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» Oerlinghausen

Ein Film, der wachrüttelt

"Blut muss fließen" dokumentiert Geschehen

 

Oer­ling­hau­sen (k­d). Ge­walt­be­reite Neo­na­zis ha­ben die Rock­mu­sik für sich ent­deckt. Bei ge­hei­men Kon­zer­ten be­rau­schen sie sich an den men­schen­ver­ach­ten­den Lied­tex­ten. Was ge­nau dort ge­schieht, hat der Jour­na­list Tho­mas Ku­ban mit ver­steck­ter Ka­mera do­ku­men­tiert. Sein Film "­Blut muss fließen" wurde jetzt in Oer­ling­hau­sen vor 125 Zu­schau­ern vor­ge­führt.

Ne­ben dem För­der­ver­ein der Stadt­bi­blio­thek tra­ten die Par­teien CDU, FDP, Grüne und SPD als Ver­an­stal­ter auf, die Stadt und die Kir­chen­ge­mein­den un­ter­stütz­ten die Vor­führung. Den­noch wurde Dr. Bernd Meyer, Vor­sit­zen­der des För­der­ver­eins, ge­warnt, er solle doch keine schla­fen­den Hunde zu we­cken. "­Sie schla­fen aber nicht. Es ist da­her an uns, sie auf de­mo­kra­ti­sche Weise zur Ruhe zu brin­gen", sagte Meyer. Auf ei­ner Karte der Ver­an­stal­ter wa­ren die Stand­orte in Ost­west­fa­len-Lippe ver­zeich­net, an de­nen be­reits so­ge­nannte Rechts­rock­kon­zerte statt­ge­fun­den ha­ben. Orte wie Au­gust­dorf, Bad Sal­zu­flen und Lemgo wa­ren dar­un­ter. Jüngs­tes Bei­spiel. Im Herbst hat in Leo­polds­höhe ein Kon­zert mit Pu­bli­kum aus dem rechts­ex­tre­men Spek­trum statt­ge­fun­den. Zehn Jahre lang war Tho­mas Ku­ban ge­tarnt im rech­ten Mi­lieu un­ter­wegs. Er ver­schaffte sich Zu­tritt zu den kon­spi­ra­ti­ven Kon­zer­ten in ganz Deutsch­land, in Ös­ter­reich, Un­garn und Eng­land. Ku­ban ging je­weils ein ho­hes per­sön­li­ches Ri­siko ein, mehr­fach er­hielt er mas­sive Dro­hun­gen. Was er mit sei­ner ge­tarn­ten Ka­mera auf­zeich­ne­te, enthüllt die Ge­sin­nung der rech­ten Kon­zert­be­su­cher. In ih­ren Ge­sän­gen ru­fen sie zur Ge­walt ge­gen Men­schen auf, re­cken den Arm zum Hitler­gruß, ma­chen sich lus­tig ü­ber den Ho­lo­caust, for­dern den Tod von Aus­län­dern und al­len, die ih­nen po­li­tisch und re­li­giös miss­lie­big er­schei­nen. Das Lied "­Blut muss fließen" wurde bei je­der Ver­an­stal­tung an­ge­stimmt. Pe­ter Oh­len­dorf, Re­gis­seur des Films und Weg­be­glei­ter Ku­bans, er­läu­terte seine Be­weg­grün­de: "­Man muss zei­gen, was da läuft. Die Si­cher­heits­behör­den krie­gen es nicht auf die Rei­he." In ost­deut­schen Bun­des­län­dern sind die Neo­na­zis mit ih­ren Kon­zer­ten "häu­fig die ein­zi­gen Kul­tu­ran­bie­ter. Viel­fach sind sie schon in der Mitte der Ge­sell­schaft an­ge­kom­men." Nicht sel­ten wer­den vor Schu­len ein­schlä­gige CDs gra­tis ver­teilt, die Kon­zerte wir­ken dann wie eine "Ein­stiegs­dro­ge". Der Film zeigt aber auch po­si­tive Bei­spie­le. Dank gut ge­schul­ter Be­am­ter wer­den Rechts­rock­kon­zerte in Ber­lin kon­se­quent un­ter­bun­den. Die Ein­woh­ner ei­nes klei­nen Or­tes in Hes­sen ha­ben sich er­folg­reich ge­gen die Ver­ein­nah­mung durch die rechte Szene zur Wehr ge­setzt. Lange Zeit in­ter­es­sier­ten sich we­der Fern­seh­sen­der noch Ver­leih­fir­men für das Thema Rechts­rock­kon­zer­te. Erst eine Aus­zeich­nung bei der Ber­li­nale 2012 be­scherte dem Film "­Blut muss fließen" öf­fent­li­che Auf­merk­sam­keit. Den­noch ist der Re­gis­seur Pe­ter Oh­len­dorf auf ge­le­gent­li­che Vor­führun­gen im klei­nen Kreis an­ge­wie­sen. "Ich reise zur Zeit kreuz und quer durch die Lan­de, um den Film zu zei­gen. Das In­ter­esse ist groß." Ebenso wie der Jour­na­list Tho­mas Ku­ban möchte Oh­len­dorf die Öf­fent­lich­keit wachrüt­teln, be­vor es mög­li­cher­weise zu spät ist.

vom 23.02.2013 | Ausgabe-Nr. 8B

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