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Begeisterndes Neujahrskonzert im Konzerthaus Detmold

Freude, schöner Götterfunken

 

Det­mold (p­k). Nein, Beetho­ven stand nicht auf dem Pro­gramm beim Det­mol­der Kon­zert zum neuen Jahr und Schil­lers Ode wurde auch in kei­ner an­de­ren Weise zu Gehör ge­bracht, aber der Göt­ter­funke Freude sprang trotz­dem von der Bühne des aus­ver­kauf­ten Kon­zert­hau­ses auf das Pu­bli­kum ü­ber, und zwar auf das In­ten­sivs­te!

­Schon zu Be­ginn des Kon­zer­tes bei der Ou­ver­türe zu Ver­dis Oper »Na­buc­co« wurde dem Zuhö­rer deut­lich, dass das Det­mol­der Hoch­schu­lor­che­s­ter (ge­schätz­tes Durch­schnitts­al­ter: un­ter 25 Jah­re!) un­ter der Lei­tung von Prof. Bloe­meke mit Pro­fes­sio­na­lität und Ener­gie ge­la­de­ner Spiel­freude mu­si­ka­li­sches Feuer aus­zu­drü­cken ver­mag. Ähn­li­ches galt auch für die In­ter­pre­ta­tion der Ou­ver­türe zur Ope­rette »Or­pheus in der Un­ter­welt« von Jac­ques Of­fen­bach, bei der sich große Tut­ti­pas­sa­gen mit wir­kungs­vol­len Kla­ri­net­ten, Oboen-, Vio­lin- und Cel­lo­soli ab­wech­seln – ein hoch ef­fek­ti­ves Werk, präch­tig ge­spiel­t!

A­ber dann, gleich nach sprit­zig mu­si­zier­ten Vor­spie­len aus Ge­or­ges Bi­zets Welter­folgs­o­per »­Car­men«, ein ganz be­son­de­rer mu­si­scher Göt­ter­fun­ken: Die Car­men-Kon­zert-Phan­ta­sie, op. 25, für Vio­line und Or­che­s­ter von Pa­blo de Sa­ra­sa­te, be­setzt mit Chris­tina Bra­betz, ei­nem Gei­gens­tern aus der Det­mol­der Tal­ent­schmie­de, dem Hoch­be­gab­ten­zen­trum der Mu­sik­hoch­schu­le. Mit wel­cher vir­tuo­sen Kom­pe­tenz sich die­ses zier­li­che Ge­nie, Schü­le­rin von Prof. Tho­mas Chris­tian, im zar­ten Al­ter von 16 Jah­ren durch al­le, zum Teil hals­bre­che­ri­schen Pas­sa­gen die­ses »­Olymps der Vio­li­ne« be­weg­te, ist nur als phäno­me­nal zu be­zeich­nen und riss das Pu­bli­kum zu Bravo-Ru­fen und fre­ne­ti­schem Ap­plaus hin.

Ge­sun­gene und ge­schau­spie­lerte (ein­sch­ließ­lich Tanz) Ope­ret­ten­se­lig­keit er­war­tet der Kon­zert­be­su­cher nicht un­be­dingt auf dem Spiel­plan des Det­mol­der Kon­zert­hau­ses. Wenn dies aber ge­schieht mit Stü­cken, wie dem pfif­fi­gen »Streit­du­et­t« aus Of­fen­bachs »Or­pheus in der Un­ter­welt«, mit Bra­vour ge­sun­gen und ge­spielt von Sa­rah Da­vi­do­vic (So­pran) und Vol­ker Ha­nisch (Te­nor), oder Franz Le­hars Du­ett »­Mit den Frau‘n auf Du und Du« mit den So­lis­ten Paula und Ge­org Füh­rer (So­pran und Te­nor), löste das beim Pu­bli­kum Be­geis­te­rung und Freude aus, ob­wohl sich Bloe­meke dafür bei sei­nem Rek­tor fast ent­schul­dig­te.

Um gleich bei der Mo­de­ra­tion und der Freude zu blei­ben: Bloe­me­kes er­läu­tern­de, aber auch spitz­fin­dige und iro­ni­sche Kom­men­tare zwi­schen den ein­zel­nen Wer­ken, seine blu­men­rei­chen »­Kurz­fas­sun­gen« von Opern und Ope­ret­ten und die Be­schrei­bung ei­ner Vio­li­ne, die er vor­her sei­nem Kon­zert­meis­ter »en­tris­se­nen« hat­te, als ge­sund­heits­schäd­li­ches »Wir­bel­tier mit sechs Sai­ten/­Sei­ten« (Vor­der-, Rück­seite und vier Sai­ten), ver­brei­te­ten beste Laune bei den Zuhö­rern.

Nach dem »Cham­pa­gner-Ga­lopp«, op. 14, von Hans Chris­tian Lum­bye mit ech­tem Cham­pa­gner-Knall am Schluss – der Di­ri­gent trank solo – er­war­tete dann das Pu­bli­kum mit Ed­ward El­gars »­Pomp and Cir­cum­stan­ce« ein mu­si­ka­lisch und akus­tisch er­he­ben­des Er­eig­nis, auch im engs­ten Sinn des Wor­tes, denn die Zuhö­rer soll­ten sich nach An­wei­sung des Di­ri­gen­ten beim je­wei­li­gen Haupt­thema von ih­ren Plät­zen er­he­ben. Die Ton­meis­ter der Hoch­schule hat­ten da­zu, dank der im Kon­zert­haus rea­li­sier­ba­ren »Wel­len­feld­syn­the­se«, den Raum akus­tisch kur­zer­hand in die für die­ses Stück prä­des­ti­nierte Royal-Al­bert-Hall ver­wan­delt. Er­grei­fend, den Klän­gen der »Zwei­ten Na­tio­nal­hymne der Bri­ten« ste­hend in ori­gi­na­ler Al­bert-Hall-Akus­tik zu lau­schen!

­Mit drei Zu­ga­ben, ein­sch­ließ­lich des un­ver­meid­li­chen Ra­detzky-Mar­sches, ver­ab­schie­dete nach der Strauß-Polka »Leich­tes Blut« schließ­lich das Hoch­schu­lor­che­s­ter ein be­geis­ter­tes, hoch er­freu­tes Pu­bli­kum.

vom 27.01.2010 | Ausgabe-Nr. 4A

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