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Selbsthilfegruppe für Psychiatrie-Erfahrene strebt Austausch an

»Arche Noah« startet zu neuen Ufern

Bad Sal­zu­flen/­Kreis Lip­pe. Eine psy­chi­sche Er­kran­kung und al­les, was sie nach sich zieht, kann uns Men­schen den Bo­den un­ter den Füßen weg­reißen - wie eine Sint­flut, vor der uns nur ein sta­bi­les Schiff ret­ten kann. An die­ses Bild er­in­nert der Name der Selbst­hil­fe­gruppe »Ar­che No­ah« für Psych­ia­trie-Er­fah­rene in Lippe mit Treff­punkt in Bad Sal­zu­flen.

Ge­grün­det wurde sie 2003. Claus W. und Jür­gen W. sind An­sprech­part­ner der Grup­pe. Claus W. hat zunächst als An­gehö­ri­ger und später als selbst Be­trof­fe­ner er­lebt, wie es ist, ganz ü­ber­ra­schend aus ei­nem bis da­hin nor­ma­len Le­ben her­aus ge­ris­sen zu wer­den. Die Psy­chose-Er­fah­rung war be­reits hoch ir­ri­tie­rend, aber noch schlim­mer ist ihm in Er­in­ne­rung, was sie an Ent­mün­di­gung nach sich zog. » Ich wollte gern mit an­de­ren darü­ber re­den. Ich wollte ein­fach wis­sen, ob nur ich das so er­lebe oder an­dere auch«, sagt Jür­gen W. Alle Be­trof­fe­nen tei­len die Er­fah­rung, sich nie zu­vor in ih­rem Le­ben so rat­los, hilf­los und un­ver­stan­den ge­fühlt zu ha­ben. Be­son­ders das Ge­fühl, mit den ei­ge­nen An­lie­gen und Wün­schen nicht mehr ernst ge­nom­men zu wer­den, ha­ben sie als ex­trem dis­kri­mi­nie­rend und ver­let­zend emp­fun­den. »Wir wol­len uns nicht klein ma­chen las­sen, denn wir ha­ben ja Er­fah­run­gen und die wol­len wir nut­zen und wei­ter­ge­ben. Das macht selbst­be­wus­s­ter. In der Selbst­hil­fe­gruppe tau­schen wir uns nicht nur ü­ber un­se­ren Krank­heits­ver­lauf und Be­hand­lun­gen aus­«, sagt Claus W. »Wir freuen uns im­mer ü­ber neue In­ter­es­sier­te«, er­gänzt Jür­gen W. »Und wir ge­hen mit al­lem, was wir in der Gruppe hören, ver­trau­lich um, da wir oft ü­ber sehr per­sön­lich Dinge spre­chen.«

In­zwi­schen geht es der Selbst­hil­fe­gruppe um mehr: sie wünscht sich in Bad Sal­zu­flen einen re­gel­mäßi­gen Aus­tausch von Psych­ia­trie-Er­fah­re­nen, An­gehö­rige von Psych­ia­trie-Er­fah­re­nen und Fach­leu­ten der psych­ia­tri­schen Ver­sor­gung. Ein sol­cher Aus­tausch konnte be­reits in vie­len Städ­ten zu ei­ner bes­se­ren Ver­stän­di­gung al­ler Be­tei­lig­ten bei­tra­gen. »Wenn die Er­fah­run­gen von An­gehö­ri­gen und Be­trof­fene stär­ker ein­be­zo­gen wer­den, hat das auch po­si­tive Ef­fekte auf die Ver­sor­gung«, sagt Ka­rin Mar­ci­niak von der Selbst­hilfe-Kon­takt­stelle Kreis Lip­pe, die das An­lie­gen un­ter­stützt. In Lippe gibt es be­reits seit ei­ni­gen Jah­ren einen sol­chen Aus­tausch mit re­gel­mäßi­gen Tref­fen in Det­mold, al­ler­dings noch nicht in Bad Sal­zu­flen.

Wer mehr er­fah­ren oder sich be­tei­li­gen möch­te, kann sich di­rekt an die Selbst­hil­fe­gruppe wen­den: sh­g.ar­che-no­ah@we­b.de oder an die Selbst­hilfe-Kon­takt­stelle im Kreis Lippe un­ter Te­le­fon 05231-56126-0; Sprech­zei­ten: Mon­tag, Diens­tag und Mitt­woch von 9.30 bis 12.30 Uhr und Don­ners­tags von 15 bis 18 Uhr.

vom 18.06.2011 | Ausgabe-Nr. 24B

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