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Kabarettist Fabian Lau zu Gast auf Burg Sternberg

Die intimen Geständnisse eines zufriedenen Künstlers

 

Ex­ter­tal-Lin­der­hofe (b­j). »Mu­sik­burg Stern­ber­g« – das zer­fließt auf der Zun­ge, wenn es im Ter­min­ka­len­der steht. Fa­bian Lau freute sich ehr­lich wie­der in Ex­ter­tal zu gas­tie­ren und die 100 Zu­schauer freu­ten sich, dass er da war. Der Ka­ba­ret­tist und Mu­si­ker ver­zich­tete auf ein fes­tes Pro­gramm, denn sind die Gags erst mal aus­wen­dig ge­lernt, lang­wei­len sie ihn auch schon wie­der, wie er sagt. Mal vom Blatt, mal aus dem Steg­reif ge­währte er hu­mo­ris­ti­sche Ein­bli­cke in die in­ti­men Ge­dan­kengänge ei­nes freien Künst­lers. Zwar könnte er statt in Pa­der­born auch in Hol­ly­wood le­ben, aber Lau weiß, dass wirk­lich freie Künst­ler dort nicht an­zu­tref­fen sind. Er will im Grunde ein­fach nur zu­frie­den sein, doch ge­stal­tet sich diese Am­bi­tion nicht im­mer so wie ge­wünscht. Die Frage »Warum machst Du das ei­gent­lich?« wird gleich zu An­fang des 90-minüti­gen Pro­gramms mit dem Chan­son ü­ber den Nach­barn Laus be­ant­wor­tet. Ein­mal das Au­to­licht an­ge­las­sen, wähnt Lau ihn nach ei­ner Ver­ket­tung wid­ri­ger Um­stände mit der Rot­wein­fla­sche un­ter der Brücke. Nein, dann doch lie­ber Klein­künst­ler blei­ben, da weiß man, dass man sich sein Brot hart ver­die­nen muss. Im­mer noch bes­ser als Frau­en­arzt wer­den wie der Pa­pa, denn da muss man ja doch nur Ab­stri­che ma­chen. Lau streift gerne mal die Gür­tel­li­nie, wirkt aber nicht pein­lich. Warum das so ist, mag an sei­ner kon­ser­va­tiv-le­ge­ren Er­schei­nung lie­gen. Dem Pu­bli­kum im Rit­ter­saal ge­fiel es und ap­plau­dierte be­geis­tert.

Wirk­lich berühmt wer­den will Fa­bian Lau auch gar nicht, denn dann muss man bei Bio­lek Pu­ten­brüst­chen nach West­fä­li­scher Art brut­zeln und ko­mi­sche Fra­gen von Lilo Wan­ders be­ant­wor­ten. Für ihn ist die Kar­riere im Großen und Gan­zen in Ord­nung, wäre nicht sein Traum un­er­füllt, ein­mal ge­mein­sam mit Jo­die Fos­ter in dem klei­nen ita­lie­ni­schen Re­stau­rant am Bo­den­see zu spei­sen, dass sich gar nicht so sehr von sei­ner Stamm-Piz­ze­ria in Pa­der­born un­ter­schei­det. Ein­mal traf er die Ame­ri­ka­ne­rin per­sön­lich. Lau ver­si­chert, dass sich seine Ge­schichte ge­nauso zu­ge­tra­gen hat und wir alle glau­ben ihm, denn diese Au­gen kön­nen nicht lü­gen. In Man­hat­tan kreuz­ten sich die Wege der Schau­spie­le­rin und des Ka­ba­ret­tis­ten und der schüch­terne Fa­bian sprach die Be­gehrte an. Doch konnte oder wollte sie ihn nicht ver­ste­hen, was daran lie­gen mag, dass Jo­die Fos­ter be­reits eine Le­bens­ge­fähr­tin hat. Macht nichts, sagt er sich, denn mit je­dem Wunsch, der in Er­fül­lung geht, stirbt ein Traum und es ist schö­ner einen un­er­füll­ten Traum zu ha­ben als gar kei­nen. Haupt­sa­che nicht auf Gott­schalks Coach ne­ben Pe­ter Maf­fay sit­zen, der macht ja erst Mu­sik seit er den­ken kann. Fa­bian Lau mu­si­ziert auch und zwar rich­tig gut. Das Spie­len der Jaz­z­gi­tarre lernte er bei Hän­sche Weiss. Die Texte aus ei­ge­ner Fe­der kit­zeln am Zwerch­fell und kön­nen das La­chen ebenso schnell ge­frie­ren las­sen wie es auf­ge­kom­men ist.

Lau ist ein lei­den­schaft­li­cher Samm­ler von all­täg­li­chen Be­ge­ben­hei­ten, de­ren Ko­mik in der Sa­che an sich liegt. Er hat noch, Ge­bur­ten­jahr­gang 1962 sei Dank, das Gen der Welt­ver­bes­se­rer im Leib und fin­det: Bei Stau­mel­dun­gen im Ra­dio soll­ten auch die Schlan­gen an den Klohäu­schen Er­wäh­nung fin­den. Er gibt dem Pu­bli­kum den gu­ten Rat mit auf den Weg, nur die ei­ge­nen Spu­ren in öf­fent­li­chen Toi­let­ten zu ent­fer­nen, so kann man dem Nach­fol­ger ge­rade ins Auge bli­cken und es gibt keine Pro­bleme mit dem Toi­let­ten­mann. Der Künst­ler weiß, die ers­ten ha­ben es im­mer am schwers­ten, das geht schon im Ge­burts­ka­nal los und warum in den Ur­laub flie­gen, auch zu Hause gibt es schöne To­des­ar­ten.

Den Links­ver­kehr für die be­vor­ste­hen­den Eng­land­fe­rien hat Fa­bian Lau schon mal in Stutt­gart ge­probt. Doch der klappt be­kannt­lich nur, wenn alle mit­ma­chen, das ist so ähn­lich wie bei Auf­trit­ten. Sein Gast­spiel auf der Mu­sik­burg hin­ge­gen konnte gar nicht schief ge­hen, denn das Pu­bli­kum machte mit Be­geis­te­rung mit und ver­ab­schie­dete den Ge­dan­ken­akro­ba­ten mit lang an­hal­ten­dem Ap­plaus.

vom 09.04.2008 | Ausgabe-Nr. 15A

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