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Nach 18 Jahren: Kirchenmusikerin Sigrun Stahr verlässt die Kirchengemeinde

»Dieser Abschied fällt mir nicht leicht«

Lügde (af­k). Zum Ende die­ses Jah­res ver­lässt Sig­run Stahr die Evan­ge­li­sche St. Jo­han­nis-Kir­chen­ge­meinde Lügde nach 18 Jah­ren als Or­ga­nis­tin und Chor­lei­te­rin. Aus die­sem An­lass hat die Ge­meinde am Sonn­tag, 30. De­zem­ber, um 17 Uhr zu ei­nem Kon­zert un­ter dem Ti­tel »Mu­sik des Ba­rock« in die St. Jo­han­nis-Kir­che in Lügde ein­ge­la­den. Der Kir­chen­chor St. Jo­han­nis, der Po­sau­nen­chor Lügde-Holz­hau­sen, Joa­chim Stahr an der Or­gel und Sig­run Stahr an der Flöte mu­si­zie­ren Werke von Jo­hann Pa­chel­bel, Mi­chael Prae­to­ri­us, Jo­hann Gott­fried Wal­ter, Da­niel Pur­cell und an­de­ren. Die Ge­samt­lei­tung hat Sig­run Stahr. Der Ein­tritt ist frei. Im An­schluss an das Kon­zert hat die Ge­meinde zu ei­nem Emp­fang ins Wi­chern­haus zur Ver­ab­schie­dung der lang­jäh­ri­gen Kir­chen­mu­si­ke­rin ein­ge­la­den.

»­Seit ei­ni­ger Zeit schon ist Sig­run Stahr da­bei, neue be­ruf­li­che Wege zu ge­hen. Da­her hat sie sich ent­schie­den, ihre Zeit als Kir­chen­mu­si­ke­rin in un­se­rer Ge­meinde nach 18 Jah­ren zu be­en­den«, sagt Pas­tor Hol­ger Nolte- Guen­ther, der Vor­sit­zen­der des Pres­by­te­ri­ums. »­Mit ihr ver­liert un­sere Kirch­ge­meinde nicht nur eine gute Or­ga­nis­tin und Chor­lei­te­rin, son­dern eine Frau, die sich mit ih­rem gan­zen Her­zen und al­lem Kön­nen für die Men­schen und das Mit­ein­an­der in der Ge­meinde ein­ge­setzt hat. Kin­der, Ju­gend­li­che, Chor­mit­glie­der, Frauen und Män­ner, Se­nio­ren und Be­woh­ner des Jo­han­ni­ter­stif­tes hat sie mit ih­rer Liebe zur Mu­sik an­ste­cken kön­nen.«

Ei­ner der Höhe­punkte in der Wir­kens­zeit der Kir­chen­mu­si­ke­rin war der Bau der neuen Or­gel in der Kir­che. Nicht zu­letzt durch ihr per­sön­li­ches En­ga­ge­ment hatte Sig­run Stahr zur Ver­wirk­li­chung die­ses Trau­mes we­sent­lich bei­ge­tra­gen.

»Es ist mir nicht leicht ge­fal­len, mich für die­sen Ab­schied zu ent­schei­den. Meine Wur­zeln in Lügde sind in­zwi­schen tief und 18 Jahre sind fast ein Drit­tel mei­ner Le­bens­zeit«, schreibt die Kir­chen­mu­si­ke­rin im Mit­te­lungs­blatt der evan­ge­li­schen Lüg­der Kir­chen­ge­mein­de. »A­ber ei­gent­lich bin ich Leh­re­rin, habe ein­mal Re­li­gion und Deutsch stu­diert und freue mich, nun noch ei­nige Jahre in die­sem Be­ruf ar­bei­ten zu kön­nen. Vor zwei Jah­ren habe ich mich für die Al­pha­be­ti­sie­rungs­ar­beit qua­li­fi­ziert und bin dort seit­dem tätig.«

