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» Bad Salzuflen

Staatssekretär Günter Winands spricht im Kurhaus

Pro und Contra Gesamtschule

 

Bad Sal­zu­flen (m­h). Das Thema »­Ge­samt­schule für Bad Sal­zu­flen?« lockte am Diens­tag­abend rund 150 Bür­ger ins Kur­haus. El­tern, Po­li­ti­ker ver­schie­de­ner Par­tei­en, Leh­rer und an­dere In­ter­es­sierte wa­ren der Ein­la­dung der CDU zu ei­ner In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung ge­folgt. Staats­se­kretär Gün­ter Win­ands vom Lan­des­mi­nis­te­rium für Schule und Wei­ter­bil­dung re­fe­rierte ü­ber die Si­tua­tion der Schu­len all­ge­mein und die der Ge­samt­schu­len im Be­son­de­ren.

Hin­ter­grund für den In­for­ma­ti­ons­abend war eine Be­darfs­er­mitt­lung, die An­fang Fe­bruar durch­ge­führt wer­den soll. Alle El­tern von Zweit- und Dritt­kläss­lern be­kom­men dann Post von der Stadt. In ei­nem Fra­ge­bo­gen sol­len sie sich äußern, ob sie ihr Kind zu ei­ner Ge­samt­schule in Bad Sal­zu­flen schi­cken wür­den, wenn es eine gä­be.

»­Die Ü­ber­le­gun­gen zu ei­ner Ge­samt­schule hin wer­fen viele Fra­gen auf­«, sagte CDU-Stadt­ver­bands­vor­sit­zen­der Vol­ker Heu­win­kel in sei­ner Be­grüßung. »Könnte eine Ge­samt­schule hier als Ganz­tags­schule ge­führt wer­den? Gibt es wirk­lich das Ab­itur für al­le? Müsste für eine Ge­samt­schule ei­nes der Schul­zen­tren wei­chen? – Das sind nur ei­nige da­von.«

­Der Vor­trag des Staats­se­kretärs be­fasste sich mit der vor­aus­sicht­li­chen Ent­wick­lung der Schü­ler­zah­len und der Not­wen­dig­keit, mehr Schu­len im Ganz­tags­be­trieb zu führen. »Früher durfte nur die Ge­samt­schule ganz­tä­gig sein, es müs­sen aber auch mehr und mehr Haupt­schu­len und För­der­schu­len, aber auch Re­al­schu­len und Gym­na­sien in den Ganz­tag ge­führt wer­den.«, sagte er. Eine mög­li­che Ge­samt­schule in Bad Sal­zu­flen, sagte er, werde darum nicht zwangs­läu­fig als Ganz­tags­schule ge­neh­migt. Er führte aus, dass für die Grün­dung ei­ner Ge­samt­schule be­stimmte Vor­aus­set­zun­gen er­füllt wer­den müs­sen. »Eine Ge­samt­schule muss min­des­tens vierzü­gig sein. Außer­dem brau­chen Sie genü­gend Kin­der mit Gym­na­si­al­reife – für eine Ober­stu­fen sind 42 Schü­ler er­for­der­lich. An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass es im Jahr 2010 in Lippe 13 Pro­zent we­ni­ger Fünft­kläss­ler ge­ben wird, weiß ich nicht, ob sich diese Vor­be­din­gun­gen auf lange Sicht er­fül­len las­sen. Denn egal wie die Be­darfs­er­mitt­lung in Bad Sal­zu­flen aus­fällt: Ob die El­tern die Kin­der tatsäch­lich an der Schule an­mel­den, steht auf ei­nem an­de­ren Blat­t«. Er brachte deut­lich zum Aus­druck, dass er der Ge­samt­schule auch als Schul­form ab­leh­nend ge­genü­ber­steht: »Ich ver­hehle nicht, dass ich glau­be, dass eine Ge­samt­schule nicht die Er­folge bringt, die sie sich da­von er­hof­fen.«

»­Sie ma­chen al­les so ne­ga­ti­v«, warf eine Mut­ter im Ple­num ein. Sie er­klär­te, ih­rem Kind gern mehr Zeit für den Ü­ber­gang von der Grund­schule in eine an­dere Schul­form ge­ben zu wol­len und des­halb eine Ge­samt­schule in Er­wä­gung zie­he. »A­ber die Ge­samt­schu­len in Leo­polds­höhe, Lemgo und Her­ford ha­ben viel mehr An­mel­dun­gen als Plät­ze. Da kommt man nicht rein«, meinte sie. Dazu mel­dete sich der Vor­sit­zende des Aus­schus­ses für Bil­dung und Sport der Stadt Bad Sal­zu­flen, Eduard Bö­ger (SPD) zu Wort. Er er­klär­te, dass im ver­gan­ge­nen Jahr 120 Sal­zu­fler El­tern ihre Kin­der an den drei um­lie­gen­den Ge­samt­schu­len an­mel­den woll­ten, und nur et­was mehr als die Hälfte einen Platz be­kom­men hät­ten. »Wir müs­sen ü­ber­le­gen, ob wir den El­tern dann nicht auch hier vor Ort ein Bil­dungs­an­ge­bot ma­chen soll­ten«, so Bö­ger.

Viel Dis­kus­si­ons­be­darf gibt es auch bei der Stand­ort­frage ei­ner mög­li­chen Ge­samt­schu­le. »Ei­nes muss klar sein: Sie neh­men den an­de­ren Schu­len hier in Bad Sal­zu­flen et­was weg«, sagte Win­ands. Al­lein die er­for­der­li­che Größe ei­ner Ge­samt­schule könne nur durch einen Neu­bau, wahr­schein­li­cher aber durch die Um­wand­lung ei­ner be­ste­hen­den Schule er­reicht wer­den. Bö­ger sagte dar­auf: »Natür­lich müss­ten wir auf Vor­han­de­nes zurück­grei­fen. Wenn das Er­geb­nis der Be­darfs­er­mitt­lung er­for­dert, wei­ter ü­ber eine Ge­samt­schule nach­zu­den­ken, müs­sen wir uns ü­ber­le­gen, wel­che Schule suk­zes­siv aus­lau­fen kann.« Er be­ton­te: »Auch dann wird es die vor­han­de­nen Schul­for­men nach wie vor in un­se­rer Stadt ge­ben. Bloß nicht mehr an bei­den Schul­zen­tren.«

Wei­tere Dis­kus­si­ons­the­men gin­gen in Rich­tung der Fi­nan­zie­rung, der Un­ter­richts­för­de­rung und nach ei­ner ge­mein­sa­men Ori­en­tie­rungs­stufe für alle Kin­der bis zur sechs­ten Klas­se. Win­ands: »Struk­tur­de­bat­ten brin­gen uns zur Zeit nicht wei­ter. Wich­ti­ger als die Schul­form sind der Bil­dungs­wille der El­tern und die per­so­nel­len Res­sour­cen und den Schu­len«.

vom 19.01.2008 | Ausgabe-Nr. 3B

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