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Über 100 Lipper bei den Anti-Atomkraftdemonstrationen in Dannenberg

Der Protest wird immer massiver

 

Mit dem »Schnell­schuss« der Lauf­zeit­ver­län­ge­rung ge­gen den mehr­heit­li­chen Wil­len der im Bun­des­rat­ver­tre­te­nen Län­dera­b­ord­nun­gen de­mons­triere die Bun­des­re­gie­rung ihre Hilf­lo­sig­keit in der Um­welt­po­li­tik. Ob­wohl die Mög­lich­kei­ten ei­ner End­la­ge­rung des Atom­mülls wis­sen­schafft­lich noch nicht un­ter­mau­ert sei, be­schließe man auf lange Sicht wei­te­ren Mülll zu pro­du­zie­ren, statt den be­reits be­schlos­se­nen Aus­stieg aus der Atom­po­li­tik um­zu­set­zen. Die enorme Zahl der fried­li­chen De­mons­tran­ten habe be­wie­sen, dass die Bür­ger mit die­ser po­li­ti­schen Ent­schei­dung nicht ein­ver­stan­den sei­en, so die Or­ga­ni­sa­to­ren.

Die Lip­per de­mons­trier­ten am Sonn­tag bei ei­ner Groß­kund­ge­bung in Dan­nen­berg in Sicht­weite des Ver­la­de­krans, wo die Cas­tor-Trans­porte am Wo­chen­ende vom Zug auf LKW um­ge­la­den wer­den soll­ten. Durch Pro­teste an der franzö­si­schen Grenze und an an­de­ren Or­ten er­reichte der bri­sante Müll­trans­port das Ziel in Dan­nen­berg al­ler­dings erst am Mon­tag. Zu den Höhe­punk­ten gehörte die Rede des Vor­sit­zen­den von Green­pe­ace-In­ter­na­tio­nal, Kumi Nai­doo. Der 45-jäh­rige Süd­afri­ka­ner lobte die ge­walt­freien Pro­teste ge­gen Atom­kraft, die in der gan­zen Welt un­ter­stützt wer­den. »­Gor­le­ben ist weit ü­ber Deutsch­land hin­aus das Sym­bol für eine un­ver­ant­wort­li­che Ener­gie­po­li­tik und für einen ebenso kraft­vol­len wie fried­fer­ti­gen Wi­der­stand ge­gen Atom­kraft«, sagte Kumi Nai­doo in Dan­nen­berg. »Auf der gan­zen Welt gibt es keine Lö­sung für die End­la­ge­rung hoch­ra­dio­ak­ti­ven Atom­mülls.« Und auch Gor­le­ben sei denk­bar un­ge­eig­net.

Etwa 30.000 Per­so­nen de­mons­trier­ten auf dem ab­ge­ern­te­ten Mai­sacker. »Es war ein be­ein­dru­cken­der An­blick mit den bun­ten Fah­nen, Bal­lons und Trans­pa­ren­ten«, so ein Teil­neh­mer aus Lip­pe. Men­schen al­ler Al­ters­grup­pen und aus al­len ge­sell­schaft­li­chen Schich­ten wa­ren ver­tre­ten, um ih­rer Empörung ü­ber die Atom­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung Luft zu ma­chen. Den­noch kam es während der Ver­an­stal­tung zu kei­ner­lei Störun­gen oder ge­walt­täti­gen Zwi­schen­fäl­len.

We­nig Ver­ständ­nis zeig­ten die lip­pi­schen De­mons­tran­ten für das Ver­hal­ten der Po­li­zei. Während der gan­zen Zeit ü­ber­flo­gen zwei Hub­schrau­ber die Kund­ge­bung. Am Ende sam­mel­ten sich voll aus­gerüs­tete und be­waff­nete Po­li­zei­mann­schaf­ten auf den Zu­fahrts­we­gen und ver­sperr­ten den Men­schen, die zu ih­ren Bus­sen zurück­keh­ren woll­ten, den Weg. Fried­li­che De­mons­tran­ten wur­den ge­filmt und fo­to­gra­fiert. Das emp­fan­den viele als völ­lig un­nötige Macht­de­mons­tra­tion und Pro­vo­ka­tion. Schließ­lich habe man sich deut­lich von Kra­wal­lak­tio­nen ei­ni­ger Au­to­no­mer di­stan­ziert.

Elke Wit­tek von den Det­mol­der Grü­nen: »Wir sind nach Dan­nen­berg ge­fah­ren, um un­ser Recht auf Mei­nungs­frei­heit wahr­zu­neh­men. Das ist we­der un­red­lich noch kri­mi­nell. Das ist ge­lebte De­mo­kra­tie - auch wenn der Bun­des­re­gie­rung diese mas­si­ven Pro­teste nicht ge­fal­len.« Ge­gen 22 Uhr wa­ren dann alle Teil­neh­mer zwar mü­de, aber wohl­be­hal­ten wie­der in Lip­pe. »Erst die Men­schen­kette im April von Krüm­mel nach Bruns­büt­tel, dann im Sep­tem­ber nach Ber­lin, jetzt Dan­nen­berg - viel­leicht be­wir­ken wir ja doch end­lich et­was«, resü­mierte In­grid Koch, Ge­schäfts­füh­re­rin des Kreis­ver­ban­des Bünd­nis 90/ Die Grü­nen.

vom 10.11.2010 | Ausgabe-Nr. 45A

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