LIPPE aktuell - Das Mitteilungs- und Anzeigenblatt für die Region Lippe

Sprung

Inhalt

» Lemgo

Gregor Gysi von der Linkspartei kritisiert in Lemgo die Sozialpolitik der Regierung

»Aufschwung für wenige«

Lemgo-Brake (m­v). Noch vor ei­ni­gen Jah­ren wäre eine sol­che Kon­stel­la­tion wohl nur schwer vor­stell­bar ge­we­sen, doch nun wurde sie Wirk­lich­keit und Nor­ma­lität: Gre­gor Gy­si, sei­nes Zei­chens Ex-PDS-Chef und jetzt ge­mein­sam mit Os­kar La­fon­taine Front­fi­gur der neuen Links­par­tei, spricht ganz of­fi­zi­ell vor den ver­sam­mel­ten Funk­tionären der in Lippe ver­tre­te­nen Ein­zel­ge­werk­schaf­ten. So ge­sche­hen am ver­gan­ge­nen Mitt­wo­cha­bend in der Schloss­scheune in Lemgo-Bra­ke. Der lip­pi­sche IG Me­tall-Chef Rein­hard Sei­ler zeigte sich sicht­lich er­freut und auch ein we­nig stolz darü­ber, einen der­art pro­mi­nen­ten Red­ner ge­won­nen zu ha­ben.

­Gre­gor Gysi ent­täuschte die lip­pi­schen Ge­werk­schafts­funk­tionäre nicht: Kämp­fe­risch und wort­ge­wandt setzte er an zu ei­ner Tour d‘Ho­ri­zon durch die ak­tu­elle deut­sche so­zi­al­po­li­ti­sche La­ge. Da­bei be­kam vor al­lem die SPD ihr Fett weg: Aus­ge­rech­net im Hei­mat­kreis von Ex-Bun­des­kanz­ler Ger­hard Schrö­der, dem »A­genda 2010-Kanz­ler«, er­fuhr also diese Po­li­tik der So­zi­al­de­mo­kra­ten er­neut eine hef­tige Ab­fuhr. Gysi cha­rak­te­ri­sierte die So­zi­al­po­li­tik der ver­gan­ge­nen Jahre als »­per­ma­nen­ten So­zi­al­ab­bau«, maß­geb­lich mit­zu­ver­ant­wor­ten von den So­zi­al­de­mo­kra­ten. Es sei ein Hohn, dass der SPD-Ar­beits- und So­zial­mi­nis­ter Mün­te­fe­ring sich hart­nä­ckig ge­gen eine Ver­län­ge­rung der Zah­lung von Ar­beits­lo­sen­geld I an äl­tere Ar­beit­neh­mer sträu­be.

­Gre­gor Gysi kenn­zeich­nete in sei­ner mit viel Bei­fall be­dach­ten Rede die all­ge­meine Si­tua­tion in der Wirt­schafts- und So­zi­al­po­li­tik als Aus­druck ei­nes »­neo­li­be­ra­len Zeit­al­ter­s«, das auch in Deutsch­land den Ton an­ge­be.

­Ne­ben dem ra­san­ten So­zi­al­ab­bau sei auch die um­fas­sende Pri­va­ti­sie­rung der bis da­hin öf­fent­li­chen Da­seins­vor­sorge dafür ein schlim­mes Bei­spiel: Diese Be­stre­bun­gen seien in der Tat ein An­griff auf die De­mo­kra­tie, da etwa we­der die Vor­stände der Ener­gie­rie­sen noch die Lei­tun­gen der pri­va­ti­sier­ten Kran­ken­häu­ser oder auch der Bahn wähl­bar und da­mit kon­trol­lier­bar sei­en.

»Dann wird es ziem­lich egal, wer zum Bei­spiel als Bür­ger­meis­ter ge­wählt wird – wenn der Ge­wählte oh­ne­hin nichts mehr zu sa­gen hat«, so der Spit­zen­po­li­ti­ker der Links­par­tei.

Bil­dung, Kul­tur, Woh­nungs­bau – al­les müsse sich laut neo­li­be­ra­ler Phi­lo­so­phie »rech­nen«, wo­durch die öf­fent­li­chen Be­lange und der Schutz der Schwa­chen nach Mei­nung von Gre­gor Gysi ekla­tant ver­nach­läs­sigt wer­den.

Viel Zu­spruch er­hielt Gysi auch für seine harte Kri­tik an der Leih­ar­beit, die er als In­stru­ment der Lohn­sen­kung und als »­mo­derne Form der Skla­ver­ei« be­zeich­ne­te.

vom 17.10.2007 | Ausgabe-Nr. 42A

Seite drucken Drucken  | Seite versenden Versenden

« weitere Artikel

Keine Zeitung erhalten