die­sen Be­ruf aus­macht. Doch ich wollte schon im­mer Men­schen hel­fen, auch ü­ber den ei­ge­nen Ho­ri­zont hin­aus. Als ich mit zwölf Jah­ren einen Un­fall hat­te, habe ich die Be­wah­rung durch Gott und seine Ge­gen­wart das erste Mal selbst er­lebt. Dar­auf hin habe ich mich be­wusst ent­schlos­sen, mein Le­ben sei­ner Führung an­zu­ver­trau­en.

? Wie ha­ben Sie sich auf die Auf­ga­ben in der Mission vor­be­rei­tet?

Fla­ke: Ich habe zunächst sechs Mo­nate als Au-Pair-Jahr in Eng­land ge­ar­bei­tet, um mehr Eng­lisch zu ler­nen. Dann habe ich Kin­der­kran­ken­pflege ge­lernt und schließ­lich beim MBK eine Aus­bil­dung zur Ge­mein­de­dia­ko­nin ge­macht. Gleich­zei­tig ka­men die MBK-Missio­na­rin­nen aus Hong Kong zurück, und die Kir­che dort sprach er­neut eine Ein­la­dung aus. Ich habe acht Jahre da­von ge­wusst, bis ich den Schritt ge­gan­gen bin. Nach mei­ner Ent­schei­dung, nach Hong Kong zu ge­hen habe ich viel ü­ber China ge­le­sen. Das Missi­ons­werk schickte mich und eine wei­tere Kan­di­da­tin außer­dem nach Eng­land zur sprach­li­chen Vor­be­rei­tung. Da ich aber schon Eng­lisch konn­te, durfte ich an­dere Fächer stu­die­ren: Missi­ons­ge­schich­te, eine Ein­führung in die Lin­guis­tik, auch Kör­per­spra­che und Ges­ten, denn die sind in an­dern Kul­tu­ren oft an­ders als bei uns. Das hat mich sen­si­bel ge­macht für die Fett­näpf­chen, in die man in ei­ner an­dern Kul­tur tre­ten kann!

? Sind Sie mit den Eng­lisch­kennt­nis­sen denn bei der Ar­beit aus­ge­kom­men, oder muss­ten Sie Chi­ne­sisch ler­nen?

Fla­ke: Die meis­ten Men­schen, mit de­nen ich ar­bei­te­te, spra­chen kein Eng­lisch. Ich musste die Spra­che ler­nen, und das ist sehr, sehr schwer. Ich hatte ganz am An­fang zwei Jahre Voll­zeit-Sprach­un­ter­richt. Da­nach sollte ich in ei­ner Ju­gend­gruppe mit­ar­bei­ten, und ich habe kein Wort ver­stan­den.

? Wie ha­ben Sie Hong Kong er­leb­t?

Fla­ke: Hong Kong war für mich wie das Zen­trum der Welt. Es ist fas­zi­nie­rend, welch ein Tempo diese Stadt hat, mit wel­cher Ge­schwin­dig­keit sich dort im­mer et­was Neues ent­wi­ckelt. Hong Kong hat eine su­per In­fra­struk­tur, wun­der­schöne Na­tur­parks, tolle Strän­de. Und dann die Men­schen­mas­sen. Oft kommt man nur mit Mäu­se­schrit­ten vor­an, weil es so voll ist. Die Ge­bäude sind rie­sen­groß, und im­mer kommt ein höhe­res hin­zu. Was mich im­mer am meis­ten fas­zi­niert hat: Plötz­lich kommt am Rande ei­ner be­fah­re­nen Straße eine Blume her­aus, oder eine Gruppe von See­ad­lern schwebt mit­ten durchs Ban­ken­vier­tel.

? Wie sieht Missi­ons­ar­beit heute aus­?