1990 hatte Sig­run Stahr den Kir­chen­chor von Clau­dia Rich­ter ü­ber­nom­men, der ge­rade sein 30. Ju­biläum fei­er­te. »Ich musste so tun, als ob ich einen Chor lei­ten konn­te«, er­in­nert sie sich. »Erst 1993 bis 1995 konnte ich in Pa­der­born die Aus­bil­dung zur C-Kir­chen­mu­si­ke­rin ma­chen. In­zwi­schen ha­ben wir viele Stun­den mit­ein­an­der ge­ar­bei­tet, ha­ben in vie­len Got­tes­diens­ten oder Al­ters­hei­men ge­sun­gen, in Kon­zer­ten und bei Lügde singt. So viele Welt­ge­bets­tage ha­ben wir ge­stal­tet, so viele Ständ­chen ge­bracht. Wir ha­ben mit­ein­an­der ge­ges­sen und ge­trun­ken, ge­lacht und ge­trau­ert und ha­ben uns viel Ver­trauen ge­schenkt. Für das Ge­tra­gen­wer­den in die­ser Chor­fa­mi­lie, auch in schwe­ren Zei­ten, bin ich be­son­ders dank­bar.«

Seit 1991 ver­suchte sie, einen Block­flöten­kreis auf­zu­bau­en. »Das war zunächst müh­sam«, erzählt die Schei­den­de. »­Doch un­sere Lie­der­reise durch Eu­ropa mit ent­spre­chen­dem Buf­fet war be­stimmt eine tolle Dar­bie­tung und all­mäh­lich wur­den wir rich­tig gut. Auch das Mu­si­zie­ren mit an­de­ren In­stru­men­ten zu­sam­men, dem Cel­lo, der Gei­ge, den Quer­flöten, hat mir viel Freude ge­macht, auch wenn un­sere klei­nen Kam­mer­mu­si­ken viel­leicht nicht so per­fekt wa­ren!«

­Gern er­in­nert sie sich an den Spee-Lie­der­abend 1991 in Fal­ken­ha­gen, an das ö­ku­me­ni­sche »Of­fene Sin­gen« an­läss­lich der Bi­bel­wo­che 1992, an den Credo-Chor aus Pe­ters­burg 1995 oder an die Fahrt nach An­ger­mün­de.

­Be­son­ders in ih­rer Lüg­der »Hei­mat«-Kir­che habe sie sich je­doch zu Hause ge­fühlt. Sonn­tags­got­tes­dienste und die Fest­tage zu ge­stal­ten, Kin­der­got­tes­dienste zu lei­ten, Schul­got­tes­diens­te, die Got­tes­dienste im Jo­han­ni­ter­stift oder auch Be­er­di­gun­gen mu­si­ka­lisch zu be­glei­ten seien ein wich­ti­ger Teil ih­res Le­bens ge­wor­den. Das werde sich nun än­dern, meint sie: »Ich kann noch nicht ein­schät­zen, wie sehr ich es ver­mis­sen wer­de. Ver­mis­sen werde ich meine Ar­beit mit den Kin­dern. Die Bre­mer Stadt­mu­si­kan­ten, die Schild­bür­ger, Pe­trus, Matt­häus, Max und Mo­ritz, un­sere Zir­kus­vor­stel­lung, der Re­gen­bo­gen­fisch, Rit­ter Rost, Fran­zis­kus und auch die Ge­schichte vom Turm ha­ben al­len Be­tei­lig­ten viel ab­ver­langt und ha­ben uns doch gleich­zei­tig sehr reich ge­macht, die Zuhö­rer und die Be­tei­lig­ten und eben auch mich.«

Ihr be­son­de­rer Dank gilt beim Ab­schied dem Kir­chen­vor­stand, den Ge­mein­de­mit­ar­bei­te­rin­nen Lan­g­litz und Ree­se, Pas­tor Nolte-Guen­ther und »auch mei­nem Mann und mei­nen Kin­dern für viel Un­ter­stüt­zung, viel Ver­ständ­nis und Ent­ge­gen­kom­men, viel An­er­ken­nung und Dank­bar­keit, die sie mei­ner Ar­beit und mir im­mer wie­der ge­schenkt ha­ben. Das hat meine Phan­ta­sie be­flü­gelt, mein Tun ge­tra­gen, und es hat meine Zeit in Lügde kost­bar ge­macht«, sagt Sig­run Stahr dank­bar.

vom 29.12.2007 | Ausgabe-Nr. 52B

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