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Stadtwerke-Geschäftsführer Detlef Masny wird in den Ruhestand verabschiedet

»Ich gehe mit einem guten Gefühl«

 

Det­mold (ts). Fast 30 Jahre lang hat Det­lef Masny als Ge­schäfts­füh­rer der Stadt­werke GmbH die Ver­sor­gung der Det­mol­der Be­völ­ke­rung mit Was­ser und Ener­gie ent­schei­dend mit­ge­prägt. Am kom­men­den Frei­tag wird der Di­plom-Volks­wirt, des­sen Name mit ei­ner Viel­zahl von stra­te­gi­schen Ent­schei­dun­gen und Ent­wick­lun­gen ver­bun­den ist, in den Ru­he­stand ver­ab­schie­det.

Gleich zu Be­ginn sei­ner Tätig­keit als Ge­schäfts­füh­rer der Det­mol­der Stadt­werke be­gann Masny da­mit, die Ver­sor­gungs­spar­ten Erd­gas, Was­ser und Flüs­sig­gas aus­zu­bauen und zu­sätz­li­che Was­ser­ge­win­nungs­an­la­gen zu bau­en, so dass heute 100 Pro­zent des benötig­ten Was­sers selbst er­zeugt wer­den. Schon früh stellte Masny die Wei­chen, mit Block­heiz­kraft­wer­ken ei­ge­nen Strom und Fern­wärme zu er­zeu­gen und so auch zum Ener­gie­pro­du­zen­ten zu wer­den. In seine Amts­zeit fällt der Bau des Frei­zeit­ba­des »Aqua­lip«, das 1992 in Be­trieb ging und ei­ner Wind­kraft­an­lage mit 1,5 Me­ga­watt Leis­tung. Darü­ber hin­aus sah er sich mit zahl­rei­chen Her­aus­for­de­run­gen wie Ener­gie­kri­sen, der zu­neh­men­den Glo­ba­li­sie­rung der Ener­giemärkte und der Li­be­ra­li­sie­rung des deut­schen Ener­gie­mark­tes kon­fron­tiert, die ein ganz neue Aus­rich­tung der Un­ter­neh­mens­stra­te­gie er­for­der­lich mach­ten. Das High­light sei­ner Tätig­keit in Det­mold – zu­vor war der 1944 in Bres­lau ge­bo­rene drei­fa­che Fa­mi­li­en­va­ter für Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men in Stutt­gart, Ham­burg und Salz­git­ter be­schäf­tigt ge­we­sen – war nach ei­ge­ner Ein­schät­zung aber die Ü­ber­nahme des Strom­net­zes vom da­ma­li­gen Re­gio­nal­ver­sor­ger We­ser­tal.

»­Die­ser Pro­zess hat mich län­ger als ein Jahr­zehnt be­schäf­tig­t«, er­in­nert sich Mas­ny. Aus sei­ner Ü­ber­zeu­gung, die von Det­mol­der Po­li­ti­kern al­ler Frak­tio­nen un­ter­stützt wor­den sei, ist der wirt­schaft­li­che Be­trieb der Stadt­wer­ke, ein Toch­ter­un­ter­neh­men der Stadt an dem die Ener­gie­kon­zerne RWE und E.ON mit je­weils 12,45 Pro­zent be­tei­ligt sind, nur mit ei­ge­nen Net­zen mög­lich. Be­son­dere Bri­sanz habe die lange Aus­ein­an­der­set­zung ü­ber den Wert des Strom­net­zes und an­dere ver­trag­li­che Pa­ra­me­ter da­durch ge­habt, dass man die Ver­sor­gungs­lei­tun­gen nicht ei­nem der vier deut­schen Ener­gie­rie­sen son­dern ei­nem re­gio­na­len Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, das sich zu 46 Pro­zent im Be­sitz des Krei­ses Lippe be­fand, ab­trot­zen muss­te.

»Ein zu­neh­mend wich­ti­ges Thema ist der Kli­ma­schutz. Vor­aus­set­zung ist auch hier, dass wir als Stadt­werke mit ei­ge­nen Net­zen eine Quer­ver­bund als Strom-, Gas- und Wär­mean­bie­ter bil­den.« Nach sei­ner Ein­schät­zung wird die Kraft-Wärme-Kopp­lung in Det­mold wei­ter wach­sen, al­ler­dings könne man nicht er­war­ten, un­ab­hän­gig von Welt­markt­prei­sen zu wer­den. »­Die Strom und Gas wer­den zukünf­tig eher teu­rer als bil­li­ger wer­den«, pro­gno­s­ti­ziert Mas­ny, der zahl­rei­che Ne­ben- und Eh­ren­äm­ter, un­ter an­de­rem als Ge­schäfts­füh­rer der Det­Con GmbH, Auf­sichts­rat der Stadt­werke Zeitz und Ob­mann der Ar­beits­ge­mein­schaft Gas­be­zie­her West­fa­len inne hat­te. So habe es nach der Li­be­ra­li­sie­rung des Strom­mark­tes we­gen der da­ma­li­gen Kraft­werksü­ber­ka­pa­zitäten zwar einen Preis­rück­gang ge­ge­ben, die­ser sei mitt­ler­weile aber wie­der auf­ge­zehrt wor­den, weil die vier großen Ener­gie­er­zeu­ger als Oli­go­pol des Strom­han­del be­herrsch­ten und außer­dem die Strom­nach­frage ge­wach­sen sei. Auch der Atomaus­stieg und die An­for­de­run­gen des Kli­ma­schut­zes ver­teu­er­ten den Strom. Beim an den Öl­preis ge­kop­pel­ten Gas­preis sei vor al­lem der große Ener­gie­hun­ger der stark wach­sen­den asia­ti­schen Län­der Aus­lö­ser der Preis­s­tei­ge­rung. Die­sen Ent­wick­lun­gen ver­su­chen die Stadt­werke vor al­lem durch Ko­ope­ra­tio­nen mit an­de­ren Stadt­wer­ken und eine geän­derte Be­schaf­fungs­struk­tur ent­ge­gen zu wir­ken. Wech­sel­wil­lige Strom- und Gas­kun­den wol­len die Stadt­werke mit güns­ti­gen An­ge­bo­ten wie dem »On­line-Bo­nus« an sich bin­den. Ins­ge­samt sieht Mas­ny, der sich gerne als Hobby-Geo­graph be­zeich­net, die Det­mol­der Stadt­werke für die Zu­kunft gut auf­ge­stellt. Bei der Kun­den­zu­frie­den­heit und beim An­se­hen stehe man deut­lich bes­ser da als die großen Ener­gie­ver­sor­ger, außer­dem könne man auf ein ü­ber­durch­schnitt­li­ches Wirt­schaft­s­er­geb­nis ver­wei­sen. »Ich gehe mit ei­nem gu­ten Ge­fühl, weil ich mei­nem Nach­fol­ger ein ge­sun­des Un­ter­neh­men mit ei­nem tol­len Mit­ar­bei­ter­team und gu­ter in­ter­ner Kom­mu­ni­ka­tion ü­ber­ge­be«, sagte Mas­ny.

In sei­nem Ru­he­stand möchte er sich ver­stärkt sei­ner Fa­mi­lie wid­men. Außer­dem kann er sich vor­stel­len, seine be­ruf­li­che Er­fah­rung und sein In­ter­esse für Geo­gra­phie zu ver­bin­den und sich eh­ren­amt­lich für Ener­gie­pro­jekte in Afrika und Asien zu en­ga­gie­ren.

vom 26.01.2008 | Ausgabe-Nr. 4B

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