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Zweites Detmolder Trendforum mit Peter Hahne

Abrechnung mit den 68-ern

 

Kreis Lip­pe/­Det­mold. In ei­nem pa­cken­den Vor­tag in der Det­mol­der Stadt­halle rech­net Pe­ter Hahne mit den 68-ern und der Spaß­ge­sell­schaft ab. Er er­wies sich als Meis­ter der Rhe­to­rik und Ges­tik. Der ü­ber einstün­di­ge, völ­lig frei ge­hal­tene Vor­trag des ZDF-Jour­na­lis­ten bot Zahl­rei­che Denk­an­stöße, aber zu­wei­len auch schlicht­weg gute Un­ter­hal­tung lie­ferte ZDF-Fern­sehjour­na­list Pe­ter Hahne bei ei­nem Vor­trag in der Det­mol­der Stadt­hal­le. In sei­nem ü­ber einstün­di­gen Re­fe­rat wid­mete sich der pro­mi­nente Red­ner den 68-ern und die aus sei­ner Sicht dar­aus re­sul­tie­ren­den Vor­läu­fer der Spaß­ge­sell­schaft.

Zur Ein­stim­mung blickte Hahne zurück auf sein Theo­lo­gie­stu­dium in Hei­del­berg und eine seine ers­ten Pre­dig­ten zurück: »Da saßen sie, die gan­zen Aka­de­mi­ker, Pro­fes­so­ren und Bes­ser­wis­ser, und sag­ten: Das ist ja Volks­mis­sion«, er­in­nerte er an die 68-er Zeit, in der sich ein Leh­rer den Schü­lern noch mit den Wor­ten vor­ge­stellt ha­be: »Ihr könnt Die­ter zu mir sa­gen.« Hah­nes frei ge­spro­che­ner Vor­trag ent­wi­ckelte sich zu ei­nert wort­ge­wal­ti­gen Ab­re­chung mit den 68-ern, in de­nen er die Vor­läu­fer der Spaß­ge­sell­schaft er­ken­nen will. Er kri­ti­sierte ihre Maß­lo­sig­keit, von »im­mer klei­ner wer­den­den Ku­chen das größte Stück zu ver­lan­gen.«

Vor al­lem be­klagte Hahne den durch die 68-er ver­ur­sach­ten Ver­lust an dem Be­wusst­sein für die ei­gene Iden­ti­tät – von Fa­mi­lie ü­ber Na­tio­nal­hymne bis zum Sym­bol des Kreu­zes. Die harte Re­ak­tion der Mus­lime auf die Mo­ham­med-Ka­ri­ka­tu­ren sei für ihn vor al­lem Grund zur Fra­ge: »­Was ist ei­gent­lich uns noch hei­lig? Wenn wir uns fra­gen, mer­ken wir das Va­kuum in un­se­rer Ge­sell­schaft«. Zu­gleich kon­sta­tierte Hahne ein ho­hes Maß an Ver­lo­gen­heit bei den Nach-68-ern, die abends ü­ber Mul­ti­kulti re­den und tagsü­ber ihre Kin­der in Schu­len an­mel­den wür­den, in de­nen der Aus­län­deran­teil nied­ri­ger ist.

Ein wei­te­res Sym­ptom geis­ti­ger Krise er­blickte Hahne in der zu­neh­mend »­ver­hunz­ten« Spra­che: »Da nennt sich ei­ner ›­Sa­les Ma­na­ger‹ und steht doch nur im Kauf­haus am Wühl­tisch her­um«, per­si­flierte er: »­Die­ser ganze Mist, das ist doch nur Im­po­nier­ge­habe von Wort­pan­schern. Je­der hat das Recht, zu ver­ste­hen, was in un­se­rem Land ge­sagt wird«.

Ähn­li­ches be­trach­tete er die Recht­schreibre­form, bei der aber im­mer wie­der nur in Rich­tung des un­ters­ten Ni­ve­aus re­for­miert wer­de: »Wir kön­nen keine Kom­mas mehr set­zen, also schaf­fen wir sie ab.« Je­der Aus­bil­der wisse um die Fol­gen: Keine Deutsch­kennt­nis­se, keine Re­chen­kennt­nis­se, keine All­ge­mein­bil­dung. Lei­der sei der Ver­lust an All­ge­mein­bil­dung auch bei Aka­de­mi­kern zu be­kla­gen: »Fra­gen Sie mal einen Ju­ris­ten, den Sie ken­nen, nach dem Un­ter­schied von Bun­des­tag und Bun­des­rat: Sie wer­den Ihr blaues Wun­der er­le­ben.«

»Wir müs­sen Ta­bus bre­chen«, for­derte Hah­ne: »Wir müs­sen wie­der sa­gen, dass ohne Fleiß eine Ge­sell­schaft nicht funk­tio­niert und ohne Höf­lich­keit keine Freude macht.« Und die Um­kehr sah Hahne be­reits im Gang: »Wir le­ben schon in der Trend­wen­de. Der Um­bruch ist mit Hän­den zu grei­fen.« Wenn so­gar die großen Wo­chen­ma­ga­zine Ti­tel­ge­schich­ten ü­ber die Sehn­sucht nach Wer­ten, nach Fa­mi­lie, bräch­ten, dann sei dies ein un­trüg­li­ches Zei­chen.

vom 16.02.2008 | Ausgabe-Nr. 7B

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