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Bye-bye, Ollie!

Oliver Groenewald geht – Abschiedskonzert im Sommertheater

Von Ka­ren Hans­mei­er

­Det­mold. Treff­punkt Café. Ganz un­kom­pli­ziert. Vor zwei Ta­gen zurück­ge­kehrt aus Se­attle ist Oli­ver Gro­e­ne­wald nun wie­der in Det­mold. Mit klei­nem Jet­lag, aber gut ge­launt, zieht er sich die Woll­mütze vom Kopf. Dann lehnt er sich be­quem zurück, nippt an sei­nem Milch­kaf­fee und be­ginnt zu erzählen. Von sei­ner Ar­beit. Von Zu­kunfts­plä­nen und Ver­gan­ge­nem. Von Jazz und Big­bands. Und von ei­ner frühe­ren An­kunft aus den USA in Det­mold: "1997 war das. Mit nicht viel mehr als zwei Trom­pe­ten im Gepäck ...", er­in­nert er sich und schiebt sich in al­ler Ruhe ein Stück Torte in den Mund. Als hätte er alle Zeit der Welt. Da­bei ist noch ei­ni­ges zu tun. Schließ­lich sind die Ta­ge, die er noch in der lip­pi­schen Re­si­denz­stadt ver­brin­gen wird, an zwei Hän­den ab­zu­zählen. Dann näm­lich steht der Wech­sel des Wohn­or­tes an. Ei­ner, bei dem er nicht nur Stadt und Land ver­lässt, son­dern so­gar den Kon­ti­nent. An­fang Fe­bruar wird Oli­ver Gro­e­ne­wald er­neut den Flie­ger be­stei­gen. Dies­mal mit One-Way-Ticket. Zurück nach Se­att­le. Hin zu neuen Auf­ga­ben. Zu dem, was hier durch in­ten­sive Lehr­tätig­keit oft hat hin­ten an­ste­hen müs­sen: das Wei­ter­ent­wi­ckeln ei­ge­ner Pro­jek­te. Das Ar­ran­gie­ren, Kom­po­nie­ren und Mu­si­zie­ren. Im "O­li­ver Gro­e­ne­wald’s Se­attle Ten-Tet" bei­spiels­wei­se, das jen­seits des großen Tei­ches auf ihn war­tet. "Un­ter­richt wird es zunächst nur auf Work­shop­ba­sis ge­ben", er­gänzt er. Denn nicht nur zu neuen Auf­ga­ben führt ihn der Weg, son­dern auch – und das ist viel wich­ti­ger – zu sei­ner Frau.

Wer geht, hin­ter­lässt Spu­ren. So auch Oli­ver Gro­e­ne­wald. 17 Jahre lang war er ei­ner der­je­ni­gen, die den Jazz und die Big­band­ar­beit in der Re­gion mit­ge­prägt und be­rei­chert ha­ben. Von vie­len Sei­ten konnte man ihn da­bei er­le­ben. Als Band­lea­der und Ar­ran­geur. Als Trom­pe­ter und Pro­fes­sor. Als Kom­po­nist und Leh­rer. Für viele als Weg­ge­fähr­te. An­ge­fan­gen hat al­les ganz klein. In Rin­teln. Dem Ge­burts­ort des heute 46-jäh­ri­gen. Schlag­zeug hatte der kleine Oli­ver spie­len wol­len. Aber das woll­ten al­le. Trom­pe­ter da­ge­gen wa­ren Man­gel­wa­re. Also Blech statt Per­kus­sion. Er hat das sanft schim­mernde In­stru­ment schließ­lich lie­ben ge­lernt. So sehr, dass er sich 1983 für seine Pro­fi­aus­bil­dung ent­schied. Als Jung­stu­dent an der Det­mol­der Mu­sik­hoch­schule bei Prof. Max Som­mer­hal­der und Hans Joa­chim Knoke nahm seine mu­si­ka­li­sche Kar­riere ih­ren Lauf. Zunächst ganz klas­sisch. Bis er den Jazz für sich ent­deck­te. Und so schloss sich 1986 bis 1994 ein Stu­dium der Jazz­trom­pete in Graz und Den Haag an. Es folg­ten zwei Jahre als "Te­a­ching As­sis­tent" von Chuck Is­raels an der Wes­tern Wa­shing­ton Uni­ver­si­ty, USA. 1997 kehrt Gro­e­ne­wald zurück nach Det­mold, wo er an der Hoch­schule für Mu­sik nicht nur Jazz­trom­pete und Ar­ran­ge­ment lehrt, son­dern auch die Lei­tung der Hoch­schul-Big­band ü­ber­nimmt. Denn auch wenn er mit Größen wie Mel Le­wis, Art Far­mer, Mark Mur­phy, Dusko Goy­ko­vich, Pe­ter Her­bolz­hei­mer, Wyn­ton Mar­sa­lis, Kenny Whee­ler, Al­bert Man­gels­dorff, Andy Bay und Clark Terry zu­sam­men­ar­bei­tet und -spielt, so ist ihm doch im­mer die Ar­beit mit jun­gen Mu­si­kern ein be­son­de­res An­lie­gen. Dem mu­si­ka­li­schen Nach­wuchs eine fun­dierte Aus­bil­dung zu bie­ten. "Es ist il­lu­so­risch zu war­ten, dass man gute Mu­si­ker be­kommt. Man muss gute Leute aus­bil­den. Des­we­gen bin ich Leh­rer", sagt Gro­e­ne­wald. Vor­aus­set­zung dafür sei es, das Hand­werk des Jazz zu be­herr­schen. Hinzu kä­men un­ab­ding­bar päd­ago­gi­sche Fähig­kei­ten. Denn sein In­stru­ment meis­ter­haft spie­len zu kön­nen, hieße nicht zwangs­läu­fig, das Wis­sen auch ver­mit­teln zu kön­nen.

