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»Das Sofa« von Simon Borowiak hatte im Grabbe-Haus Premiere

Corpus delicti in Form eines Möbels

Det­mold (jus). Das ers­te, was im Raum sicht­bar wird, ist ein mons­trö­ser Kar­ton. Mar­tin (Do­mi­nic Betz), männ­li­cher Prot­ago­nist des Drei-Per­so­nenstücks »Das So­fa« von Si­mon Bo­ro­wiak, das in der In­sze­nie­rung von Oleg My­rzak im Grabbe-Haus Pre­miere fei­er­te, bemüht sich hör­bar, die un­för­mige Kiste in sein ste­ri­les Wohn­zim­mer zu bug­sie­ren. Enthüllt zei­gen sich Teile ei­nes So­fas mit dem klang­vol­len Na­men Lysann, vom Aus­stat­ter Ste­fan Op­pen­län­der selbst ent­wor­fen, das aber erst noch zu­sam­men­ge­setzt sein will.

Bei die­ser stu­pi­den Tätig­keit hilft oder stört Cara (Tina Sey­del), eine Art weib­li­ches Mons­ter: auf­dring­lich, an­stößig, dreist. Sie hat es auf den Mann ab­ge­se­hen, der sich al­ler­dings be­reits in den fes­ten Hän­den von Sa­bine (Nar­gis Ho­fer), ei­ner selbst­be­wuss­ten Dol­met­sche­rin, be­fin­det, de­ren Manko es ist, aus be­ruf­li­chen Grün­den in der Wo­che nicht an­we­send zu sein.

­Diese of­fen­kun­dige Lü­cke will Cara mit al­len ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den Tricks fül­len. Sie zieht alle Re­gis­ter weib­li­cher Ver­führungs­kunst und macht sich auf di­stanz­lose Weise in Mar­tins Wohn­zim­mer breit. Und nicht nur dort. Sie be­nutzt ganz selbst­ver­ständ­lich sein Bad, in das der Zu­schauer Ein­blick hat, er­scheint, ihre Reize be­rech­nend aus­spie­lend, nur dürf­tig mit ei­nem Hand­tuch um­wi­ckelt, vor den Au­gen des Man­nes, der sich solch un­ver­hoh­le­ner An­ma­che nur schwer­lich zu ent­zie­hen weiß. Die bei­den kom­men sich no­lens vo­lens näher, und näher kommt auch Sa­bi­ne. Der Kon­flikt der bei­den Frauen ist vor­pro­gram­miert. Man(n) steckt in der Fal­le. Wie in ei­nem Film, der sich zurückspu­len lässt, wird am heil­lo­sen Ende eine ma­ka­bre Si­tua­tion schmerz­haft oft wie­der­holt, die End­los­schleife sym­bo­li­sie­rend, in der die­ser Be­zie­hungs­schla­mas­sel fest­steckt und aus dem sich Mar­tin erup­tiv – ein we­nig Blut fließt auch – zu be­freien scheint.

­Mag es dem Stück auch an Si­tua­ti­ons­ko­mik nicht man­geln, ins­ge­samt fehlt ihm die durch­tra­gende Sub­stanz. Es bleibt eine ober­fläch­li­che Be­zie­hungs­kiste mit ver­let­zen­dem Aus­gang. Auch die Par­al­lel­hand­lung im Bad – Flucht­punkt ei­nes je­den, und schließ­lich ha­ben alle drei ein­mal ge­duscht – und die ob­li­ga­to­ri­schen La­cher aus dem Off hel­fen nur we­nig, einen dop­pel­ten Bo­den ein­zu­zie­hen. Diese Art von Ko­mik be­sitzt ein un­ter­schwel­li­gen Zy­nis­mus, eher ab­stoßend als an­zie­hend. Das zeigt sich be­son­ders am Schluss, der nicht deut­lich er­ken­nen ließ, was die bei­den Frauen dem Mann an­tun. Nur dass die Ver­letz­ten ihn ver­let­zen – wie auch im­mer – ver­deut­lichte sein marker­schüt­tern­der Schrei. Selbst wenn die schau­spie­le­ri­schen Leis­tun­gen ü­ber­zeug­ten, bleibt von die­sem Stück we­nig haf­ten.

vom 16.02.2008 | Ausgabe-Nr. 7B

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