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Lesung mit Katrin Hummel: »Gute Nacht, Liebster«

Der Weg des Vergessens

Det­mold (js). »­De­menz«, das ist ein Thema ü­ber das nicht gerne ge­spro­chen wird. Doch mehr und mehr rückt es seit Jah­ren in das Be­wusst­sein der Men­schen.

­Die Au­to­rin Ka­trin Hum­mel hat das Schwei­gen ge­bro­chen und sich in ih­rem Ro­man »­Gute Nacht Liebs­ter« dem Thema De­menz-Er­kran­kung an­ge­nom­men. In ih­rem Buch, das 2008 so­gar auf der Ta­schen­buch-Best­sel­ler­liste ver­tre­ten war, erzählt sie die wahre Ge­schichte von Hans und Hilda Doh­men. Sie be­schreibt, aus Sicht von Hilda, wie diese zu­se­hen muss, wie ihr ge­lieb­ter Mann Hans sich Schritt für Schritt psy­chisch aus dem ge­mein­sa­men Le­ben ent­fernt. Dass die Au­to­rin das Thema in ih­rem Ro­man auf­ge­grif­fen hat, kommt nicht von un­ge­fähr. Denn bei dem Ehe­paar Doh­men han­delt es sich um ihre El­tern. Nur die Na­men wur­den geän­der­t.

­Gut 250 Gäste wa­ren der Ein­la­dung des Ro­tary-Clubs Det­mold-Blom­berg ins Som­mer­thea­ter ge­folgt, um an die­sem Le­sungs­kon­zert teil­zu­neh­men.

»Ich lese eine wahre Ge­schichte – die mei­ner El­tern«, be­ginnt die Au­to­rin ihre Le­sung. Vier Sze­nen hat Ka­trin Hum­mel ge­wählt, die sie aus ih­rem Ro­man vor­trägt. Da­bei be­schränkt sie sich le­dig­lich auf den ers­ten Teil des Bu­ches. »Es gibt Din­ge, die gehören nicht laut vor­ge­tra­gen«, er­klärt Prof. Dr. Joa­chim Thal­mann, Prä­si­dent des Ro­tary-Clubs Det­mold-Blom­berg, zu An­fang. Im ers­ten Ab­schnitt der Le­sung be­schreibt die 42-Jäh­rige mit sanf­ter, lie­be­vol­ler Stim­me, wie sich Hans und Hilda Doh­men vor mehr als ei­nem hal­ben Jahr­hun­dert ken­nen- und lie­ben ge­lernt ha­ben. Es folgt ein Sprung zu den An­fän­gen der De­menz-Er­kran­kung und dem wei­te­ren Fort­schrei­ten des »­Ver­ges­sens«. Auf ein­fühl­same Art be­schreibt Ka­trin Hum­mel, wie ihre Mut­ter fortan mit dem ihr im­mer mehr fremd wer­den­den Men­schen, ih­rem ge­lieb­ten Mann, um­zu­ge­hen lernt.

Um­rahmt wurde die Le­sung mit Kla­vier­mu­sik aus der Fe­der von Ro­bert Schu­mann, ge­spielt von dem in­ter­na­tio­nal re­nom­mier­ten Pia­nis­ten Prof. Ma­tit­jahu Kel­lig. Mit Stü­cken aus dem Zy­klus »Kin­ders­ze­nen« rea­gierte er zwi­schen den vor­ge­tra­ge­nen Pas­sa­gen auf das Ge­le­se­ne. Die ro­man­ti­schen Stü­cke »erin­nern« an die ei­gene Kind­heit. Und um das »Erin­nern« ging es an die­sem Abend. Denn die Er­in­ne­rung ist das was bleib­t.

­Der Er­lös des Abends geht zu­guns­ten des Am­bu­lan­ten Hos­piz- und Pal­lia­tiv Be­ra­tungs­diens­tes Lip­pe.

vom 06.10.2010 | Ausgabe-Nr. 40A

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