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Der in Oerlinghausen tätige Marek Radke stellte Schülerarbeiten in Polen aus

Kunst aus dem Unterricht zum Festival

Oer­ling­hau­sen (k­d). Sie sind ex­trem far­ben­froh, re­gen die Phan­ta­sie an und strah­len aus­ge­spro­chen viel Fröh­lich­keit aus – lau­ter klei­ne, fremd­ar­tige Ob­jek­te. Oer­ling­hau­ser Schü­ler ha­ben eine Viel­zahl von ih­nen ge­schaf­fen. Den An­stoß dazu gab der Künst­ler Ma­rek Rad­ke. Jetzt gin­gen die Werke so­gar auf die Reise zum Kunst­fes­ti­val »­Ex­pe­ri­ment« in der pol­ni­schen Stadt Zbas­zyn.

»­Mit ei­nem so großen In­ter­esse habe ich nicht ge­rech­net«, räumte Radke ein. Der frei­schaf­fende Künst­ler lebt und ar­bei­tet in Oer­ling­hau­sen und un­ter­rich­tete in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch am Ni­klas-Luh­mann-Gym­na­sium so­wie an der Heinz-Siel­mann-Schu­le. Mit sei­ner An­re­gung, Ob­jekte aus ei­ner un­be­kann­ten Welt her­zu­stel­len, rannte er bei den Schü­lern of­fene Türen ein. »­Sie ent­wi­ckel­ten un­glaub­lich viel Krea­ti­vität«, be­rich­tete er. »Als ob sie nur dar­auf ge­war­tet hät­ten.«

Aus Plas­tik­fla­schen, Do­sen, Pa­pi­er­rol­len und Ver­pa­ckungs­ma­te­rial ent­stan­den die selt­sams­ten Ge­genstände in leb­haf­ten For­men, die ent­fernt an Teile von Raum­schif­fen er­in­nern. Die quietsch­bun­ten Far­ben ver­stär­ken noch den wahr­haft »außer­ir­di­schen« Ein­druck.

­Die wich­tigste Vor­gabe lau­tete ja: Al­les Rea­lis­ti­sche soll ver­mie­den wer­den. Die Ob­jekte sol­len ei­ner Sphäre ent­stam­men, »in der wir noch nie wa­ren.« Ei­ni­gen Ju­gend­li­chen fiel das freie Ar­bei­ten sicht­lich schwer. Ein Mäd­chen stöhn­te: »Das kann ich doch nicht!« Als sie sich dann hil­fe­su­chend an Radke wand­te, konnte er nur noch den Rat ge­ben: »Auf kei­nen Fall wei­ter­ma­chen, denn Dein Kunst­werk ist doch schon per­fek­t.« Am Ende der Un­ter­richts­reihe bil­dete der Kuns­t­raum dann ein ei­ge­nes Uni­ver­sum vol­ler fremd­ar­ti­ger Ob­jek­te. Ma­rek Radke be­wahrte sie bis­lang in sei­nem Ate­lier im Ce­weco-Ge­bäude auf. Beim 10. Fes­ti­val »­Ex­pe­ri­ment« in Zbas­zyn, das vor kur­zem en­de­te, stan­den die Schü­ler­ar­bei­ten noch ein­mal im Mit­tel­punkt ei­ner großen Öf­fent­lich­keit. Ne­ben vie­len an­de­ren Ar­bei­ten von we­ni­ger be­kann­ten und von Spit­zenkünst­lern wur­den die Ob­jekte aus Oer­ling­hau­sen er­neut aus­ge­stell­t.

»­Die­ses Fes­ti­val ist ein­zig­ar­tig«, schwärmte Rad­ke. »In dem Ort mit 7.500 Ein­woh­nern dreht sich eine Wo­che lang von mor­gens früh bis nachts al­les nur um Kunst – vom ex­pe­ri­men­tel­len Thea­ter ü­ber Aus­stel­lun­gen und Per­for­man­ces bis hin zu Kon­zer­ten.« Leer ste­hende In­dus­trie­ge­bäude wür­den für In­stal­la­tio­nen ge­nutzt, das Hei­mat­mu­seum werde kom­plett für mo­derne Kunst geräumt, und die Ba­rock­kir­che des Or­tes werde zum Thea­ter­saal. In Knei­pen und auf dem Markt­platz höre man spon­tane Kon­zer­te.

­Die Ein­woh­ner seien be­geis­tert, dass ihre Stadt ne­ben den Zen­tren Kra­kau und War­schau eine so große Be­deu­tung für die Kunst ge­won­nen ha­be. Un­zäh­lige Frei­wil­lige hel­fen eh­ren­amt­lich bei der Or­ga­ni­sa­tion mit. Und für die rund 150 Künst­ler sei es eine großar­tige Ge­le­gen­heit, sich be­kannt zu ma­chen. »Für viele wurde das Fes­ti­val schon zum Sprung­brett für eine in­ter­na­tio­nale Kar­rie­re«, sagte Ma­rek Rad­ke. »­Gleich­zei­tig herrscht eine so tolle At­mo­s­phäre, dass viele an­sch­ließend gar nicht mehr nach Hause wol­len. Ich kenne einen Ame­ri­ka­ner, den es 2008 nach Zbas­zyn ver­schlug und der seit­her in Po­len ge­blie­ben ist.« Für Ma­rek Rad­ke, der1952 in Ol­sz­tyn ge­bo­ren wur­de, ist Oer­ling­hau­sen in­zwi­schen zum künst­le­ri­schen Mit­tel­punkt ge­wor­den. »­Der wich­tigste Platz ist mein Ate­lier«, sagte er. Nach dem Stu­dium in Dan­zig und Po­sen malte er zunächst Bil­der mit po­li­ti­scher Aus­sa­ge. Ü­ber Finn­land, Schwe­den und Groß­bri­tan­nien ge­langte er nach Deutsch­land und stellte 2003 zum ers­ten Mal im Oer­ling­hau­ser Kunst­ver­ein aus. Kri­ti­ker rech­nen ihn dem Kon­struk­ti­vis­mus zu. »Im Kern trifft das si­cher zu, das ist mein An­fang«, bestätigte Rad­ke. Doch die Welt der geo­me­tri­schen Li­nien und For­men hat er längst ver­las­sen. So ex­pe­ri­men­tierte er mit fluo­res­zie­ren­den Far­ben und mit Gra­phit, wid­mete sich der Pho­to­gra­phie und nutzt so­gar das In­ter­net für die Er­stel­lung von Bil­dern. »Ich su­che stän­dig neue Her­aus­for­de­run­gen«, stellte er fest. »Es darf nicht lang­wei­lig wer­den. Wich­tig ist mir, kon­se­quent zu ar­bei­ten.«

In Zbas­zyn gab es eben­falls eine Fort­set­zung, denn Ma­rek Radke ar­bei­tete während des Fes­ti­vals er­neut mit Schü­lern, wie­derum mit der­sel­ben Vor­ga­be. »Viel­leicht kön­nen wir die Er­geb­nisse ja mal in Oer­ling­hau­sen zei­gen.«

vom 31.07.2010 | Ausgabe-Nr. 31B

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