Fla­ke: Man ist Mit­ar­bei­ter ei­ner lo­ka­len, in die­sem Fall ei­ner chi­ne­si­schen Kir­che. Ich war von der Chi­ne­sisch Rhei­ni­schen Kir­che auf Ge­mein­de­e­bene ein­ge­setzt und habe Kin­der­ar­beit ge­macht, Frau­en­ar­beit, Ju­gend­ar­beit. Als Missio­na­rin habe ich das ge­tan, was ei­gent­lich je­der Christ in sei­nem ei­ge­nen Um­feld auch tun kann, Men­schen zu be­glei­ten, mit ih­nen die Liebe und die Hoff­nung für un­ser Le­ben zu tei­len, die Je­sus uns an­bie­tet, mit ih­nen zu be­ten, in der Bi­bel zu le­sen, ge­mein­sam zu es­sen und Ge­mein­schaft zu pfle­gen. Ich habe un­end­lich oft mit an­de­ren ge­ges­sen, das ist in der chi­ne­si­schen Kul­tur sehr wich­tig.

? Las­sen sich die Men­schen zum christ­li­chen Glau­ben »­be­keh­ren«?

Fla­ke: Wir la­den sie in die Ge­meinde ein, erzählen ih­nen von un­se­rem Glau­ben. Oft ist das ver­bun­den mit dem Dienst an der Ge­sell­schaft. So habe ich zwei Jahre in ei­nem dia­ko­ni­schen Pro­jekt für Fa­mi­lien in ei­nem so­zia­len Brenn­punkt­ge­biet mit­ge­ar­bei­tet. Dort wur­den Be­dürf­tige un­ter­stützt, Ein­wan­de­rern bei der In­te­gra­tion und der Kin­der­er­zie­hung ge­hol­fen. Mit ei­ner So­zi­al­ar­bei­te­rin be­gann ich einen Frau­en­kreis und habe ihn bis zum Schluß ge­lei­tet. Viele der Frauen ha­ben großes Leid er­fah­ren, und dort er­fuh­ren sie Lie­be, Ach­tung und Er­mu­ti­gung. Das Ver­trauen in den christ­li­chen Glau­ben ist da­durch ge­wach­sen, und viele wol­len ei­nes Ta­ges Chris­ten wer­den, wenn sie so­weit sind. Das ist Mission: Got­tes Liebe le­ben, nicht nur wei­ter­ge­ben.

? Was wa­ren die größten Her­aus­for­de­run­gen, die Sie be­wäl­ti­gen muss­ten?

Fla­ke: Ich kam in die Si­tua­tion, eine kleine Ge­meinde ein Jahr lang al­lein zu lei­ten, weil kein lo­ka­ler Pre­di­ger zur Ve­fü­gung stand, das war schon eine große Her­aus­for­de­rung. Da war ich noch gar nicht so lange in China, so dass mir die Spra­che be­son­ders zu schaf­fen ge­macht hat.

? Ist Ih­nen der Ab­schied aus Hong Kong schwer ge­fal­len?

Fla­ke: Ja und Nein. natür­lich sind viele enge Be­zie­hun­gen und Freund­schaf­ten ge­wach­sen, die ich nun zurück­las­sen muss­te. Vor al­lem die Frauen von mei­nem Pro­jekt wa­ren mir sehr ans Herz ge­wach­sen. Ich hof­fe, dass der Frau­en­kreis, der sich dar­aus ge­grün­det hat, auch ohne mich wei­ter­ge­führt wird. – Auf der an­de­ren Seite ist jetzt auch ein­mal eine Pause an­ge­sagt, wie ich diese ge­stal­te, ist noch im Wer­den.

Am Sonn­tag, 25. Mai, wird Do­ro­thea Flake bei den MBK-Ta­gen von ih­rer Ar­beit als Missio­na­rin be­rich­ten. Um 10 Uhr be­ginnt der Got­tes­dienst mit an­sch­ließen­dem Kirch­café in der Er­lö­ser­kir­che.

­Be­reits am Sams­tag nach­mit­tag, den 24. Mai wird eben­falls im Rah­men der MBK-Tage ein Work­shop mit Ra­chel Yan Ching, ei­ner jun­gen Ver­tre­te­rin der Chi­ne­sisch Rhei­ni­schen Kir­che in Hong Kong, statt­fin­den un­ter dem Ü­bert­hema »Kir­che mit Zu­kunft«. Sie wird von Ih­rer wach­sen­den Kow­loon City Ge­meinde be­rich­ten. Los geht es um 16.45 Uhr im MBK-Ta­gungs­haus, Her­mann-Löns-Str. 9.

vom 17.05.2008 | Ausgabe-Nr. 20B

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