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Interview mit Dr. Andreas Wulf und dem FCE-Vorsitzenden Klaus Senft:

Sporthaus: Bauruine und persönliche Fehler?

Au­gust­dorf (bo). Hat das Sport­haus am Schlings­bruch eine Zu­kunft? Was ist schief ge­lau­fen in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten? Warum hat die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Ge­meinde Au­gust­dorf und dem aus­führen­den FCE Au­gust­dorf of­fen­sicht­lich nicht so funk­tio­niert, wie sich alle Be­tei­lig­ten das vor­ge­stellt ha­ben? Lippe ak­tu­ell-Mit­ar­bei­ter sprach mit Bür­ger­meis­ter Dr. An­dreas Wulf und stellte dem FCE die glei­chen Fra­gen, die nach Ab­spra­che mit dem Vor­stand der Vor­sit­zende Klaus Senft be­ant­wor­te­te.

?: Das Sport­haus am Schlings­bruch ist zu­min­dest win­ter­fest ge­macht. Ist eine Bau­ru­ine ent­stan­den?

Dr. An­dreas Wulf: Nein. Das Haus wird keine Bau­ru­ine. Of­fen ist der­zeit aber, wer das Ge­bäude nut­zen wird. Der FCE hat in­zwi­schen er­klärt, dass er das Sport­haus nicht al­lei­ne

­be­wirt­schaf­ten kann. Wir müs­sen nun nach wei­te­ren Nut­zern Aus­schau hal­ten und ein

­so­li­des Nut­zungs­kon­zept ent­wi­ckeln. Dann kön­nen wir die wei­te­ren Bau­maß­nah­men

­pla­nen.

Klaus Senft: Nein, es ist keine Bau­ru­ine ent­stan­den. Uns alle hat die kurz­fris­tig ent­stan­dene Fi­nanz­krise um den Bau ziem­lich mit­ge­nom­men. Umso bes­ser ist es, fest­stel­len zu dür­fen, dass alle Sei­ten zur Zeit in­ten­siv daran ar­bei­ten, eine ge­mein­same Lö­sung zu fin­den, da­mit das Haus fer­tig ge­stellt wer­den kann.

?: Noch im­mer fehlt viel Geld, um den Bau fort­zu­set­zen. Neue Spon­so­ren sol­len ge­sucht wer­den, ein Gut­ach­ter seine Ar­beit auf­neh­men, Po­li­tik und Ver­wal­tung ha­ben sich ei­ni­ges vor­ge­nom­men. Wie ist der ak­tu­elle Stan­d?

Wulf: In der Tat: Rat und Ver­wal­tung un­ter­neh­men sehr viel, um ein Pro­blem zu lö­sen, das in ers­ter Li­nie ein Pro­blem des FCE ist. Ich stehe in stän­di­gem Kon­takt mit dem

vor­läu­fi­gen In­sol­venz­ver­wal­ter, dem Rechts­an­walt und dem neuen Sport­haus-Be­auf­trag­ten des Ver­eins. Die Ge­meinde hat zwei Gut­ach­ter be­auf­tragt: Ein Bau­sach­ver­stän­di­ger hat die Kos­te­ner­mitt­lung des FCE ü­ber­prüft. Außer­dem hat er die Kos­ten für die end­gül­tige Fer­tig­stel­lung pro­gno­s­ti­ziert. Ein Rechts­an­walt be­wer­tet die Lage ju­ris­tisch und zeigt mög­li­che Aus­wege aus der Krise auf. Die Er­geb­nisse wer­den im Ja­nuar vor­lie­gen. Auf die­ser Grund­lage kön­nen wir Ent­schei­dun­gen tref­fen.