Und zwei­fel­los hat er ei­ni­ges dazu bei­ge­tra­gen, sei­nen Ele­ven na­he­zu­brin­gen, Oh­ren zu ha­ben und Ide­en, ohne in Ska­len und Theo­rien zu ver­har­ren. Aber auch, dass der Jazz in der Re­gion ein ei­ge­nes Pro­fil er­hal­ten hat. Dass diese Mu­si­krich­tung an der Hoch­schule nicht mehr ein Exo­ten­da­sein fris­tet, son­dern in­zwi­schen fest in der Stu­dien­ord­nung ver­an­kert ist. Ne­ben sei­ner Lehr­tätig­keit, bot er Jazz­freun­den im­mer wie­der die Mög­lich­keit, sich an sei­ner pro­fun­den Be­herr­schung sei­nes In­stru­men­tes zu freu­en: Mal kraft­voll, mal ver­haucht und mal trau­rig, mal ru­hig, mal warm – der Klang, den Oli­ver Gro­e­ne­wald aus sei­ner Trom­pete zau­bert, ist so ein­zig­ar­tig wie ein Fin­ger­ab­druck. Am Diens­tag, 28. Ja­nuar beim "S­teady Gig" im Kai­ser­kel­ler Det­mold etwa kann man ihn noch ein­mal er­le­ben. Auch ein Auf­tritt im "Pa­ra­plü" sei noch ge­plant.

­Zu­vor aber steht die "­Nacht der Big­bands" im Det­mol­der Som­mer­thea­ter an. Da­mit kehre er an eine der Wir­kungs­stät­ten zurück, die ihm ganz be­son­ders ans Herz ge­wach­sen sei, be­rich­tet der ver­sierte Trom­pe­ter. Die Un­ter­stüt­zung, die er für seine päd­ago­gi­sche Ar­beit dort er­hal­ten ha­be, sei "ab­so­lut großar­tig ge­we­sen", schwärmt er mit glän­zen­den Au­gen und lässt die Kon­zer­treihe "­Groo­vin‘ High" Re­vue pas­sie­ren. Ver­ges­sen ist der Jet­lag. Und man sieht den lei­den­schaft­li­chen Leh­rer, der ihn im steckt.

Dank der fi­nan­zi­el­len Un­ter­stüt­zung des Det­mol­der Som­mer­thea­ters sei es ihm mehr­fach mög­lich ge­we­sen, re­nom­mierte Künst­ler der in­ter­na­tio­na­len Jazz­szene ein­zu­la­den. Und zwar nicht nur, da­mit diese dort ein Kon­zert ge­ben, son­dern ins­be­son­dere um mit der Big­band der Hoch­schule für Mu­sik im Rah­men von Work­shops drei Tage lang in­ten­siv zu ar­bei­ten. "Un­ter traum­haf­ten Be­din­gun­gen", seufzt er be­geis­tert und trinkt den letz­ten Schluck Kaf­fee.

vom 15.01.2014 | Ausgabe-Nr. 3A

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