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» Lemgo
Bei »Himmel in Sicht« wurde der Lemgoer Marktplatz zur Bühne
Maskentheater der leisen Töne
Lemgo (as). »Man hat weniger Illusionen, die Erwartungen werden geringer, aber die Hoffnung, dass es weiter geht, habe ich immer«! Vor dem Hintergrund dieses Statements eines älteren Menschen wurde der Marktplatz in Lemgo zur Bühne. Zum Abschluss des Lemgoer Sommertreffs 2010 spielte die Gruppe TheatreFragile mit dem Stück »Himmel in Sicht«, inspiriert von Ernest Hemingways Novelle »Der alte Mann und das Meer«, eine Hommage an die letzte Lebensphase, welche die Menschen heute oft aus ihrem Bewusstsein verdrängen.
Die Compagnie TheatreFragile wird geleitet von Luzie Ackers und Marianne Cornil. Das deutsch-französische Duo hat eine eigene Form des Open-Air-Maskentheaters entwickelt. In ihren Produktionen verknüpfen sie darstellende und bildende Kunst zu einer Kombination aus Performance und begehbarer Installation. In dieser Pantomime, hier mit Maske, Gesten und Gebärden, begibt sich ein alter Fischer auf seine große Reise – vielleicht auch seine letzte Reise, auf der er Himmelsboten und Menschenmeere trifft. Das Publikum wird in diese Inszenierung einbezogen – eine Inszenierung im Rahmen eines großartigen natürlichen Bühnenbildes: dem Lemgoer Marktplatz mit neuer Bepflasterung, umgeben von schönen alten Häusern. Eine wunderschöne Kulisse!
Der Alte in seinem Boot kämpft mit den Naturgewalten, dem Wind, den Wellen und einem großen alten Fisch. Auch wenn seine äußere Kraft schwindet, sein Inneres entfaltet ganz andere Kräfte. Der Himmel in Sicht: Stimmen von Menschen aus dem Off, die schon sehr lange leben, berichten über die Malaisen im Alter, passend zu der Geschichte des alten Fischers, der als »epische Metapher für das Leben selbst« (Philip Young) steht. Am Ende der Inszenierung war das Publikum eingeladen in einer Installation zu verweilen, Texte zu lesen, Interviews zu hören, Bilder zu sehen, einen Kaffee zu trinken und sich vielleicht ein wenig mit dem alten Fischer zu unterhalten. TheatreFragile setzt mit seiner Kunst des Maskentheaters auf leise Töne, das kurze Innehalten, auf sensibles Zuhören und Zusehen. Der Zuschauer wird Zeuge einer inneren wie äußeren Auseinandersetzung mit dem Alter, ein gern verdrängtes Thema, gut dargestellt von den jungen Frauen des TheatreFragile.
vom 31.07.2010 | Ausgabe-Nr. 31B


