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Fast jeder war schon mal beim TÜV – aber wie arbeiten die Prüfer? Teil 5

Der Auto-Inspektor beim TÜV-Verhör

Det­mold (to­s). Wer­ner Bin­roths Ar­beits­platz ist die Werk­hal­le. Tag­täg­lich wan­dert sein prü­fen­der Blick ü­ber dut­zende von Au­tos. Er ist kein grob­schläch­ti­ger Schrau­ber mit Öl­fle­cken auf der Hand und auf dem ver­wa­sche­nen Blau­mann. Das Hemd ist ge­bü­gelt, die Brille sitzt un­ter den ro­ten Haa­ren. Wer­ner Bin­ro­th, Di­plom-In­ge­nieur, ar­bei­tet beim De­kra in Det­mol­d.

Wer hier­her kommt, will eine neue Prüf­pla­kette auf dem Kenn­zei­chen ha­ben, das Auto muss »­durch den TÜV«.

Nach­dem er einen Kun­den mit Mer­ce­des A-Klasse ent­las­sen hat (durch­ge­fal­len), geht er zum nächs­ten Ob­jekt, das draußen vor der Halle war­tet: Ein weißer VW-Bul­li, Bau­jahr 1996 – und mit Ta­cho­stand 390.000 Ki­lo­me­ter, wie der Kun­de, der sei­nen Na­men nicht ge­druckt se­hen möch­te, nicht ohne Stolz erzähl­t.

­Bin­roth fährt den Wa­gen in die Hal­le, wie etwa 300 Mal je­des Jahr. Haupt- und Ab­gas­un­ter­su­chung ste­hen an, Kos­ten­punkt gut 80 Eu­ro.

­Zu­erst mal ein Test der Hupe – funk­tio­niert. Dann fährt der Prü­fer den VW auf zwei rote Rol­len, die im Bo­den ein­ge­las­sen sind. Hier bremst er so­fort. Zwei Ar­ma­tu­ren auf ei­ner Ta­fel zei­gen die Brems­wir­kung an, erst vor­ne, dann auf der Hin­ter­ach­se. Bin­roth sieht schnell: Auf der Hin­ter­achse ist die Brems­kraft zu schwach, außer­dem ist sie links stär­ker als rechts, und zwar für Fuß- und Hand­brem­se. Die Haupt­un­ter­su­chung gilt schon jetzt als nicht be­stan­den.

­Der Prü­fer fährt das Auto auf die He­be­büh­ne. Rou­ti­niert öff­net er die Mo­tor­hau­be. »Al­les in Ord­nung«, stellt er schnell fest. Um zu prü­fen, ob die Schein­wer­fer kor­rekt ein­ge­stellt sind, fährt er ein klei­nes grü­nes Gerät, das auf ei­ner Schiene be­fes­tigt ist, her­an. Das Licht strahlt in eine Art Ob­jek­tiv. Dort muss sich die Ober­grenze des Licht­ke­gels mit ei­ner ge­stri­chel­ten Li­nie de­cken.

­Bin­roth fährt die He­be­bühne nach oben. Mit Fahr­zeug­schein und Ta­schen­lampe in der Hand leuch­tet er hin­ter die Rei­fen, prüft die Rad­auf­hän­gun­gen. »­Die Brems­klötze habe ich erst vor kur­zem neu ma­chen las­sen«, erzählt der Kun­de. Erst letz­ten Mon­tag habe er das Fahr­zeug aus der Werk­statt ge­hol­t.

Nach­dem der Auto-In­spek­tor die He­be­bühne noch ein Stück mehr in Rich­tung des glä­ser­nen Hal­len­da­ches ge­fah­ren hat, schaut er sich den Un­ter­bo­den an. Al­les ein biss­chen dre­ckig hier, aber das ist ja ganz nor­mal. Bin­roth streckt sich hier, rüt­telt da ein biss­chen, zu be­an­stan­den hat er nichts. Auf den Schie­nen der He­be­bühne rüt­telt eine Ap­pa­ra­tur an den Vor­der­rei­fen. Da­mit prüft er, ob es viel­leicht zu­viel Len­kungs­spiel gibt. »­Der Mo­tor ist ü­b­ri­gens schön tro­cken«, sagt er ne­ben­bei, »das ist sau­gut.«

Von dem Er­satz­rei­fen, der hin­ten un­ter dem Kof­fer­raum an­ge­bracht ist, ist er nicht so be­geis­tert. Der scheint näm­lich et­was lo­cker zu sein. Da­bei fällt ihm auch gleich auf, dass die Kenn­zei­chen­leuchte auf der Rück­seite nicht funk­tio­niert – ein Man­gel.

­Die runde Pla­kette ist schon mal passé – bleibt noch die sechs­e­ckige für die Ab­gas­un­ter­su­chung.

An den Mo­tor schließt Wer­ner Bin­roth ein klei­nes Gerät ein, ein Mi­kro­fon und Schwin­gungs­auf­neh­mer – es er­rech­net von selbst die Dreh­zahl, aus den Geräu­schen des Mo­tors. Hin­ten am Aus­puff klemmt Bin­roth eine »Aus­puff­son­de« an. Die misst die Koh­len­mon­oxid-Kon­zen­tra­tion in den Ab­gas­en, außer­dem einen Schlauch, der ver­hin­dert, dass die Halle ver­pes­tet wird. Dann wirft er das Auto an. Die Dreh­zahl muss sich eine halbe Mi­nute lang kon­stant hal­ten. Im Leer­lauf gibt der Prü­fer dann Gas, schaut da­bei im­mer wie­der auf den Bild­schirm. Ver­schie­dene Werte ver­ra­ten nicht nur, wie viel Koh­len­mon­oxid, son­dern auch et­wa, wie viel Sau­er­stoff noch in den Ab­gasen ist. Im­mer wie­der lässt er den Mo­tor laut auf­heu­len, ganze sechs Mal, weil die Werte sich von Mal zu Mal un­ter­schei­den.

Aus­schlag­ge­bend ist am Ende der Mit­tel­wert. Schließ­lich ist es ü­ber­stan­den: »­Ab­gas­un­ter­su­chung be­stan­den« ver­mel­det das Mess­gerät auf dem Mo­ni­tor. Jetzt kann Wer­ner Bin­roth die gelbe Pla­kette mit den sechs Ecken aufs Num­mern­schild kle­ben. Da­mit ist der Fall ab­ge­schlos­sen, der Kunde fährt aus der Hal­le. Aber er wird in den nächs­ten Ta­gen wie­der­kom­men – hof­fent­lich mit in­tak­ten Brem­sen.

vom 17.10.2007 | Ausgabe-Nr. 42A

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