­Senft: Ich kann be­kräf­ti­gen, dass der FCE in­ten­siv an ei­ner Lö­sung der Fi­nanz­krise ar­bei­tet. Lö­sungs­ori­en­tiert ar­bei­ten wir auch an ei­ner Abän­de­rung der Si­tua­tion Sport­ler­heim. Hier wer­den lau­fend Ge­spräche mit den Be­tei­lig­ten und Spon­so­ren ge­führt. Ich muss um Ver­ständ­nis bit­ten, auf­grund des lau­fen­den Ver­fah­rens und di­ver­ser ver­trau­li­cher Ver­hand­lun­gen zur Zeit keine nähe­ren An­ga­ben zur Sa­che ma­chen zu kön­nen.

?: Of­fen­sicht­lich ha­ben alle Sei­ten bei die­sem Pro­jekt Feh­ler ge­macht. Wer­fen Sie sich per­sön­lich et­was vor­?

Wulf: Der FCE hat der Ge­meinde ein An­ge­bot ge­macht: Der Ver­ein baut in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung ein neues Sport­haus. Er sorgt für die Fi­nan­zie­rung. Die Ge­meinde muss nur das Grund­stück und 140.000 Euro als ein­ma­li­gen Zu­schuss zur Ver­fü­gung stel­len.

Wird das Pro­jekt teu­rer, dann be­sorgt der FCE die feh­len­den Mit­tel. Die Ge­meinde hat von An­fang an aus­ge­schlos­sen, dass sie Geld nach­le­gen wird. Das wurde ver­trag­lich ver­ein­bart. Die Ge­meinde hat ihre Pflich­ten er­füllt. Der FCE nicht. Der Feh­ler der Ge­meinde war: Sie hat dem Ver­ein das Ver­trauen ge­schenkt, das be­son­ders sein Vor­sit­zen­der mas­siv ein­ge­for­dert hat. Der FCE hat sei­ner­zeit mit Un­ter­stüt­zung der SPD und un­ter Nut­zung der Presse star­ken öf­fent­li­chen Druck auf­ge­baut. Wer als Po­li­ti­ker im Dorf Be­den­ken geäußert hat, hat sich oft­mals star­ker Kri­tik aus­ge­setzt ge­se­hen. »­Ver­wal­tung und Rat steh­len sich aus der Ver­ant­wor­tung«, das ist eine von vie­len Aus­sa­gen von Klaus Senft, die vie­len noch in den Oh­ren klingt. Bei zukünf­ti­gen Pro­jek­ten würde ich dar­auf be­ste­hen, dass die Ri­si­ken ge­recht ver­teilt wer­den, z.B. durch Bürg­schaf­ten oder Si­cher­heits­leis­tun­gen. Und ich würde stär­ker dar­auf ach­ten, dass sich das Eh­ren­amt selbst nicht ü­ber­schätz­t.

­Senft: Tja, im Nach­hin­ein ist man im­mer schlau­er. Al­les »hät­te«, »­soll­te« und »woll­te« macht nun we­nig Sinn. Man muss nach vorne schauen und hart daran ar­bei­ten, die Dinge neu zu ord­nen. Als Kon­se­quenz der Er­eig­nisse hatte ich dem Ge­samt­vor­stand mei­nen Rück­tritt an­ge­bo­ten. Die­ser hat sich ein­stim­mig für meine Per­son aus­ge­spro­chen und alle ge­mein­sam krem­peln nun die Är­mel für ein »Jetzt erst recht« hoch.

?:Ist das Ver­hält­nis zwi­schen Ver­wal­tung, Po­li­tik und FCE zer­stör­t?

