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Serie: Instrumente, die aus dem Rahmen fallen

Alphorn – eine Trompete aus Holz

Bad Sal­zu­flen (as). Man­fred Mau­rischat gehört zu den ganz we­ni­gen Mu­si­kern, de­nen es ge­lun­gen ist, dem In­stru­ment den Cha­rak­ter des Ku­rio­sen zu neh­men und es zu ei­nem künst­le­ri­schen Aus­drucks­mit­tel ei­ge­ner Art zu ma­chen.

Das Alphorn, das in eu­ropäi­schen und auße­r­eu­ropäi­schen Ge­birgs­län­dern vor­kommt, ist ein vor al­lem in der Schweiz an­zu­tref­fen­des Blas­in­stru­ment. Es be­steht aus ei­nem etwa 2 bis 4 Me­ter lan­gen, sich nach vorn leicht öff­nen­den Rohr aus Tan­nen­holz. Der Schall­trich­ter wird in zwei Hälf­ten aus ei­nem mas­si­ven Klotz in Hand­ar­beit

her­aus­ge­stemmt. Da­ne­ben gibt es auch Al­phör­ner aus Fi­ber­glas, die te­le­sko­par­tig zu­sam­men ge­scho­ben wer­den kön­nen.

­Die Tech­nik der Rohr­her­stel­lung aus Holz ist ur­alt. Früher bau­ten die Hir­ten ihre Hör­ner selbst, um sich ü­ber weite Di­stan­zen zu ver­stän­di­gen, Alarm zu schla­gen und ihre Her­den zu­sam­men­zu­ru­fen. Die akus­ti­sche Reich­weite be­trägt, je nach Land­schafts­form, bis zu 10 Ki­lo­me­tern. Heute gibt es ei­nige spe­zia­li­sierte In­stru­men­ten­bau­er, die in Hand­ar­beit in zirka 80 Ar­beits­stun­den ein In­stru­ment her­stel­len.

Das Alp­horn gehört auf­grund sei­ner An­blas­tech­nik zu den Blech­blas­in­stru­men­ten, ob­wohl es aus Holz ge­fer­tigt wird. Mit Mund­stü­cken aus Holz oder Me­tall und de­ren un­ter­schied­li­chen An­sprech­ver­hal­ten wer­den die Töne in ver­schie­de­nen Klang­far­ben und In­ten­sitäten er­zeug­t.

Da das In­stru­ment keine Ven­tile be­sitzt, ist es auf die Ober­ton­reihe be­schränkt, das Me­lo­die­gut be­steht da­her aus Na­tur­tö­nen. So gibt es nur we­nige klas­si­sche Kom­po­si­tio­nen für Alphorn. Die be­kann­teste da­von ist die »S­in­fo­nia pas­to­rel­la« für Alp­horn und Strei­cher in G-Dur von Leo­pold Mo­zar­t.

In der Schweiz er­freut sich heute das Alp­horn als Na­tio­nal­sym­bol ei­ner zu­neh­men­den Be­liebt­heit. Auf­grund sei­nes cha­rak­te­ris­ti­schen Klan­ges hört man das In­stru­ment wie­der häu­fi­ger bei Folk­lo­re­ver­an­stal­tun­gen und in Pro­duk­tio­nen mit Grup­pen und So­lis­ten volks­tüm­li­cher Mu­si­k.

­Der Bad Sal­zu­fler Man­fred Mau­rischat gibt seit Jah­ren Kon­zerte mit Alp­horn in ganz un­ter­schied­li­chen Be­set­zun­gen, un­ter an­de­rem mit Or­gel oder Har­fe. Ei­nige Kom­po­nis­ten ha­ben für ihn Werke mit bis zu 16 Tö­nen ge­schrie­ben. Tra­di­tio­nell wer­den nur 12 bis 13 Ober­tö­ne, im

Vio­lin­schlüs­sel, in C no­tiert, ge­bla­sen.

­Mau­rischat kon­stru­iert und baut sich selbst Ad­ap­ter aus Holz oder Me­tall, um den Klang der je­wei­li­gen Mu­sik an­zu­pas­sen, denn die mit­ge­lie­fer­ten Mund­stü­cke wer­den ü­ber­wie­gend für volks­tüm­li­che Mu­sik ge­baut. Oh­ne­hin liebt er das Ex­pe­ri­men­tie­ren mit dem In­stru­ment. So pro­du­ziert er zum Bei­spiel mit Flü­gel­horn- oder Wald­horn­mund­stü­cken Alphorntö­ne, die man in den Schwei­zer Ber­gen ver­ge­bens sucht.

vom 05.01.2011 | Ausgabe-Nr. 1A

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