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Ehemaliger Schlagzeuglehrer fördert Jugendliche

Ein Musikjahr in Ecuador

Lügde (af­k). »Ich lebe hier in Gu­asmo Sur, dem Ar­men­vier­tel von Gua­ya­quil, der größten Stadt in Ecua­dor«, schreibt Le­an­der Kem­pen, der bis zum Som­mer 2010 als Schlag­zeug­leh­rer an der Mu­sik­schule Lügde un­ter­rich­te­te, in ei­ner Email. Mit dem Ju­gend­ver­band »Mu­si­ker ohne Gren­zen« war der ge­bür­tige Pyr­mon­ter im Au­gust 2010 nach Ecua­dor ge­gan­gen. Ziel des Ver­eins ist es, Kin­dern und Ju­gend­li­chen al­ler Welt die Mög­lich­keit zu ge­ben, ein Mu­sik­in­stru­ment zu er­ler­nen und mu­si­ka­lisch ak­tiv zu sein. Außer­dem sol­len mit Hilfe der Mu­sik in­ter­kul­tu­relle Be­geg­nun­gen ge­schafft wer­den.

»Es gibt nicht im­mer ge­nug Es­sen. Je­den Mit­tag gibt es Reis, mal mit Gemüse oder Sup­pe, manch­mal auch mit et­was Fleisch oder Nu­deln. Zum Du­schen gibt es nur kal­tes Was­ser und lei­der ist es häu­fig auch sehr ge­fähr­lich«, be­rich­tet Kem­pen, der in ei­ner Gast­fa­mi­lie lebt. Das war die Si­tua­tion im No­vem­ber, als eine Bür­ger­re­volte zu ei­nem Aus­nah­me­zu­stand führ­te. Of­fene Schieße­reien und Plün­de­run­gen wa­ren an der Ta­ges­ord­nung. Ju­gend­kri­mi­na­lität und Ban­denkämpfe spie­len im ecua­do­ria­ni­schen All­tag eine große Rol­le. Die Mu­sik­schule ist für die Ju­gend­li­chen al­ler­dings ein si­che­rer Ort, und eine Chan­ce, um von der Straße zu kom­men. Das ist in der 2-Mil­lio­nen-Stadt Gua­ya­quil ganz be­son­ders wich­tig, denn fast die Hälfte der Ein­woh­ner lebt un­ter ein­fachs­ten Le­ben­sumstän­den im Ar­men­vier­tel Gu­as­mo. Der All­tag dort ist ge­prägt durch or­ga­ni­sierte kri­mi­nelle Ban­den, Waf­fen­ge­walt und Dro­gen­han­del. Nur etwa 40 Pro­zent der Kin­der und Ju­gend­li­chen ha­ben ü­ber­haupt die Mög­lich­keit eine Schule zu be­su­chen.

­Zu­sam­men mit Le­an­der Kem­pen sind erst­mals drei Frei­wil­lige für ein gan­zes Jahr in Ecua­dor, um kon­ti­nu­ier­lich Mu­sik­un­ter­richt zu er­tei­len und mit den Schü­lern mög­lichst viele Kon­zerte zu spie­len. Diese Kon­zerte bie­ten nicht nur den Schü­lern ein tol­les Er­leb­nis, son­dern sor­gen mit den Ein­nah­men auch dafür, dass der Un­ter­richt wei­ter­hin kos­ten­los er­teilt wer­den kann.

Ins­ge­samt wer­den von den drei frei­wil­li­gen »Mu­si­kern ohne Gren­zen« mehr als 25 Schü­ler in der Wo­che in den Fächern Gi­tar­re, Sa­xo­phon, Gei­ge, Fa­gott, Schlag­zeug, Ge­sang, Kla­vier und Po­saune un­ter­rich­tet. Zu­dem wer­den mitt­ler­weile vier Bands, eine Per­cus­sion-Grup­pe, eine Blä­ser­gruppe und ein klas­si­sches Gi­tar­re­nen­sem­ble von den drei Deut­schen be­treut. Eng­lisch- und auch Deutsch­un­ter­richt gibt es noch da­zu.

»­Man braucht hier Geld für die ein­fachs­ten Sa­chen, wenn eine Gi­tar­ren­saite reißt, neue Schlag­zeug­sticks ge­kauft wer­den müs­sen, ein Key­board­netz­teil ka­putt geht und und und ...«, schreibt der ehe­ma­lige Lüg­der Schlag­zeug­leh­rer. Das hat sich den Vor­stand der Mu­sik­schule Lügde be­wo­gen, beim letz­ten Kon­zert der Kla­vier­schü­ler in der Grund­schule in El­brin­xen eine Spar­dose für das Pro­jekt in Gua­ya­quil auf­zu­stel­len, die von den Gäs­ten großzü­gig ge­füllt wur­de. Die Mu­sik­schule Lügde freut sich sehr darü­ber, ih­ren ehe­ma­li­gen Schlag­zeug­leh­rer und den Ver­ein un­ter­stüt­zen zu kön­nen: Stolze 250 Euro sind zu­sam­men­ge­kom­men, die den Mu­si­kern ohne Gren­zen jetzt für das Pro­jekt in Ecua­dor zur Ver­fü­gung ge­stellt wur­den.

Es hat sich ei­ni­ges in der Mu­sik­schule Lügde ver­än­dert, seit im Mai 2010 der neue Vor­stand tätig ist. Un­ter ww­w.mu­sik­schule-lueg­de.de fin­det man jetzt alle we­sent­li­chen und ak­tu­el­len In­for­ma­tio­nen. Und es gibt auch viele neue Ide­en, Pro­jekte und Ver­an­stal­tun­gen, ü­ber die der Vor­stand in der Jah­res­haupt­ver­samm­lung am 15. März um 20 Uhr in der Ca­fe­te­ria der Jo­han­nes-Gi­gas-Schule in Lügde in­for­mie­ren wird. Alle Mit­glie­der und För­de­rer der Mu­sik­schule Lügde sind herz­lich ein­ge­la­den.

vom 12.03.2011 | Ausgabe-Nr. 10B

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