Wulf: Die Ver­wal­tungs­führung und die große Mehr­heit der Rats­mit­glie­der sind nicht nur ent­täuscht. Viele fühlen sich getäuscht, und zwar in ers­ter Li­nie vom FCE-Vor­sit­zen­den. Das Ver­hält­nis zu Klaus Senft ist nach­hal­tig ge­stört. Es wird nach mei­ner Ein­schät­zung mit dem jet­zi­gen Vor­sit­zen­den keine Lö­sung der Krise ge­ben. Denn dazu müss­ten neue Ver­ein­ba­run­gen ge­trof­fen wer­den. Diese könnte aber nur je­mand aus­han­deln und un­ter­zeich­nen, der das Ver­trauen der Ge­meinde ge­nießt. Die Per­son muss mit Geld um­ge­hen und den Ver­ein mo­ti­vie­ren kön­nen. Bei al­ler Kri­tik ver­kenne ich nicht, dass Klaus Senft sich in an­de­ren Be­rei­chen um den Ver­ein ver­dient ge­macht hat.

­Senft: Eine Krise darf nicht so­weit ge­hen, dass man sich ge­gen­sei­tig der­art ver­letzt, dass ein bis­lang ver­trau­ens­vol­les Ver­hält­nis der Zu­sam­men­ar­beit durch un­be­son­ne­nes Ver­hal­ten zer­stört wird und man nicht mehr mit­ein­an­der spricht oder spre­chen mag. Ein sol­ches Ver­hal­ten wäre sehr un­pro­fes­sio­nell. Das würde in der Öf­fent­lich­keit nie­mand ver­ste­hen und man könnte das al­len Be­tei­lig­ten von Ver­ein, Po­li­tik und Ge­meinde si­cher­lich nicht ver­zei­hen. Das neue Sport­haus ist doch vor al­lem für kom­mende Ge­ne­ra­tio­nen Au­gust­dor­fer ge­dacht. Es wäre doch un­ver­zeih­lich, jetzt von ei­nem zer­stör­ten Ver­hält­nis zu spre­chen und darum nicht mehr in der Sa­che vor­wärts zu kom­men. Per­sön­li­ches vor Sach­li­chem - so­weit darf es nicht ge­hen.

?: Wür­den Sie einen der­ar­ti­gen Ver­trag ü­ber eine Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen ei­nem Ver­ein und der Ge­meinde noch ein­mal un­ter­schrei­ben?

Wulf: Wenn der Rat sich wie­der für einen sol­chen Ver­trag ent­schei­det, bin ich ver­pflich­tet, ihn zu un­ter­schrei­ben - es sei denn, der Rats­be­schluss ge­fähr­det das Wohl der Ge­meinde oder ver­letzt das gel­tende Recht. Viele Pro­jekte wer­den sich in Zu­kunft nicht ohne tat­kräf­tige Un­ter­stüt­zung des Eh­ren­amts ver­wirk­li­chen las­sen. Dass der­ar­tige Pro­jekte wie der Sport­haus­bau durch den FCE schei­tern, ist nicht die Re­gel. Es gibt genü­gend Bei­spiele für er­folg­reich ab­ge­schlos­sene Bau­maß­nah­men.

­Senft: Ein Ver­trag ist wich­tig und re­gelt grundsätz­lich das Ver­hält­nis zwi­schen zwei Par­tei­en. Mit der Er­fah­rung von heute würde ich je­doch einen sol­chen Ver­trag nicht mehr un­ter­schrei­ben kön­nen, weil die Ge­fahr, in Schwie­rig­kei­ten zu ge­ra­ten, für einen eh­ren­amt­lich ge­führ­ten Ama­teur­ver­ein kaum kal­ku­lier­bar ist. Ein Ver­ein, der letzt­end­lich nur eh­ren­amt­lich und in gu­ter Ab­sicht für die Bür­ger ei­ner Kom­mune ar­bei­tet, wird sehr häu­fig mit den an ihn ge­stell­ten For­de­run­gen ü­ber­las­tet. Ge­rade letz­te­res ist mir nun schmerz­lich be­wusst ge­wor­den. Je­der Ver­eins­vor­stand, der ver­trag­li­che Ver­pflich­tun­gen ein­geht, kann sich auf spie­gel­glat­tes Par­kett be­ge­ben.

vom 12.01.2008 | Ausgabe-Nr. 2B

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