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LA-Leser entdeckt Filmausschnitt in DVD-Edition »Mein Lippe«

Erinnerungen an Phantom-Absturz

 

La­ge/­Kreis Lip­pe. Es sind nur we­nige Mi­nu­ten Film­ma­te­rial in der neuen DVD-Samm­lung »­Mein Lip­pe«, doch bei Dirk Wulf­küh­ler aus Lage ru­fen sie viele Er­in­ne­run­gen wach. Die Filme zei­gen Flam­men, Po­li­zis­ten und Bun­des­wehr­sol­da­ten er­rich­ten Ab­sper­run­gen. Der Film zeigt auch ein zer­stör­tes Wohn­haus. Es ist das Haus der Fa­mi­lie Wulf­küh­ler in Lage-Ha­gen an der Wel­len­hei­der Straße, das am 18. Juni 1979 durch den Ab­sturz ei­ner Bun­des­wehr­ma­schine vom Typ Phan­tom zer­stört wur­de. Es sind die wohl ein­zi­gen Film­auf­nah­men von die­sem Un­glück, bei dem sie­ben Men­schen ihr Le­ben ver­lo­ren.

»Als ich die Filme sah, da kam al­les wie­der hoch­«, er­in­nert sich der 49jäh­ri­ge. Fa­mi­lie Wulf­küh­ler wohnt in ei­nem Bun­ga­low, di­rekt da­ne­ben steht das Mehr­fa­mi­li­en­haus, das da­mals zer­stört wur­de. Dirk Wulf­küh­ler war 1979 18 Jahre alt. Am Un­glücks­tag kam er mit dem Fahr­rad nach Hau­se. »­Mein Opa sagte mir, ich solle Ra­sen­mähen vor dem Haus un­se­rer Mie­ter – doch ich hatte keine Lust.« Dirk Wulf­küh­ler ging statt­des­sen in den Kel­ler sei­nes El­tern­hau­ses. »Ich war ge­rade un­ten, als es un­glaub­lich laut knallte und alle Fens­ter ka­putt gin­gen.« Der da­mals 18jäh­rige schaute aus dem Fens­ter und blickte in ein Flam­men­meer. Wo bis vor we­ni­gen Se­kun­den ne­benan ein Wohn­haus stand, war jetzt nichts mehr. Es gab nur noch Trüm­mer. »­Was da­nach ge­sch­ah, weiß ich nicht mehr so ge­nau. Ich kann mich nur er­in­nern, dass ich in dem Schock ein Foto ge­macht ha­be.« Den Groß­alarm von Feu­er­wehr, Bun­des­wehr und Po­li­zei durch­lebte Dirk Wulf­küh­ler wie im Tran­ce.

Der La­gen­ser hat un­glaub­li­ches Glück ge­habt. Hätte er an die­sem Som­mer­tag Ra­sen gemäht, würde er heute nicht mehr le­ben. Die Be­sat­zung des Phan­tom-Jä­gers und fünf Be­woh­ner des Wohn­hau­ses fan­den den Tod. »Das Un­glück ver­gisst man nicht«, erzählt der 49jäh­ri­ge. Umso mehr in­ter­es­siert sich Wulf­köh­ler für die Film­auf­nah­men, die er in der DVD-Edi­tion »­Mein Lip­pe« ent­deckt hat. »Ich möchte gerne Kon­takt zu dem Ka­me­ra­mann auf­neh­men, denn er hat einen wich­ti­gen Tag in mei­nem Le­ben ge­film­t«, wen­dete er sich fra­gend an an die LA-Re­dak­tion.

Rü­di­ger Trö­der ist der Ka­me­ra­mann, der sei­nen Film Lippe ak­tu­ell zur Ver­fü­gung ge­stellt hat, da­mit die Auf­nah­men Teil der fil­mi­schen Zeit­reise wer­den konn­ten. Der heute 73jäh­rige eilte zum Un­fall­ort, er wohnte nur we­nige Ki­lo­me­ter ent­fernt: »Ich habe mich durch die Ab­sper­run­gen ge­schli­chen, um die Bil­der mit mei­ner Su­per-Acht-Ka­mera zu ma­chen.« Trö­der, der heute in Blom­berg lebt, stellt sei­nen Film der Fa­mi­lie Wulf­küh­ler gerne zur Ver­fü­gung: »­Der Tag gehört ja zu sei­nem Le­ben da­zu.« Zum Volks­trau­er­trag wird am Ge­denk­stein des Ab­stur­zes, auf dem Ge­mein­de­fried­hof, je­des Jahr ein Kranz nie­der­ge­legt. Dirk Wulf­küh­ler und Rü­di­ger Trö­der ver­bin­det die Er­in­ne­rung an ein Un­glück. Mit Hilfe der Fil­me­di­tion »­Mein Lip­pe« fan­den sie zu­sam­men. Es ist ein Stück Ge­schichte des Lip­per­lan­des und Teil der größten Film­samm­lung aus Lip­pe. Das Un­glück in Lage-Ha­den bleibt un­ver­ges­sen. Für im­mer ver­ewigt in der Film-Edi­tion.

vom 13.11.2010 | Ausgabe-Nr. 45B

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